SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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© KG Lütten Klein / Jean Wlodarczyk

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt Erntedank 2016

02.10.2016 | Liebe Gemeinde,
zum Erntedank am 2. Oktober 2016 fand ein gemeinsamer Gottesdienst der Kirchengemeinden Lichtenhagen-Dorf und Rostock Lütten Klein. Es gab eine gemeinsame Predigt beider Pastoren der Kirchengemeinden, Pastorin Anke Kieseler und Pastorin Uta Möhr. Die Predigt können Sie hier nachlesen.
Ihre Kirchengemeinde Lütten Klein

Predigt Erntedank vom 2.10.2016

Pastorin Anke Kieseler:

Liebe Gemeinde

„Wer reichlich sät wird reichlich ernten.“ sagt Paulus im 2. Korintherbrief. Es war einmal. So beginnen Märchen…. Und nicht nur die… Es war einmal zu der Zeit, als der liebe Gott noch oft auf der Erde zu Wege war. Als die Menschen mit ihm noch auf Du und du waren. Das waren paradiesische Zeiten. Oder besser: es hätten paradiesische Zeiten sein können. Wenn der liebe Gott nur nicht so eigensinnig gewesen wäre. Anstatt sich überall schön herrschaftlich und göttlich zu zeigen, nahm er immer die Hintertür, verkleidete sich als armer Mann, als Zimmermannssohn und ließ sich als Neugeborener in einem Schafstall von Hirten verehren. Na, ja. So ist er eben. Ein wenig sonderbar manchmal. Und so zog er durchs Land, traf überall Menschen und säte seine Botschaft aus… und er sagte: "Ihr sucht nach Gott? Ich bin doch schon da. Mitten unter euch. Ich bin die Liebe, der Frieden, die Heilung. Ihr müßt nur genau hinsehen und hinhören." Und so tat er es ein paar Jahre lang und seine Saat ging auf: bei Zöllnern und Sündern und Frauen mit merkwürdigem Lebenswandel, bei Fischern und Tagelöhnern und auch dem einen oder anderen Hauptmann. Allen jedoch gefiel das nicht, was der liebe Gott da so säte, und so manch einer hielt ihn auch für einen Unruhestifter oder Volksschädling und wollte ihn am Kreuz sehen, aber das ist eine andere Geschichte.

Pastorin Uta Möhr:

Jedenfalls: So war es einmal. Damals. Ganz lange her. Manchmal wünsche ich mir: Wenn es doch heute auch so wäre, wenn er da wäre. Oder mal wieder käme. Und wieder ein bisschen aussäte. Aber heute säen andere, das Fernsehen zum Beispiel, oder das Internet oder die Werbung, die uns allerorten begegnet. Sie säen: Freue Dich am Schaden und an der Dummheit Deiner Nachbarn. Mit uns bist du cleverer als sie. Heute sät die Wirtschaft, dass das Leben ein Wettkampf um die dicksten Stücke des Kuchens ist. Sie sagen: Wir müssen ja auch leben, wir können nichts verschenken – dafür haben wir die Kirchen, das Rote Kreuz und die Ehrenamtler. Für uns, sagt die Wirtschaft, muss es sich rechnen.

Ach - wenn es doch wieder einmal so wäre, dass der liebe Gott auf der Erde unterwegs wäre..

Pastorin Anke Kieseler:

Und es waren die Tage im September und Oktober 1989, da ging er einmal durch Leipzig und auch durch Rostock und andere Städte und verbarg sich unter den Vielen in den Kirchen, die auf einmal so voll waren, weil Menschen Halt und Hoffnung suchten. Und er säte den Mut und den Willen zum Frieden und den Ruf „Wir sind das Volk“ in die Herzen von Vielen, die  vorher müde und matt und grau und mutlos waren. Und die Saat ging auf und wuchs zu einem Zug mit Kerzen …mitten in der Stadt. Aber dieses Mal säte er auch Zweifel in die Herzen von Uniformträgern und  alten Parteisoldaten. Zweifel an den Dogmen, und Gefühle des Mitleids und der Liebe, so dass sie sich fragten: „Sollen wir wirklich schießen auf das eigene Volk?“ , oder: „Deutsche auf Deutsche, die Arbeiter und Bauernmacht auf Arbeiter und Bauern?“ So säte der liebe Gott, und die Saat ging auf. Dogma wich Mitgefühl, Angst wich Mut, Zweifel wich Hoffnung, und es blieb …….Frieden. Bleibt die Frage: Ist  Gott doch nicht tot, wie Nietzsche einmal behauptete? Ist die andere Geschichte mit dem Kreuz doch nicht sein Ende?   

Muss man mit ihm rechnen? Sät er immer wieder?

Pastorin Uta Möhr:

ich glaube, dass Gott immer noch, immer wieder unterwegs ist und so manchen Samen ausstreut, nur an der Vordertür sollten wir ihn nicht erwarten. Vielleicht haben Sie diese Geschichte schon mal gehört:

"Ein Mann betritt einen Laden. Hinter der Theke steht ein Engel. Hastig fragte er ihn: » Was verkaufen Sie hier?« Der Engel antwortete freundlich: »Alles, was Sie wollen.« Der Mann beginnt aufzuzählen: »Dann hätte ich gern das Ende von Krieg und Terror  in der Welt, bessere Bedingungen für Benachteiligte und Bedürftige, Beseitigung der Elendsviertel,  Arbeit für die Arbeitslosen, mehr Gemeinschaft und Liebe in  Kirche und Gesellschaft, freundlichere Mitmenschen, eine gerechtere Verteilung der Güter dieser Welt, mehr Vertrauen und Verständnis zwischen Kindern und Erwachsenen, mehr Menschlichkeit und .. und ...«
Da fällt ihm der Engel ins Wort: »Entschuldigen Sie, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen keine reifen Früchte, wir verkaufen nur den Samen.«"

Pastorin Anke Kieseler

Wieder so eine Hintertür. Es gibt das alles nicht fertig, was wir uns wünschen. Der Engel sagt ….. und es hätte auch Gott sein können: Ich verkaufe nur den Samen und dann… dann bist du dran. Mach was draus. Bring ihn in die Erde, laß ihn wachsen und Frucht bringen. Übernimm Verantwortung. So ist das doch in unserem Leben. Alles braucht seine Zeit und die nötigen Bedingungen, damit Gutes entstehen kann. Es steht auch in unserer Verantwortung, was aus dem Samen wird. Aber er muß überhaupt erst einmal gelegt werden. Und dann kann alles Mögliche wachsen. Aber auch manches Unmögliche, worauf man nicht stolz sein muß und kann. Wir ernten, was wir säen. Und deshalb kann sich niemand beschweren über all das, was uns manchmal ärgert und ängstigt. Wir haben so oft daran unseren Anteil, denn: Was geben wir unseren Kindern mit auf den Weg? Was ist wichtig im Leben, worauf kommt es an? Wie können wir gut miteinander leben in all unserer Verschiedenheit? Welchen Samen legen wir, der irgendwann Früchte trägt in unserer Gesellschaft, in unseren Familien? Und…legen wir überhaupt?

Pastorin Uta Möhr

Was würden wir von einem Bauern halten, der sich im Frühjahr weigern würde, sein Saatgut auszusäen? Weil er es für sich behalten und nicht herausrücken will? Wir würden uns ganz schön aufregen, denn wenn er nichts sät, kann er auch nichts ernten, kann nichts verkaufen. Und dann hätten wir alle, die wir das Jahr über auch von seiner Ernte leben wollen, auch nichts davon. Aber genau so verhalten wir uns: Wir meinen, unser Leben absichern zu können. Wir halten das, was uns an Samen geschenkt und anvertraut ist, zurück und denken, die Ernte unseres Lebens bestünde darin, dass wir möglichst viel in möglichst großen Scheunen einlagern für schlechte Zeiten. Aber so funktioniert unser Miteinander nicht. Wir sollen unsere Ernte, unsere Begabungen, unser Wissen und auch unser Vermögen nicht zurückhalten, sondern einsetzen, aussäen, um im Bild zu bleiben. Nur so kann es wachsen, nur so können alle etwas davon haben. Und glauben Sie mir, niemand ist in unserem reichen Land so arm, dass er nicht auch etwas aussäen könnte! Und diese Früchte bleiben, an diesen Früchten, die wir geerntet und miteinander geteilt haben, erleben wir Freude, Zufriedenheit, Dankbarkeit.Heute feiern wir Ernte-Dank. Dank für alles, was wir zum Leben haben. Essen, Trinken, Frucht und Obst. Dank für all das, was unsere Seele zum Leben nötig hat: Frieden, geliebt werden und lieben, fühlen und mitfühlen. Denn Gott, der einmal über die Erde wandelte, ist immer noch hier. Und wo und bei wem er vorbei kommt, dort wird es ein wenig paradiesisch.

Wir müssen nur daran denken, dass er gerne die Hintertür nimmt.

Amen

Datum
02.10.2016
Von
Pastorin Uta Möhr, Pastorin Anke Kieseler
Bildrechte
© KG Lütten Klein
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