SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

Predigt Pastorin Uta Möhr

1. Sonntag nach Trinitatis

29.06.2019 |  1. Sonntag nach Trinitatis 23.6.2019
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Sohn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
stellen Sie sich vor, ein Star kommt zu uns, ein berühmter, bekannter, allseits beliebter Mensch. Vielleicht hat er sich angekündigt, dann würden wir die Kirche putzen, den Catering bestellen, feststellen: Ich brauch dringend was neues anzuziehen und zum Friseur muss ich auch. In der Gemeinde würde ein Festkommitee gebildet, die Begrüßung würde ausgearbeitet und alle wären aufgeregt, aufgescheucht.
Was er uns wohl zu sagen hat? Wird er noch jemanden mitbringen? Über was wird er reden? Sicher wird er stolz sein, dass wir alles so toll vorbereitet haben!
Und dann kommt er, dann ist er da.
Er hat kein Auge für unsere Bemühungen, für unsere blankgeputzte Kirche, er sieht nicht das Festgewand und nicht die neue Frisur.
In unserer Kirche würde er sich vielleicht ans Mikrophon stellen, damit er sicher sein kann, dass ihn auch alle hören. Aber vielleicht hat er das auch nicht nötig. Vielleicht ist es so still, dass man eine Stecknadel zu Boden fallen hören könnte.
Erwartungsvolle Augen blicken zu ihm:
Ich lese aus dem Johasnnesevangelium Kapitel 5: Joh. 5/39-47 NGÜ
Jesus spricht: Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu finden. Aber gerade die Schrift weist auf mich hin.
Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, obwohl ihr bei mir das Leben finden würdet.
Ich bin nicht darauf aus, von Menschen Anerkennung zu bekommen. Aber ´bei euch ist es anders. Ich kenne euch und weiß, dass ihr der Liebe zu Gott keinen Raum in eurem Leben gebt.
Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr lehnt mich ab. Doch wenn jemand anders in seinem eigenen Namen kommt, werdet ihr ihn mit offenen Armen aufnehmen.
Wie solltet ihr auch glauben können? Bei euch ist jeder darauf aus, von den anderen Anerkennung zu bekommen; nur die Anerkennung bei dem einen, wahren Gott sucht ihr nicht. Denkt nicht, dass ich euch beim Vater anklagen werde. Mose wird euch anklagen – er, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.
Denn wenn ihr Mose wirklich glauben würdet, würdet ihr auch mir glauben; er hat ja über mich geschrieben.
Wenn ihr aber dem nicht glaubt, was Mose geschrieben hat, wie wollt ihr dann dem glauben, was ich euch sage?«
Wie geht es Ihnen, wenn Sie das hören?
Es ist eine kalte Dusche.
Da kommt Jesus daher und kanzelt die Juden, die sich versammelt haben, um ihn zu hören, ab. Sie würden nicht recht glauben, sie wären nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht, sie suchen Lob und Anerkennung, undifferenziert seien sie.
Ich stell mir vor, Wut und Ärger machen sich breit. Vielleicht ist das Schweigen längst einem aufgeregten Gemurmel gewichen. Einige sind vielleicht gegangen und sagten sich: Das muss ich mir nicht antun. Er kennt mich gar nicht – muss ich mich von ihm beschimpfen lassen?!
Warum tut Jesus das?
Er will doch Anhänger sammeln! Muss er sie so vor den Kopf stoßen?
Ich glaube, unser Problem mit dem Verständnis dieses Bibeltextes ist, dass wir immer linear denken. Wir denken, Jesus ist durch das Land gezogen, hat hier und dort gepredigt, hat sich mit den Schriftgelehrten und Pharisäern auseinandergesetzt, ist weiter gezogen... und irgendwie lief immer einer neben ihm her und hat alles aufgeschrieben.
Aber so war es ja nicht.
Das Johannesevangelium ist etwa 70 Jahre nach Jesu Tod aufgeschrieben worden und nicht etwa von einem seiner Begleiter, natürlich nicht, die waren ja auch schon alle tot, sondern von einem Mann, von dessen Herkunft wir nichts wissen. Wir wissen auch nicht, ob er selbst noch Augenzeugen kennengelernt hat.
Wir können davon ausgehen, dass die Geschichten von Jesus mündlich in den Gemeinden weitergegeben wurden, einiges war auch schon aufgeschrieben. Wir können uns vorstellen, dass ein Mann namens Johannes sich hinsetzte und das, was er gehört hat, sortierte. Er hatte eine Gemeinde vor Augen, die sich damit auseinandersetzen mussten, dass sie als Christen im jüdischen Kontext, in der Synagoge zum Beispiel nicht mehr erwünscht waren. In der Zwischenzeit waren auch Menschen dazugestoßen, die sich zu Christus bekannten, die aber keine Juden waren. Sie brachten stattdessen Elemente eines fremden Glauben mit.
An diese vielschichtige Gemeinde wendet sich Johannes und versucht, die Botschaft Christi verständlich zu machen.
Den Heidenchristen muss er erst mal einiges erklären, z.B. dass bereits die heilige Schrift der Juden auf Jesus hinweist.
Das geschieht an verschiedenen Stellen im gesamten Johannesevangelium. Vielfach bedient er sich dabei der Bilder aus dem griechischen Umfeld.
Ein aktuelles und drängendes Porblem der damaligen Zeit war jedoch der Ausschluss der Christen aus der Synagogengemeinde. Zunächst hatten Juden und Christen gemeinsam oder parallel ihren Glauben gelebt, 70 Jahre später jedoch war das nicht mehr so einfach, die Christen, die sich ja aber auch auf den Gott der Juden beriefen, durften nun nicht mehr in die Synagoge.
Warum erzähle ich Ihnen das alles? Ich möchte damit vor allem deutlich machen: Es gibt in den Evangelien kein wahr oder falsch, kein so und nicht anders.
Die Verbreitung der christlichen Botschaft ist immer damit verbunden, wem sie erzählt wird, in welchen gesellschaftlichen Zusammenhängen sie erzählt wird und warum sie erzählt wird.
Warum also schreibt Johannes diese Sätze so auf, wie sie aufgeschrieben sind, und die so viel Ärger und Unbehagen auslösen?
Nun, Johannes wendet sich an die Juden, die Jesus nicht als den verheißenen Messias anerkennen. Jesus sagt: Ihr lehnt mich ab. Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu finden.
Johannes geht es also um die Abgrenzung zu den Juden, weil das für die Christen das drängendste Problem seiner Zeit war.
Wenn wir diesen Bibeltext nun aber in unseren gesellschaftlichen Kontext stellen, was ist denn unser drängendstes Problem – nun vielleicht nicht das drängendste überhaupt, aber eines der gravierenden Probleme für uns Christen in unserer Zeit?
Jesus sagt: Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, obwohl ihr bei mir das Leben finden würdet.
Ich bin nicht darauf aus, von Menschen Anerkennung zu bekommen. Aber bei euch ist es anders. Ich kenne euch und weiß, dass ihr der Liebe zu Gott keinen Raum in eurem Leben gebt.
Das sind die Sätze, die mich am meisten beschäftigt haben:
Geben wir der Liebe zu Gott Raum in unserem Leben?
Ist uns das so wichtig, dass wir alles andere dem unterordnen? Oder ist der Glaube an Gott nicht doch eher Privatsache, wie ich es so oft höre? Wo reden wir von unserem Glauben? Ich meine jetzt nicht: Wo missionieren wir? Auch das erlebe ich oft: Wenn – vor allem wir kirchlichen Mitarbeiter – wenn wir im öffentlichen Raum etwas tun, an einer Veranstaltung teilnehmen, ein Fest mitgestalten oder wie jetzt gerade, einen Kirchentag initiieren, dann wird laut oder leise schon irgendwie erwartet, dass die Kirchen dann voller sind. Wenn wir Angebote in der Kita machen, dann wird irgendwie schon erwartet, dass dann die Christenlehregruppen voller werden.
Und irgendwie wird auch erwartet, dass durch eine vernünftige Konfirmanden – und Jugendarbeit die Gemeinden aufgebaut werden.
Und es enttäuscht, wenn das nicht so klappt. Vor ein paar Tagen hatten wir Pastoren ein Treffen mit den Bestattern in Rostock und da sagte dann ein Bestatter: die Kirche muss mehr Jugendarbeit machen, damit die Leute sich dann auch später kirchlich beerdigen lassen. Ich habe diesen Diskussionsbeitrag jetzt mal etwas verkürzt weiedergegeben.
Ich kann aus meiner langjährigen Erfahrung sagen, und ich kann mich da auch auf die Erfahrung anderer und früherer Pastoren stützen: Das funktioniert so alles nicht.
Wenn ich der Liebe zu Gott in meinem Leben Raum gebe, so wie Jesus es meint, wenn ich von meinem Glauben erzähle, wenn ich die Botschaft Christi weitertrage, einfach, weil ich erfüllt davon bin, dann tue ich das nicht, damit die Kirchen wieder voller werden, sondern dann tue ich das, oder wahrscheinlich muss ich da gar nicht groß was tun, dann möchte ich, dass mein Gegenüber davon angesteckt wird, dass er neugierig wird auf das, was mich erfüllt. Dass mein gegenüber selbst in Bewegung kommt.
Den Rest kann man dann getrost dem heiligen Geist überlassen. Amen

und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Datum
29.06.2019
Von
Pastorin Uta Möhr
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