SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt Buß und Bettag 2015

18.11.2015 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus,
Heute ist Buß- und Bettag. Buße ist offenbar ein so unbeliebtes Thema, dass unsere Kirchen damals nicht viel unternommen haben, als der Buß- und Bettag als arbeitsfreier Tag abgeschafft wurde. Buße gilt als düsteres Thema, mit dem man sich nicht gerne befasst. Schuld, Sünde, Fehlverhalten – auch gesellschaftlich kein angenehmes Thema, das immer mehr aus dem Sichtfeld gedrängt wird. Man entschuldigt sich erst, wenn es ganz klar ist, dass man auch Schuld hatte, an einem Unfall zum Beispiel, oder an einem Versäumnis. Wobei man sich eigentlich ja nicht mal selber entschuldigen kann, man kann nur um Entschuldigung bitten. Und der andere nimmt die Entschuldigung an, und im besten Falle vergibt er einem. In diesem um - Entschuldigung - bitten tut man Buße, man versucht, etwas wieder gut zu machen, und man versucht, einen anderen Weg einzuschlagen. Buße hat etwas mit Veränderung zu tun, mit Umkehr, damit, einen neuen Weg einzuschlagen. Auch nicht gerade angenehm. Und so hofft man eben zunächst, irgendwie drum rum zu kommen. Dabei kann Buße, kann Umkehr, so befreiend sein!
In wie vielen Familien gibt es das oder gibt es das eben nicht, dass man um Entschuldigung bittet und dass einem vergeben wird. Und in manchen Familien bleibt das bestehen, steht immer dazwischen, verdirbt so manches Fest, so manches Weihnachten und wird nicht aufgelöst, bis es irgendwann zu spät ist.
Die Fesseln der Schuld bleiben und die Befreiung der Vergebung, die Befreiung eines neuen, besseren Weges findet nicht statt.
Wir hören den Predigttext für den heutigen Buß – und Bettag aus dem Lukasevangelium:
1 Zu dieser Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus am Altar umbringen ließ und deren Blut sich auf diese Weise mit dem ihrer Opfertiere vermischte.
2 Da sagte Jesus zu ihnen: »Meint ihr, diese Leute seien größere Sünder gewesen als alle übrigen Galiläer, weil so etwas Schreckliches mit ihnen geschehen ist?
3 Nein, sage ich euch; wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle genauso umkommen.
4 Oder denkt an jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach den Tod fanden. Meint ihr, ihre Schuld sei größer gewesen als die aller anderen Einwohner Jerusalems?
5 Nein, sage ich euch; wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle ebenso umkommen.«
6 Dann erzählte Jesus folgendes Gleichnis: »Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum stehen; doch wenn er kam und sehen wollte, ob der Baum Früchte trug, fand er keine.
7 Schließlich sagte er zu dem Gärtner, der den Weinberg pflegte: »Schon drei Jahre komme ich jetzt, um zu sehen, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde keine. Hau ihn um! Warum soll er den Boden noch länger aussaugen?‹ –
8 ›Herr‹, erwiderte der Gärtner, ›lass ihn noch dieses Jahr stehen. Ich will die Erde um ihn herum ´noch einmal` umgraben und düngen.
9 Vielleicht trägt er dann nächstes Jahr Früchte – wenn nicht, kannst du ihn umhauen.‹«
Kein einfacher Bibeltext. Deutliche Worte fallen da: Wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr ebenso umkommen und: wenn er im nächsten Jahr keine Früchte bringt, kannst du ihn umhauen.
Ich hätte gerne heute Abend das Gleichnis vom verlorenen Sohn gelesen, der seinen Lebensweg bereut, umkehrt und mit offenen Armen aufgenommen wird. Der einen Neuanfang machen darf.
Aber nun ist uns für den Buß – und Bettag dieser Text gegeben, der zwar sperrig ist, der aber auch für uns heute eine Botschaft hat:
Wenn ihr nicht umkehrt...
Ich muss an ein Buch denken, das seit einiger Zeit in meinem Bücherschrank steht und das ich immer nur stückchenweise zu lesen ertrage, es heißt: Armut wird uns retten.
Ich genieße es, in unserem reichen Land zu leben. Ich weiß es zu schätzen, dass ich im Notfall schnell medizinische Hilfe bekomme. Ich finde es manchmal toll und manchmal schwierig, zwischen 20 verschiedenen Brotsorten zu entscheiden. Ich lebe gerne in meiner Wohnung und bin relativ sicher, dass ich auch in 20 Jahren die Miete noch bezahlen kann. Ich freue mich, dass meine Kinder eine gute Ausbildung genießen, bzw. genossen haben und nun zwischen unterschiedlichen Wegen auswählen können. Ich bin dankbar, dass die Revolution 1989 friedlich und ohne Blutvergießen ablief und wir in einer Demokratie leben, und dass ich sagen darf, was mir an unserer Regierung nicht gefällt.
Womit habe ich das alles verdient? Darauf gibt es nur eine Antwort: gar nicht! Ich habe das nicht verdient, weil ich dafür nicht gearbeitet habe, ich habe dafür nichts leisten müssen, es wurde mir geschenkt. Ich nehme es als ziemlich selbstverständlich hin.
Und in manchen Stunden weiß ich, dass es so nicht weitergeht und nicht weitergehen kann.
Zum Beispiel, wenn ich die Flüchtlingsströme sehe, die in unser Land kommen.
Ich habe nicht die Angst, dass sie mir meinen unverdienten Reichtum wegnehmen und dass ich dann sprichwörtlich unter der Brücke schlafen muss.
Aber ich sehe, woher sie kommen: sie kommen aus Kriegsgebieten, ihr Leben ist bedroht, ganz real von Bomben und Maschinengewehren.
Sie kommen aus Gegenden, wo es nicht genügend Lebensmittel und kein sauberes Trinkwasser gibt. Sie kommen nicht her, weil sie auch zwischen 20 Brotsorten wählen wollen, sie kommen her, um überhaupt zu essen zu haben!
Wir nennen sie Wirtschaftsflüchtlinge und wir wollen sie schnell wieder dorthin schicken, wo sie hergekommen sind.
In der Regel können sie in ihrer Heimat von ihrem Verdienst nicht leben, es muss der Mann arbeiten, die Frau und die größeren Kinder auch – nur fürs nackte Überleben. Weil wir hier in Deutschland nicht mehr als 5 Euro für ein T – Shirt und 15 Euro für eine Jeans ausgeben wollen, deswegen verdienen sie dort so wenig. Es muss dort so billig wie möglich produziert werden, weil wir hier so billig wie möglich einkaufen wollen.
Wenn ihr nicht umkehrt:
Die Kriege, die die Häuser in der Heimat der Flüchtlinge zerstören, werden nicht selten mit deutschen Waffen geführt.
Wenn ihr nicht umkehrt:
Wir wissen, dass sich ganz dringend etwas im Klimaschutz tun muss – nein, nicht dass sich etwas tun muss, sondern dass wir etwas tun müssen. Ich merke davon nichts. Der Verkehr auf den Straßen wird immer mehr statt weniger, der Co2 – Ausstoß auch.
Unsere Kartoffeln kommen aus Ägypten, die Äpfel aus Neuseeland, die Erdbeeren aus Israel. Und sie werden nicht zu Fuß gebracht, sondern eingeflogen.
wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle ebenso umkommen. - sagt unser Bibeltext.
Er sagt nicht: dann wird es euch schlechter gehen, ihr werdet nicht auf immer so weiter leben können, ihr werdet euren Lebensstandard nicht auf immer so halten können: Der Bibeltext sagt: Ihr werdet umkommen, ganz und gar – so wie die Männer, die von Pilatus ermordet wurden, so wie der Feigenbaum, der auch nach jahrelangem gut - zu - reden keine Früchte trägt.
Liebe Gemeinde,
für viele Problem unserer Zeit habe ich auch keine Lösung.
Unser Leben ist so global und unsere Welt ist so vernetzt, dass wir als Einzelne Teil des Systems sind. Wir können das alles nicht abstellen, so sehr wir es auch möchten.
Aber diese Ohnmacht gibt uns nicht das Recht, es nicht wenigstens zu versuchen, nicht wenigstens anzufangen.
Eine Spruchkarte klebte jahrelang an meinem Kühlschrank.
Viele kleine Menschen, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.
Dass wir uns daran erinnern, jeden Tag neu, darum gibt es den Buß – und Bettag, wenn auch nur einmal im Jahr.
Gott stärke unsere guten Ansätze und unsere Bemühungen. Er schenke uns die Kraft zur Veränderung – jeden Tag neu.
Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen



Datum
18.11.2015
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