SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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© KG Lütten Klein / Jean Wlodarczyk

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt 5. Sonntag nach Trinitatis

22.07.2019 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
meistens gibt es im Leben gibt zwei Möglichkeiten. Oft sogar noch mehr.
Stellen Sie sich eine riesige Brombeerhecke vor. Sie hängt voll mit reifen Früchten. Links von Ihnen steht ein Freund und staunt: Wahnsinn! Das ist ja gigantisch! Unglaublich. So viel! Und rechts steht ein anderer Freund und stöhnt: Wer soll das alles ernten? Da kommst du total zerkratzt raus, hast Flecken an der Hose und was machst du dann mit den ganzen Früchten?
Viel ernster, aber genauso gespalten ist die Situation, von der der Evangelist Matthäus erzählt. Jesus schaut auf die Städte und Dörfer in Galiläa und empfindet tiefes Mitgefühl mit den Menschen. Wer hilft ihnen, wer kümmert sich? Die zuständigen Behörden haben versagt. Was fehlt den Menschen? Es fehlen Zuhören, Zuwendung und Unterstützung.
Ich lese aus dem Matthäusevangelium den Schluss von Kapitel 9: (Mt 9,35–38)
Und Jesus zog umher in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen. Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren geängstet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.
Matthäus hat in den ersten Kapiteln seines Evangeliums lauter konkrete Geschichten erzählt, wie Jesus Menschen beisteht. Konkreten Menschen in konkreter Not. Der Schwiegermutter des Petrus zum Beispiel. Zwei Menschen, die unter bösen Dämonen litten, wie das damals ausgedrückt wurde, gefährlich für ihre Umwelt. Einen Gelähmten hat er geheilt und mit Menschen gegessen, die sonst unerwünscht waren. Von den großen spektakulären Wundern ist bei Matthäus am Anfang noch nicht die Rede. Soll es alles bei den kleinen, persönlichen Zuwendungen bleiben? Wie wird es weitergehen?
Ich lese aus Kapitel 10: (Mt 10,1–10)
Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen. Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht nicht in eine Stadt der Samariter, sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus. Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch. Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, auch keine Tasche für den Weg, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert.
Matthäus hat zunächst in Einzelszenen davon erzählt, wie sich Jesus konkreten Menschen widmet, wie er ihnen in ihrer jeweiligen Situation beisteht. Jetzt wendet er den Blick nach vorn. Mit der Aussendung der Jünger beginnt die Zeit der christlichen Gemeinde. Sie sollen weitergeben, was sie selbst empfangen und erfahren haben. Aber Jesus weiß: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Das kennen wir auch, das kennen wir in der Kirchengemeinde, wenn die Ideen uns überrollen und wir nicht wissen, wer sie umsetzen könnte. Das kennen wir auch aus unserem persönlichen Leben, wenn die Aufgaben, die das Leben uns stellt, schier unlösbar erscheinen, z.B. wenn ein Angehöriger plötzlich pflegebedürftig wird, wenn ein Kind plötzlich aus der Spur gerät, wenn eigene Krankheit plötzlich die Leistungsfähigkeit einschränkt, oder man merkt, dass der Tag nur 24 Stunden hat.
Wie soll ich das nur schaffen, wie sollen wir das nur schaffen? Wer hilft? Wer packt mit an?
Zu allen Zeiten sind Gemeinden und sind Menschen persönlich an diese Stelle der Ratlosigkeit und der Mutlosigkeit gekommen.
Von Anselm Grün gibt es verschiedene Bücher, nicht nur die über Engel, die wohl vielen vertraut sind, nein es gibt auch Bücher über das Wissen der Wüstenväter.
Wüstenväter nennt man Männer, die sich in den ersten Jahrhunderten des Christentums in die Wüste zurückgezogen haben, um dort in aller Abgeschiedenheit zu leben und so zu einem besonders innigen Verhältnis zu Gott zu gelangen. Diese Wüstenväter wurden oft um Rat gefragt für die verschiedensten Lebensprobleme.
Zwei dieser Wüstenväter – Geschichten möchte ich Ihnen erzählen, sie passen zu unserem Thema:
Ein junger Mann hat einen Acker geerbt. Leider ist der verwahrlost und voll mit Disteln und Dornen. Der junge Mann ist ganz entmutigt. Der Wüstenvater rät: »Mein Sohn, arbeite täglich nur so viel, als dein Körper, wenn du liegst, Raum einnimmt, und so wird deine Arbeit allmählich voranschreiten, und du wirst dabei nicht verzagt sein.« So geschah es.
Zwei Bauern wohnten in der gleichen Stadt. Der eine davon säte nur wenig Saatgut, und zwar ungereinigtes. Der andere sparte sich das Säen und erntete überhaupt nichts. Wenn nun eine Hungersnot auftritt, wer von den beiden wird zu leben haben?« »Der, der wenig und ungereinigtes gesät hat!« »Genau! Lass uns wenigstens ein wenig und auch Ungereinigtes säen, damit wir nicht Hungers sterben.«
Darüber lohnt es sich nachzudenken.
Was aber fangen wir mit diesen konkreten Anweisungen an, die wir im Kapitel 10 gehört haben? Die Jünger bekommen genaue Instruktion, wohin sie gehen sollen und wohin nicht, was sie alles mitnehmen, bzw. nicht mitnehmen sollen.
Die Anweisungen Jesu in unserem Predigttext sind unrealistisch, weil die Jünger auch auf jeglichen Selbstschutz unterwegs verzichten sollen. Was steckt dahinter? Es steckt die Gefahr der Ablenkung dahinter.
Die Jünger sollen sich nicht darauf konzentrieren, was sie mitnehmen, was sie anziehen werden, sondern sie sollen sich auf die Hauptaufgabe konzentrieren: den Menschen vom Reich Gottes zu erzählen, die Kranken zu heilen, unreine Geister auszutreiben. Alles übrigens Aufgaben, vor denen wir auch stehen. Menschen helfen, heil zu werden, die frohe Botschaft vom Reich Gottes weitererzählen. Bösem Zeitgeist die Stirn bieten.
Das ist viel Arbeit und wir könnten jetzt die Satz aus dem ersten Bibelabschnitt wiederholen: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Aber mir gefällt der Rat des Wüstenvaters: arbeite täglich nur so viel, als dein Körper, wenn du liegst, Raum einnimmt, und so wird deine Arbeit allmählich voranschreiten, und du wirst dabei nicht verzagt sein.
Unser Problem ist ja, dass wir oft gar nicht erst anfangen. Ich kann das nicht, ich habe Angst, mich lächerlich zu machen, ich habe keine Zeit dafür – so lauten unsere Ausreden.
Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende. So lautet Jesu Rat an die Jünger.
So bittet den Herrn der Ernte um Mut, sein Reich zu verkündigen, um Selbstbewusstsein, wenn man Lächerlichkeit befürchtet, um den nötigen Durchblick, wenn man Prioritäten setzen muss in seinem eigenen Zeitplan.
So bittet den Herrn der Ernte, dass ihr nicht alleine vor der Brombeerhecke oder dem Acker voller Disteln steht. Niemand muss alleine kämpfen, wir alle sind Teil einer großen Gemeinschaft. Das ist Gottes Anteil.
Und das zweite ist: wir alle haben unsere eigenen guten Erfahrungen im Leben. Wenn Gott uns nicht berührt hätte, wären wir jetzt nicht hier. Was haben wir selbst bekommen? Das können wir anderen weitergeben. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Wir können mit anderen teilen, was wir selbst an Gottvertrauen haben. Und so mancher böse Geist wird das Weite suchen. Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Datum
22.07.2019
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