SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt Erntedank 2019

01.10.2019 | Gemeinsame Predigt von Pastorin Uta Möhr und Pastorin Anke Kieseler zum Erntedank-Gottesdienst am 29. September 2019 in der Dorfkirche Lichtenhagen.


Predigt Erntedank 2019

Predigttext Jesaja 58/7-12 lesen – Anke Kieseler

Uta Möhr: ein altbekannter Text, wir haben ihn schon viele Male am Erntedankfest gehört und schon einige Male über diesen Text gepredigt. Er klingt wie eine Vison mit so wunderbaren Bildern: dein Licht wird in der Finsternis aufgehen und dein Dunkel wird sein wie der Mittag, du wirst sein wie ein bewässerter Garten... aber dennoch verstört mich etwas an dem Text. Es ist diese Vorstellung, die wir so oft im Alten Testament finden: wenn du das und das tust, dann wird es dir gut gehen. In der Theologie nennen wir das den Tun – Ergehen – Zusammenhang.
Aber ist uns ja nicht unbekannt, das kennen wir doch, so ticken wir: wenn du fleißig lernst, dann wird mal was aus dir, dann wirst du Einsen in der Schule haben und wirst mal einen guten Beruf bekommen.
Wenn du fleißig arbeitest, immer erreichbar bist und du viele Überstunden machst, dann wirst du Karriere machen.
Und so steht das nun sogar in der Bibel...

Anke Kieseler ... Nun ….Das ist Altes Testament. Die Menschen glaubten, wenn sie die Gebote und Gesetze - und davon gibt es über 600 in der Bibel und im Talmud - erfüllen, dann wird Gott sie lieben und ihnen Gutes tun.
Jesus Christus hat das später ganz anders gepredigt, weg vom Gesetz und hin zur Liebe.
Und davon steht in diesem Text ja auch was:
Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt.
Was für ein wunderbarer Satz, den wir heute am Erntedankfest hören und mit auf den Weg bekommen.
Heute, zu Erntedank geht es zunächst um alles, was unsere Existenz ausmacht.
Es geht ums Einkommen: Um die Arbeit, die uns ernährt.
Um die Leistung, die wir bringen müssen, damit wir uns etwas leisten können.
Es geht aber auch ums Auskommen: Um die Kollegen, die uns im Beruf begleiten, um die Familie, die uns trägt, um die Freunde, auf die wir uns jederzeit verlassen können.
Erntedank lenkt unseren Blick auf die Summe unserer Lebensbedingungen.
Auf alle Gaben, die uns geschenkt werden.
Sicher, wir sind auch fleißig, wir strengen uns schon an. Aber das tun viele, denen geht es trotzdem nicht so gut wie uns.
Wir merken: Der größte Teil dessen, wovon wir leben, ist Geschenk.
Dass ich hier geboren wurde und nicht in irgendeinem Elendsviertel am Rande der Welt. Dass sich meine Eltern um mich gesorgt haben und ich mich wiederum um meine Kinder, dass ich in einem Land des Friedens lebe.
Erntedank erinnert uns daran:
Der größte Teil dessen, wovon wir leben, ist Geschenk, ist Gabe.
Und das ist Grund zur Freude.
Aber Gabe hat nach biblischem Verständnis immer auch mit Aufgabe zu tun. Das, was wir haben, sollen wir einsetzen, um anderen zu helfen, für einen Ausgleich zwischen reich und arm zu sorgen.
Das ist die Aufgabe, die Gott uns stellt.
Wenn ich also etwas Geld, Zeit oder Begabungen habe, dann soll ich sie auch einsetzen.
Wenn …. Dann …. Auch davon spricht das Alte Testament.
Wir sollen dem Hungrigen nicht unser ganzes Brot geben, wir sollen es mit ihm teilen. Wir sollen dem Obdachlosen nicht unser Haus geben, wir sollen ihn aufnehmen. Wir sollen dem Nackten nicht all unsere Sachen geben, wir sollen seine Blöße bedecken. Gib dem Bedürftigen, was er braucht, sagt der Prophet Jesaja, brich dem Hungrigen dein Brot.
Und er greift damit eine Selbstverständlichkeit auf.
Denn die Thora, die Schriften des Alten Testaments, alle Propheten schärfen immer wieder ein: Was du hast, hast du nicht nur für dich selber.
Wenn Gott es so gut mit dir meint, musst auch du es gut mit anderen meinen.
Schon im Heiligkeitsgesetz im 3. Buch Mose (19, 18) steht klipp und klar:
„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Oder wie es Martin Buber übersetzt: „Liebe deinen Nächsten, er ist wie du.“
Im Lukasevangelium wird diese Stelle viel später dann aufgegriffen und zusammengefasst: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst.“
Wer glaubt, der wird also immer auch nach seinem Nächsten fragen.
Und den Satz als Aufgabe hören:
Wenn du den Hungrigen dein Herz finden läßt.

Uta Möhr ... ja, in der Tat. Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt...den Satz habe ich mir unterstrichen, den finde ich schön. Wenn ich an die Menschen ohne Obdach denke, dann sehe ich immer einen ganz konkreten Obdachlosen vor mir, der mir sein Herz gezeigt hat und ich ihm meins, eine Begegnung, die ich nie vergessen werde.
Ich saß in Wuppertal rauchend auf den Steinstufen einer Treppe, und hatte in meiner Hand nur ein Feuerzeug und meine Hotelkarte. Da sprach mich ein Bettler an: Hast du vielleicht einen Euro für mich? Ich verneinte und zeigte meine Hand – Feuerzeug und Hotelkarte. Er setzte sich neben mich und wir kamen ins Gespräch. Er erzählte mir, warum er auf der Straße lebt. Es würde zu weit führen, das jetzt hier aufzudröseln. Aber ich konnte ihn verstehen, ich glaube nicht, dass ich die gleiche Konsequenz aufgebracht hätte, aber für ihn war das schlüssig. Wir redeten, vielleicht eine Stunde.
Zum Abschied schenkte er mir sein Feuerzeug. Das hat mich zutiefst berührt und ja, vielleicht demütig gemacht. Denn er hatte nur das eine Feuerzeug und musste darauf vertrauen, dass ihm jemand für seine nächste Zigarette Feuer gibt.

Anke Kieseler: Ja, genau, du hast ihm dein Herz gezeigt, hast ihm zugehört, hast ihm vertraut, ihm seine Geschichte geglaubt, du hast ihn angesehen und damit zu einem Angesehenen gemacht.
Was wie ein Wortspiel klingt, ist ja so viel mehr…

Uta Möhr: Vielleicht ist mir die Geschichte so in Erinnerung geblieben, weil man so etwas so selten erlebt, ich meine in der Familie und unter Freunden sicher, aber unter Fremden?
Sein Herz zeigen, das macht man in unserer Gesellschaft eher nicht.
Nur nicht zeigen, wie es einem geht, vielleicht auch sich abschotten vor dem Elend, dem man begegnet.
Bei der Reha habe ich eine alte Frau gesehen, die trug uralte Kleidung, hatte nur noch wenige Zähne im Mund und kein künstliches Gebiss. Und bei den Mahlzeiten packte sie immer was in ihre Tasche. Abends kam ihr Mann und holte ihre Tasche ab.
Die Frau war einfach arm und wahrscheinlich froh über die kostenlosen Mahlzeiten in der Klinik. Aber immer wieder ging einer der Mitpatienten zur Servicekraft und petzte.
Zum Glück ist das Servicepersonal nie eingeschritten und haben die Frau einfach gewähren lassen. Reicht das schon, um Herz zu zeigen?
Gnade vor Recht ergehen lassen?

Anke Kieseler: Ja, Existenznot, Hunger sind oft ganz versteckt in unserem Land.
Aber nicht nur Hunger nach einem Stück Brot. Es gibt auch:
Hunger nach Gesellschaft, Hunger nach Zuhören, nach Gemeinschaft. Hunger danach, angesehen zu werden.
Hunger nach Verlässlichkeit, nach festen Regeln,

Uta Möhr: wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt... ich finde, es gibt so viele schöne Beispiele in unseren Gemeinden, die herzlich sind, nicht nur Freunden und Bekannten gegenüber, sondern auch Fremden.
Das ist nicht immer nur leicht und macht nicht immer nur Spaß, aber das ist uns ja auch nicht versprochen. Ich bin begeistert, dass viele Menschen es dennoch tun und darin nicht nachlassen.

Anke Kieseler: Besuchsdienstkreis, Sommercafé, Männergruppe, Aufnahme der syrischen Geflüchteten hier bei uns, Weltladen…

Uta Möhr: aber auch ganz alltägliche Dinge: an Trauernden oder Leidtragenden nicht vorbei gehen oder gar die Straßenseite wechseln, wie viele es machen, sondern grüßen oder ein freundliches Wort sagen, ein freundliches Wort zu der Mutter mit dem trotzenden Kind, mal nicht mitmeckern, wenn alle es tun...
Ich finde es so wichtig, dass wir uns nicht in unseren Wohnungen abschotten, sondern uns um ein gutes Miteinander in unserem Wohngebiet, in unserer Stadt, in unserem Dorf bemühen, dass wir vor dem Elend nicht die Augen verschließen und darauf warten, dass schon irgendjemand, irgendeine Behörde was tun wird.
Und um auf den Tun – Ergehen – Zusammenhang vom Anfang zurück zu kommen: Ich bin sicher, wenn wir alle daran arbeiten, dann wird es uns allen besser gehen.

Amen











Datum
01.10.2019
Von
Pastorin Uta Möhr | Pastorin Anke Kieseler
Bildrechte
© KG Lütten Klein
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