SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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© KG Lütten Klein / Jean Wlodarczyk

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt 20. Sonntag nach Trinitatis 2019

05.11.2019 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und
dem Herrn Jesus Christus. Amen

Ich lese den Predigttext aus dem 1. Buch Mose:
8, 18 Noah ging heraus mit seinen Söhnen und mit seiner
Frau und den Frauen seiner Söhne,
19 dazu alle wilden Tiere, alles Vieh, alle Vögel und alles
Gewürm, das auf Erden kriecht; das ging aus der Arche, ein
jedes mit seinesgleichen.
20 Noah aber baute dem Herrn einen Altar und nahm von
allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte
Brandopfer auf dem Altar.
21 Und der Herr roch den lieblichen Geruch und sprach in
seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde
verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und
Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.
Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt,
wie ich getan habe.
22 Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte,
Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
9,12 Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den
ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem
lebendigen Getier bei euch auf ewig:
13 Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das
Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.
14 Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde
führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken.
15 Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir
und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch,
dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch
verderbe.
16 Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn
ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und
allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden
ist.
17 Und Gott sagte zu Noah: Das sei das Zeichen des Bundes,
den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf
Erden.

Liebe Gemeinde,
es gibt sie aus Stoff, aus Holz, ich habe eine von Playmobil,
es gibt sie wundervoll getöpfert oder schlicht aus
Naturmaterial gebastelt, es gibt sie als Bilderbücher für die
allerkleinsten, in der sixtinischen Kapelle in Rom ist sie
abgebildet und sie steht in jeder Bibel. Diese Geschichte aus
der Urzeit der Menschen.
Und es ist ja so schön und niedlich für die Kinder: ein großes
Schiff und die vielen Tiere, die auf das Schiff gehen und
gerettet werden. Die pfiffigen Kinder aber fragen und bringen
die Erwachsenen damit schnell in Erklärungsnot, sie fragen:
Und was ist mit den anderen, mit denen, die draußen bleiben?
So ist das mit biblischen Geschichten, die aus dem
Zusammenhang gerissen werden.
Für die Kleinen ist es niedlich, wenn sie mit der Arche spielen
und die vielen Tiere auf das Schiff laden und sie fragen in der
Regel nicht: Was ist mit den anderen?
Und wir haben heute das gute Ende dieser Geschichte: den
Regenbogen, den Schutz Gottes, den Neuanfang - als
Predigttext gegeben. Aber auch hier ist es so: Das eine ist
ohne das andere nicht zu haben!
Aber wie gut, dass am Ende dieser Geschichte nicht das
Chaos regiert, sondern die Rettung gefeiert wird. Wie gut,
dass es nicht die Menschen sind, die das Schicksal der Erde
bestimmen, sondern Gott.
Mit Gottes Segen beginnt die Bibel. Mit seinem Segen starten
wir ins Leben, obwohl „das Dichten und Trachten des
menschlichen Herzens .. böse von Jugend auf“ ist.
Ein etwas irritierender Einschub, über den wir an dieser Stelle
gerne hinweglesen und –hören. Aber die biblische Geschichte
lässt keinen Raum für Illusionen. Allerdings „verhaftet“ sie
die Menschen auch nicht bei ihren Untaten, sondern gibt uns
sozusagen die zweite Chance.
„Macht was draus!“ – das ist die Botschaft der Bibel.
Oh ja, wir haben was draus gemacht: Wir haben Berge
bezwungen, wir haben Wassern den Weg gewiesen, wir haben
uns Elektrizität zu Nutze gemacht, wir haben gerlernt,
Nahrungsmittel zu produzieren, so viel, dass niemand auf der
Welt hungern müsste.
Wir haben Krankheiten erforscht und besiegt und
Medikamente entwickelt. Und die Schulpflicht eingeführt.
"Macht was draus!" das sollte unsere Botschaft sein und
bleiben. Auch, wenn uns jetzt die Kehrseite unseres
bisherigen Tuns gezeigt wird und uns alles das, was wir nicht
bedacht und überblickt haben, vor die Füße fällt, in Form von
globalen Klimaveränderungen, Insektensterben,
Überschwemmungen der Flüsse wegen der
Uferbegradigungen und Eindeichungen, die Problematik der
Atomkraft und des Pestizideinsatzes.
"Macht was draus", macht was aus euren neuen und auch gar
nicht so neuen Erkenntnissen der Folgen eures Handelns, die
ihr nicht richtig abschätzen konntet, jetzt doch aber
abschätzen könntet.
Noahs Geschichte ist eine, die Mut machen will gegen all die
negativen Nachrichten, die auf uns einstürzen.
Noah sagt eben nicht: „Nach mir die Sintflut!“ die Botschaft
heißt: „Macht was draus!“ und nicht: „Weiter so!“
Als ich Kind und Jugendliche war, haben meine Eltern und
die Eltern all meiner Klassenkameraden, allesamt Menschen,
deren Kindheit im Krieg verschüttet worden war, noch gesagt:
Meine Kinder sollen es einmal besser haben als ich! Und sie
meinten damit: Frieden, satt zu essen und nicht mehr jeden
Pfennig zweimal umdrehen müssen.
Das ist verständlich, und alle Generationen vor ihnen dachten
genauso, ging es doch vielfach um das blanke Überleben.
Heute hören wir diesen Satz nicht mehr und es wäre auch gar
nicht mehr möglich, niemand kann es materiell besser haben
als unsere Generation. Jetzt heißt es: „Ich will genießen, was
ich mir aufgebaut habe.“
Und das ist ja auch in Ordnung, denn niemandem ist gedient,
wenn wir freiwillig hungern oder uns Lebenserleichterungen
versagen, weil wir denken, wir dürften das nicht.
Dennoch gibt es ein Stichwort, das im Schöpfungsbericht und
auch in dieser Noah – Geschichte benannt wird.
„Verantwortung“ lautet das Stichwort. Ich habe im Internet
geblättert, und ich fand eine Definition zu Verantwortung, die
lautet: Wenn Du etwas weißt und etwas tun kannst,
damit etwas geschieht oder nicht geschieht,
dann hast Du "Verantwortung".
Du stehst vor folgender Wahl :
1. Du kannst versuchen, dieser Verantwortung gerecht zu
werden.
2. Du kannst versuchen, Dich dieser Verantwortung zu
entziehen.
Aber eines kannst Du nicht :
Du kannst Dich nicht selbst aus der Verantwortung entlassen,
solange Du etwas tun kannst.
Noahs Geschichte erzählt, dass Gott mit seinem Segen in eine
Art Vorleistung getreten ist. Nun ist es an uns, darauf zu
antworten und unser Leben zu begreifen als ein Leben in
Beziehung zu Gott, in Beziehung zu den Menschen, in
Beziehung zu der Welt, in der wir leben.
Vor 100 Jahren entwickelte Albert Schweitzer, der große
Humanist, Theologe, Musiker und Mediziner, seine Ethik der
„Ehrfurcht vor dem Leben“. 1917 kehrte Schweitzer
zusammen mit seiner Frau aus Afrika, wo er im Urwald ein
Hospital – Lambaréne – gegründet hatte, nach Europa zurück
und geriet als Elsässer mitten hinein in den Strudel des 1.
Weltkriegs. Er wurde interniert und nutzte die Zeit, seine
Ethik zu entwickeln. 1919 hielt er dann in Straßburg zwei
Predigten, in welchen er seine Gedanken erstmals öffentlich
darstellte. Sein zentraler Satz lautet: „Ich bin Leben, das leben
will, inmitten von Leben, das leben will.“
Schweitzer gründet seine Ethik nicht auf die Nächstenliebe
bzw. die Feindesliebe, sondern auf die Geschöpflichkeit, die
für jeden Menschen – ob Christ oder nicht – einsichtig sein
müsse. Ich gehöre hinein in den Kontext des Lebens, – für ihn
eine unleugbare Tatsache.
Aber am Ende sind es nicht wir Menschen, die das Schicksal
der Welt in Händen halten, sondern Gott!
Es gibt den schönen Satz: Die Erde kann ohne uns Menschen
existieren, aber wir nicht ohne die Erde!
Es mag vielleicht zynisch klingen, aber wir können uns nur
selbst zugrunde richten. Die Welt ist sozusagen
„unkaputtbar“. Das durch uns Menschen ausgelöste
Artensterben ist tragisch. Es ist unvernünftig, weil wir die
Grundlagen unserer Existenz gefährden. Die Welt kann auch
ohne uns Menschen.
Wie gut, dass am Ende der Noah-Geschichte nicht das Chaos
regiert, sondern die Rettung gefeiert wird.Wir bekommen
sozusagen eine zweite Chance. Obwohl die Möglichkeit,
Böses zu tun, nach wie vor in uns schlummert.
Vielleicht ist dies der Grund, dass Noahs Geschichte an dieser
Stelle noch nicht zu Ende erzählt ist. Den wenigsten ist
bekannt, dass Noah – ein Ackermann, so erzählt die Bibel –
als erstes einen Weinberg pflanzt. Und … sich betrinkt.
Nein, die Bibel geht über diese peinliche Episode nicht
beschönigend hinweg. Das kann doch nur Sinn machen, wenn
ein Gedanke dahinter steckt: Auch Noah ist nicht
vollkommen. Auch Noah braucht sie, die zweite Chance. Und
er bekommt sie auch und lebte nach der Sintflut noch
dreihundertfünfzig Jahre.
Wenn wir aber die ganze Geschichte Noahs auf uns wirken
lassen, dann heißt das: wir sollen unser Leben als Geschenk
Gottes ansehen und es so führen, wie Gott sich das gedacht
hat: in Verantwortung vor anderen Menschen, vor anderen
Geschöpfen, vor Natur und Umwelt und auch vor denen, die
noch gar nicht geboren sind.
Wenn Du etwas weißt und etwas tun kannst, damit etwas
geschieht oder nicht geschieht, dann hast Du
"Verantwortung".
Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Datum
05.11.2019
Von
Pastorin Uta Möhr
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