SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt am 21. Februar 2021 von Pastorin Uta Möhr

20.02.2021 | Predigt Sonntag Invokavit am 21. Februar 2021 von Pastorin Uta Möhr zum hören und lesen

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen! Amen

Seien Sie herzlich begrüßt am 1. Sonntag der Passionszeit. Er trägt den Namen Invokavit. Er verdankt seinen Namen, wie auch alle anderen Sonntag der Passions-und Osterzeit dem Leitvers zum Eingangspsalm: er ruft mich an, darum will ich ihn erhören. Das Thema dieses Sonntags spiegelt sich im Wochenspruch wider: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.”

Wir beten:

Barmherziger Gott, die Wochen der Vorbereitung auf Ostern können eine Lebenswende für uns sein, eine Neubesinnung auf das, was wichtig ist, eine Chance, den Glauben tiefer zu leben und zu bezeugen, eine gute Möglichkeit, Belastendes zurückzulassen. Gib uns Mut, Kraft und Phantasie, diesen Weg in der kommenden Zeit zu gehen und zu neuem Frieden mit dir, mit uns selbst und mit anderen zu gelangen. So beten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen

Psalm 91 (in Ausw.)

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, Der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild. Denn der Herr ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht. Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen. Denn er hat seinen Engeln befohlen, Dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. „ Er liebt mich, darum will ich ihn erretten; Er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil.”

Lesung Johannes 13/21-30

Nach der Fußwaschung wurde Jesus erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist's? Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Liebe Gemeinde,

2017 war es endlich so weit. Ich hatte mich durchgerungen, meine Stasi – Akte sehen zu wollen. So lange habe ich gezögert, 27 Jahre lang. Welche Namen würde ich dort finden? Wer würde mich bespitzelt, belauscht haben, wer würde Dinge aus vertraulichen Gesprächen weitergetragen haben? Welche verschwundenen Briefe mochten dort auftauchen? Denn dass wir als Theologiestudenten und Vikare zu DDR Zeiten im Visier der Stasi waren, das war ja klar. "Wer ist es Herr?" So hätten wir auch gefragt, so wie der Jünger im Evangelium. Gewiss, bei manchen Leuten hatten wir einen Verdacht und waren in ihrer Gegenwart vorsichtig mit unseren Äußerungen und bei anderen hätten wir es nie vermutet. Verrat kann viele Namen haben. – anvertraute Dinge weitergeben – lügen – Freundschaft vortäuschen – Erpressung – Zusagen und Verabredungen nicht einhalten – Geheimnisse ausplaudern – jemanden lächerlich machen – die eigenen Ideale verraten. Verrat kann viele Namen haben. Hier im Johannesevangleium hören wir, dass der Satan in Judas fuhr und dass Jesus merkte, dass Judas etwas vorhat. Judas – der sprichwörtlich geworden ist als Verräter, Judaslohn ist etwas, was man für den Verrat bekommt. Im Evangelium waren es am Ende 30 Silberstücke, ein Monatslohn, die Judas aber nicht glücklich gemacht haben. Hat Judas Jesus verraten? Ich will ihn nicht in Schutz nehmen, aber was hat er denn schon getan? Jesus hat immer öffentlich gepredigt und gelehrt. Alle konnten ihm zuhören, die Römer, die Hohenpriester, das einfache Volk, die Gelehrten des Judentums. Judas musst nicht hingehen und etwas verraten, was Jesus gesagt hat. Er hat lediglich gesagt, wo sie ihn finden können, aber auch das war sicher kein Geheimnis. Jesus hat sich nicht versteckt. Was also hat Judas verraten? Ich möchte mal von einer anderen Seite die Geschichte betrachten: in Vers 27 heißt es: Nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Und in diesem Moment hat Judas das verraten, im Sinne von verleugnet, wofür die Gemeinschaft um Jesus stand: Liebe, Vertrauen, Gewaltlosigkeit, Zuwendung, Wertschätzung aller Menschen. Judas verfolgte das Ziel, dass Judäa wieder frei sein sollte von den Römern, unabhängig. Deswegen war er Jesus gefolgt, hatte sich ihm angeschlossen, weil er von Jesus als Gottes Sohn das erhoffte. Jesus sollte die Römer vertreiben, mit Gewalt. Und es gibt die These, dass er mit diesem Verrat Jesus zwingen wollte, endlich zu handeln, ein Zeichen, ein Wunder, ein Erdbeben, was auch immer, zu tun, um seine Macht zu zeigen. Aber Judas Weg und Judas Wille war nicht Jesu Weg und nicht Gottes Wille. Gewalt wird immer Gegengewalt hervorrufen. Wir können diese Geschichte also so hören, dass der Satan Judas vom rechten Weg abgebracht hat. Als Judas das erkennt, weiß er, dass sein Leben nichts mehr wert ist. Für mich ist Judas nicht in erster Linie der Verräter, sondern eine tragische, bedauernswerte Gestalt, einer, der nicht die Größe und die Kraft gehabt hat, sich den Verlockungen des Teufels zu widersetzen. „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.” - so heißt es im Wochenspruch. Ja, und was ist nun bei meiner Einsicht der Stasi – Unterlagen herausgekommen? Wer waren in meinem Leben die bedauernswerten Gestalten, die, aus welchen Gründen auch immer – mit der Stasi paktiert haben? Ich weiß es nicht, und ich bin sehr froh darüber, dass ich es nicht weiß. Es existieren einige kurze Notizen über einen Antrag zu einem Westbesuch, der abgelehnt wurde, mehr nicht. Der Buchstabe B war schon geschreddert, bevor Bürgerrechtler dieser Vernichtungsaktion Einhalt gebieten konnten. Gut so. Und ich will da nie wieder dran rühren. Manches ist gut, wenn man es nicht weiß. Amen

Ach bleib mit deiner Gnade, bei uns Herr Jesus Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List. Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.

Fürbittgebet

Gott, unendlich viele Entscheidungen müssen wir in unserem Leben treffen. Gib uns ein Gespür dafür, was die richtigen sind, nämlich: die, die Leben ermöglichen, und es nicht vertrocknen lassen; die, die uns vorwärts gehen und nicht rückwärtsgerichtet verharren lassen. Schenke uns Mut, unseren Ängsten zu begegnen. Schenke uns einen Blick für die Weite und Freiheit, wenn der Wunsch nach Sicherheit uns einengt und die Luft zum Atmen nimmt. Schenke uns ein weises Herz, einen klaren Verstand, um in deinem Sinne zu handeln; erinnere uns, dass wir deine Gemeinde und deine Kirche sind, und nicht die unsere; und dass unser Leben dein Geschenk ist, das wir nutzen dürfen und sollen. Wir beten gemeinsam mit den Worten Jesu:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Datum
20.02.2021
Von
Pastorin Uta Möhr
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