SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

Predigt Pastorin Uta Möhr

Andacht vom Aschermittwoch 2017

02.03.2017 | Sieben Wochen ohne sofort – unter dieser Überschrift steht die diesjährige Fastenzeit. Unter dieser Überschrift fand eine Andacht am Aschermittwoch, dem 1. März um 19.00 Uhr in die Dorfkirche Lichtenhagen statt. Die Andacht, gelesen von Pastorin Uta Möhr und Friedrich Heilmann von der Kirchengemeinde Lichtenhagen Dorf, können Sie hier noch einmal nachlesen.

© KG Lütten Klein

weitere Informationen zur Fastenaktion

Andacht zum nachlesen

gelesen von Pastorin Uta Möhr und Friedrich Heilmann (kursiv)

BEGRÜSSUNG

Gottes Friede sei mit uns allen! Amen

Seien Sie herzlich begrüßt zur Andacht am Aschermittwoch. Heute beginnt die Passions – und Fastenzeit. In der Kirche merken wir das daran, dass bis Ostern keine Blumen mehr auf dem Altar stehen, dass die Osterkerze weggeräumt ist, bis sie Ostern wieder mit neuer Jahreszahl leuchtet, dass die Liturgie der Gottesdineste kürzer ist. Und in unserem Leben – woran erkennen wir da, dass Fastenzeit ist? Manche trinken keinen Alkohol in dieser Zeit, andere verzichten auf Süßigkeiten, und wieder andere versuchen sich ganz bewusst etwas für diese 7 Wochen vorzunehmen. Passionszeit. Sieben Wochen zum Fasten. Sieben Wochen zum Büßen. Das klingt mittelalterlich und auch ein bisschen abschreckend. Wenn einer zu mir sagt „Das wirst du mir büßen“, will er mir nichts Gutes tun. Buße bedeutet in der Bibel Umdenken. Es geht nicht nur darum, ein Verhalten zu ändern. Es geht ums Innere: um Denkweisen und Einstellungen.

In diesem Jahr steht die Aktion "Sieben Wochen ohne" unter dem Thema: "Augenblick mal – sieben Wochen ohne sofort." Jeden Tag soll vieles im Sofort-Modus passieren: sofort antworten, sofort entscheiden, sofort loslegen. Und das alles möglichst gleichzeitig. „Augenblick mal!“ Das ist eine heilsame Unterbrechung. Die Fastenaktion lädt ein zu entdecken, wo wir ein „Augenblick mal!“ brauchen. Und so feiern wir diese Andacht am Aschermittwoch im Namen Gottes, des Vaters, der uns unsere Zeit geschenkt hat im Namen Gottes, des Sohnes, der uns zeigt, wie wir unsere Zeit leben sollen und im Namen Gottes, des heiligen Geistes, der uns stärkt und ermutigt. Amen

TAGESGEBET

Ewiger Gott, du schenkst uns Zeit. Du bist bei uns, wenn wir glücklich sind. Wir brauchen dich besonders, wenn wir leiden. Wir bitten dich: Gib uns, was gerade an der Zeit ist. Die Kraft zur Entscheidung und die Geduld, um eine Situation auszuhalten. Die Energie, um etwas zu schaffen, und die innere Ruhe, darauf zu warten, dass Neues wächst. Darum bitten wir im Namen Jesu Christi, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schenkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

PREDIGT

Liebe Gemeinde,

Kinder und Jugendliche leben in ihrer eigenen Zeit. Kleinkinder können stundenlang einer Schnecke zuschauen, die langsam ein Blatt entlangkriecht, sie können morgens beim Anziehen einen Wassertropfen verfolgen, der langsam außen an der Fensterscheibe herunterrinnt. Beim Frühstück zerbröseln sie ihr Brötchen und stecken die Krümel einzeln in den Mund. Ich bin begeistert, wenn ich ein Kind in solchen zutiefst versunkenen Momenten beobachten kann. Ich bin begeistert, solange ich nicht diejenige bin, die auf die Uhr gucken muss und die einen straffen Zeitplan für den Tag hat. Als meine Jungs in der Pubertät waren, lebten sie immer noch in ihrer eigenen Zeitzone, aber mich hat das überhaupt nicht mehr begeistert. Da hatten Computer Einzug in unser Leben gehalten und dann hieß es, wenn ich zum Essen rief: Ich muss nur noch eben... ein Level schaffen z.B. Heute haben sie selber ihren Tagesablauf zu managen, haben Termine und einen festen Arbeitsbeginn, und irgendwie haben sie es ja auch gelernt.

Es hat eben alles seine Zeit, träumen und beobachten, spielen und chillen – und Termine und Abgabefristen. Kritisch wird es, wenn alles nur noch sofort passieren soll. Eine E-Mail verlangt oder der Absender erwartet sofort eine Antwort. Eine schlechte Note in der Schule soll sofort verbessert werden, ein Problem im Job muss sofort behoben werden. Eine Stelle soll unverzüglich besetzt werden und der neue Mitarbeiter soll sich sofort zurechtfinden. Und ein gesundheitliches Problem, und sei es nur eine Erkältung, soll sofort vorbeigehen. Ich kenne noch den Spruch aus meiner Kindheit: Ein Schnupfen braucht 7 Tage ohne Behandlung und eine Woche mit Behandlung. Es braucht eben seine Zeit, nur wir wollen das nicht mehr akzeptieren. Und dann kenne ich auch den Spruch: Rentner haben niemals Zeit. Zur Zeit meiner Großeltern war das nachvollziehbar: es ging alles nicht mehr so schnell. Sie standen nicht mehr so früh auf, frühstückten länger, machten Mittagsruhe und nachmittags gelegentlich einen Spaziergang. Heute leben Rentner anders, aber der Satz stimmt immer noch: Sie reisen durch die Gegend, engagieren sich ehrenamtlich (ein herzliches Dankeschön an alle Rentner, die heute Abend hier sind!!), sie helfen bei der Betreuung der Enkel, sie haben Hobbies. Aber auch heute geht für Ältere manches nicht mehr so schnell. Und bei alledem kommt man schnell an seine Grenzen.

Die Menschen in der Bibel kennen mehr als den Sofort-Modus. „Ein jegliches hat seine Zeit“, schreibt der Prediger Salomo im Alten Testament. Und weiter: „Alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit.“ (Prediger 3,1–4) Es ist nicht immer das Sofort, auf das es ankommt. Manches braucht seine Zeit. Mehr noch: Alles hat seine eigene Stunde, seine eigene Langsamkeit oder Schnelligkeit, um zu werden – oder auch, um zu vergehen. Werdende Eltern erleben das hautnah bei der Geburt ihres Kindes. Und wer am Bett eines Sterbenden sitzt, weiß: Auch das hat wie das Geborenwerden seine Zeit. Beides ist schmerzhaft. Bei beidem ist unsere ganze Menschlichkeit gefordert. Zwischen Geborenwerden und Sterben, zwischen Bauen und Einreißen, zwischen Klagen und Tanzen liegen viele Augenblicke, viele Farben und Schattierungen unseres Lebens. Manches vollzieht sich so schnell, dass wir kaum hinterher kommen. Anderes entwickelt sich über Monate und Jahre, ganz langsam, bis wir eines Tages merken: Hier hat sich etwas getan. Jetzt ist es ausgereift und steht klar vor Augen.

Mit Hilfe der Bibel kann ich mein Gespür für Zeit üben und verfeinern. Was muss sofort getan werden? Was kann ich nicht hetzen, sondern muss ihm die Zeit lassen, um wachsen zu können? Wann brauche ich den Augenblick zum Nachdenken und Innehalten? Wir sind Macher und gewohnt, vieles auf die Beine zu stellen. Umso schwerer fallen die Situationen, in denen wir nichts tun können, die wir aushalten müssen. Mal kein Aktionismus, keine großen Reden, sondern nur für den anderen da sein. Was zählt, ist meine Gegenwart.

„Augenblick mal! Sieben Wochen ohne Sofort“. Das biblische Gespür für die Zeit erkundet die Fastenaktion. Sieben Wochen, sieben Schritte. Den ersten haben wir bereits getan mit „Alles hat seine Zeit“. „Nicht sofort entscheiden“ heißt die zweite Woche. „Ich muss darüber erst noch einmal schlafen“, sagt man.  Die Seele spricht ihre eigene Sprache. Vielleicht gibt es Wege und Lösungen, die ich bei Tage betrachtet nicht sehe.

Die dritte Woche geht auf Erkundungsreise durch die Zeit: „Nicht sofort drauflosschaffen.“ Es gibt die Marta in uns. Das ist die, die immer anpacken will, die macht und tut, für alles eine Lösung parat hat, die dabei manchmal aber nicht merkt, wie sie sich selbst übergeht. Und es gibt die Maria in uns. Das ist die, die spürt: Das, was hier gerade passiert, lässt sich nicht später nachholen. Darum schütte ich es nicht mit Aktivität zu, sondern gebe diesem Augenblick Raum.

„Nicht sofort drankommen“ heißt die Devise der vierten Woche. Jeder hat gerne die besten Plätze. Jeder wird gerne bevorzugt behandelt. Und jeder kennt die Furcht, der oder die Letzte zu sein, zu kurz zu kommen und leer auszugehen. Man läuft Gefahr, vor lauter Aktion die Augenblicke zu versäumen, die Gott für uns bereithält.

Die fünfte Woche ist handfest: „Nicht sofort lospoltern.“ Wenn einen die Wut packt, hilft es, einen Augenblick durchzuatmen. Alles hat seine Zeit, auch das Streiten. Der Schreiber des Epheserbriefs empfiehlt: „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.“ Zorn ist nicht verboten. Aber es ist irgendwann mal gut. Am besten vor Sonnenuntergang. (Epheser 4,26)

Wer gärtnert oder seinen Balkon bepflanzt, kennt die Situation: Eine Pflanze will nicht so, wie ich sie will. Sie blüht nicht, sie trägt keine Früchte. „Nicht sofort aufgeben – nicht gleich umhauen! Gib ihr noch dieses Jahr!“, bittet ein Gärtner im Evangelium für die sechste Woche. Er redet nicht nur, er tut auch was. Er gräbt um und düngt. Er kümmert sich, weil er weiß: Auch wo nichts zu sein scheint, selbst wenn das Leben wie abgestorben aussieht, kann etwas werden.

Zum Schluss ein Fest. „Gottes Zeit feiern“ heißt die siebte Woche, ausgerechnet die Karwoche. Alles hat seine Zeit. Aufhören können gehört zum guten Arbeiten. Wenn der Allmächtige am siebten Tag von seinem Schöpfungswerk ausruht, müssen wir nicht glauben, ohne unser Schaffen, Werkeln, Handeln ginge die Welt sofort unter.

„Augenblick mal! Sieben Wochen ohne Sofort“. Nicht, weil Sofort schlecht ist. Aber Sofort nonstop tut nicht gut. Man läuft Gefahr, vor lauter Aktion die Augenblicke zu versäumen, die Gott für uns bereithält.  

Amen

 

 

 

Datum
02.03.2017
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