SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt 2. Sonntag nach Epiphanias, 19. Januar 2020

22.01.2020 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und
dem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
an Greta Thunberg aus Schweden scheiden sich die Geister,
also unsere Geister.
Die einen halten sie für ein psychisch krankes Mädchen, dem
viel zu viele Freiheiten gelassen werden, deren Eltern jedem
ihrer Spleens nachgeben und die viel zu viel Aufmerksamkeit
bekommt.
Und für andere ist sie so etwas wie eine Prophetin, die in
ihrem analytischem Denken den Untergang der Welt
vorhersagt, wenn nicht sofort und in aller Konsequenz ein
anderer Weg eingeschlagen wird.
Greta eckt an, mit ihrem Denken und mit ihrer direkten Art
das auch zu sagen, was sie denkt.
In ihrer Rede vor den vereinten Nationen im vergangenen Jahr
hat sie gesagt: „Wie könnt ihr es wagen uns unsere Zukunft zu
stehlen!“
Sie meinte damit, dass ihre Generation die Folgen des
Klimawandels, den die ältere Generation auslöst und nicht
wirksam bekämpft, ausbaden muss.
So etwas lässt sich niemand gerne sagen. Wir älteren fühlen
uns angegriffen und haben keine Chance, uns zu verteidigen.
Die jüngeren verehren Greta und sagen: Recht hat sie, endlich
mal jemand, der das sagt. Und viele Schüler und Studenten
haben im vergangenen Jahr begonnen, auf die Straße zu gehen
und uns, die wir unsere Regierung alle vier Jahre wählen, auf
unsere Verantwortung aufmerksam zu machen.
Denn der Klimawandel hat schon begonnen. Wir haben
heißere und trockenere Sommer und mehr Stürme als früher.
Und Schnee wird bei uns immer seltener. Die Bäume im Wald
leiden und die Landwirtschaft steht unter Druck. Wir können
uns vorstellen oder wir können es uns vielleicht auch nicht
vorstellen, was passiert, wenn die Temperaturen noch weiter
steigen.
Heute nun, am 2. Sonntag nach Epiphanias, haben wir nach
der neuen Leseordnung der evangelischen Kirche in
Deutschland einen alttestamentlichen Predigttext aus dem
Buch des Propheten Jeremia:
Dies ist das Wort, das der HERR zu Jeremia sagte über die
große Dürre:
Juda liegt jämmerlich da, seine Städte verschmachten. Sie
sinken trauernd zu Boden, und Jerusalems Wehklage steigt
empor.
Die Großen schicken ihre Diener nach Wasser; aber wenn sie
zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen
ihre Gefäße leer zurück. Sie sind traurig und betrübt und
verhüllen ihre Häupter.
Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land. Darum
sind die Ackerleute traurig und verhüllen ihre Häupter.
Selbst die Hirschkühe, die auf dem Felde werfen, verlassen
die Jungen, weil kein Gras wächst.
Die Wildesel stehen auf den kahlen Höhen und schnappen
nach Luft wie die Schakale; ihre Augen erlöschen, weil nichts
Grünes wächst.
Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch
um deines Namens willen! Denn unser Ungehorsam ist groß,
womit wir wider dich gesündigt haben.
Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer. Warum stellst du
dich, als wärst du ein Fremdling im Lande und ein Wanderer,
der nur über Nacht bleibt?
Warum bist du wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held,
der nicht helfen kann? Du bist ja doch unter uns, HERR, und
wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!
Diese Dürre, so sagt Jeremia, ist die Strafe Gottes für das
falsche Handeln. Gott vernichtet Israel. Dies haben sie sich
selbst zuzuschreiben. Und Gott wird sie erst aus ihrem selbst
hergestellten Unglück retten, wenn sie einsehen, was sie
falsch gemacht haben und umkehren und anfangen, richtig zu
handeln. Das steht dann im nächsten Kapitel.
Schon bei meinem allerersten Lesen des Bibeltextes ist mir
aufgefallen: Das, was Jeremia hier beschreibt, ist genau
unsere Situation: Die Brunnen versiegen, das Land wird
rissig, die Landwirte leiden persönlich darunter, dass auf
ihrem Land nichts wächst, das Vieh leidet und die wilden
Tiere auch.
Noch so einen Sommer wie 2018 möchte ich persönlich nicht
erleben.
Und doch gibt es auch gravierende Unterschiede zwischen
uns heute mit Greta Thunberg und dem Volk Israel vor 2600
Jahren mit ihrem Propheten Jeremia.
Zunächst die Gemeinsamkeiten:
Greta und Jeremia sagen eine Katastrophe voraus. Beide
sprechen von Veränderungen des Wetters, die alle treffen
werden und zu Hunger und Wassermangel führen werden.
Was geschehen wird, lösen die jetzt lebenden Menschen durch
ihr falsches Verhalten aus. Die Dürre wird sie selbst und die
folgenden Generationen treffen. Und es wird keine Chance
geben, der Katastrophe zu entgehen.
Und nun zu den Unterschieden:
Greta Thunberg hat sich in die Schriften der Klimaforscher
eingearbeitet. Sie hat sich detailliertes Wissen über die
Prognosen der Wissenschaft angeeignet. Und sie kennt die
Zusammenhänge zwischen CO2 Ausstoß und Erwärmung der
Erdatmosphäre. Es gibt heute sehr präzise Modelle dazu, wie
sich der Klimawandel auf die verschiedenen Weltgegenden
auswirken wird - je nachdem wie stark die Erwärmung
ausfällt. Nach diesen Modellen ist Mitteleuropa, wo wir
leben, übrigens sehr stark vom Klimawandel betroffen.
Überschwemmungen, Wirbelstürme, und andere
Naturkatastrophen werden auch bei uns zunehmen.
Jeremia dagegen beobachtet die aktuelle Politik am
Königshof und kann sich auch vorstellen, wohin sie führen
wird. Aber außerdem vernimmt er die Stimme Gottes und
gibt das weiter, was Gott ihm offenbart.
Greta ist verzweifelt. Sie weiß, wenn jetzt nicht gehandelt
wird, wenn jetzt nicht der Klimawandel aufgehalten wird,
dann ist es zu spät, dann werden die Folgen nicht mehr
aufzuhalten sein. Dann bricht das Chaos über die Welt herein.
Auch Jeremia beschreibt die schrecklichen Folgen. Er erzählt
davon wie die Tiere sterben und die Menschen Durst haben
und hungern. Aber er glaubt daran, dass Rettung möglich ist.
Er beschwört Gott, seinem Volk zu helfen. Er hofft auf die
Gegenwart Gottes und dass es trotz der Katastrophe noch eine
Zukunft gibt.
Greta legt den Finger auf unsere Wunde. Sie zwingt uns,
hinzuschauen, und zwar genau hinzuschauen. Sie sagt: Ihr
seid es uns schuldig, ihr habt uns in die Welt gesetzt, das
haben wir uns nicht selber ausgesucht und es ist eure
Aufgabe, ja eure Pflicht, die Erde so sorgsam zu behandeln,
dass auch wir noch darauf leben können.
Wir jedoch denken immer öfter, wir können ja doch nichts
tun. Die USA stoßen viel mehr Treibhausgase aus, als
Deutschland, oder Indien, China, Brasilien. Wem nützt es
dann, wenn ich nicht mehr in Urlaub fliege. Sollen sich die
anderen doch erstmal waschen, die sind viel schmutziger als
ich.
Und an dieser Stelle fällt mir gleich wieder der Satz meiner
Mutter ein: Wenn nun alle so denken würden, wenn das nun
alle so täten.
Nach uns die Sintflut, ist kein christliches Leitmotiv.
Gerade als ich die Verzweiflung in Gretas Augen gesehen
habe, habe ich gedacht: Nein, ich möchte heute nicht mehr
jung sein, ich möchte gar nicht noch 70 oder 80 Jahre
Lebenszeit vor mir haben, denn wer weiß, was ich dann noch
alles miterleben müsste. Aber das ist ein ganz fataler
Gedanke. Ich sollte so leben, so denken, so handeln, als hätte
ich noch 70 oder 80 Jahre vor mir. Ich sollte mir immer sagen:
Was muss ich tun, damit ich auch in 70 Jahren noch am
Strand von Warnemünde in der Sonne sitzen kann, ohne dass
mir der Pelz verbrennt und ohne dass ich einen nassen Hintern
bekomme, ohne dass der Strand längst auf den Gehwegen der
Seestraße liegt.
Greta meint, entweder wir retten jetzt die Welt oder die Welt
ist verloren. Und das stimmt so vermutlich nicht. Es gibt
bereits gute innovative Ideen und es werden immer wieder
tolle Dinge erfunden, die weiter helfen, die Erderwärmung
hinauszuzögern. Es wird Zukunft geben, davon bin ich
überzeugt, aber wie diese Zukunft aussehen wird, das weiß
ich auch nicht.
Jeremia hofft auf die Hilfe Gottes, aber er hofft nicht darauf,
dass Gott all das Furchtbare verhindern wird, sondern er hofft
vielmehr darauf, dass die Katastrophe zwar nicht verhindert
aber doch irgendwann überwunden werden kann, wenn die
Menschen ihr Verhalten ändern. Er hofft, dass Gott am Ende
gnädig sein kann, und eine Zukunft und Hilfe schenken wird,
die wir jetzt noch nicht sehen können.
In Greta Thunbergs Weltbild hängt alles vom vernünftigen
Handeln der Politik ab. Hier sind wir Menschen alleine. Wir
bestimmen unser Schicksal selbst und die Folgen unseres
Handelns holen uns sicher ein.
Ein bisschen sieht Jeremia es auch so. Die Menschen seiner
Zeit machen eine falsche Politik. Die Strafe Gottes wird sie
deshalb treffen. In Jeremias Vorstellungswelt ist die Strafe
Gottes genau das: die notwendige Folge von falschem
Handeln. Da unterscheidet sich Jeremia nicht wesentlich von
Greta.
Aber Jeremia geht weiter, und ich glaube er hat recht damit.
Außer den Folgen unseres Handelns gibt es noch etwas
anderes in der Welt – nämlich Gnade. Die Gnade Gottes. Es
gibt Zukunft und es gibt Hoffnung. Und es gibt die Chance,
dass wir Menschen unser Verhalten ändern und etwas für die
nächsten Generationen tun, weil wir eine Kraft in uns spüren,
die uns nicht verzweifeln lässt. Weil die Hilfe Gottes nahe ist,
weil wir Gott bitten können, uns zu helfen, das Unglück
aufzuhalten. Denn wir sind nicht alleine mit unserer Vernunft
und unserer Wissenschaft und unserer Verzweiflung. Es gibt
Zukunft und Hoffnung. Gott sei Dank! Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Datum
22.01.2020
Von
Pastorin Uta Möhr
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