SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt Ewigkeitssonntag 2015

22.11.2015 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Ein weißes Top, am Rand etwas blutverschmiert. Dieses fast harmlos wirkende Foto ist im Internet zu einem Symbol der Attentate in Paris geworden. Es gehört einer jungen Frau, die das Massaker in dem Musikclub überlebt hat. "Du hättest dir niemals vorstellen können, dass so etwas dir passiert." schreibt die 22jährige auf facebook unter das Bild. Es sei eine glückliche Atmosphäre gewesen. Jeder hat getanzt und gelacht. Dann die Schüsse, die sie zunächst für einen Teil der show hielten. Dutzende Menschen seien direkt vor ihr umgebracht worden, schreibt sie weiter. Über eine Stunde habe sie sich tot gestellt, den Atem angehalten. "Die Bilder dieser Männer, die uns wie Aasgeier umkreisten, werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen, - schreibt sie. Als ich im Blut von Fremden lag und darauf wartete, dass eine Kugel meine gerade 22 Jahre beendet, stellte ich mir jedes Gesicht vor, das ich jemals geliebt habe. Hoffend, dass die, die ich liebe, wissen, wie sehr. Hoffend, dass, egal, was mit mir passierte, sie nicht den Glauben an das Gute im Menschen verlieren."
Der facebookeintrag dieser jungen Frau ist ein Appell der Liebe und für eine bessere Welt. "Und es liegt an uns, bessere Menschen zu sein." ist dieser Eintrag beendet. Er wurde innerhalb von 24 Stunden über 2 Millionen mal geliket, das heißt, mehr als 2 Millionen Menschen haben ihn elektronisch für gut befunden. "Es liegt an uns, bessere Menschen zu sein."
Liebe Gemeinde,
am heutigen Ewigkeitssonntag hören wir traditionell das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen. Ein bekanntes Gleichnis der Bibel und ein beliebtes Thema in der Kunstgeschichte.
Wer z.B. im Magdeburger Dom in die sogenannte Paradiesvorhalle gehen will, muss an den klugen und törichten Jungfrauen vorbei. Man kann, wenn man möchte, innehalten und sich fragen: zu welchen gehöre ich? Zu den cleveren oder zu den nachlässigen? Und auch in unserer Kirche kommt man nur in den Altarraum, wenn man an den 10 Jungfrauen vorbeigeht.
Die fünf glücklichen, die an das Öl gedacht haben, und die fünf traurigen, die sich erschrecken, weil sie das Wichtigste vergessen haben. Sie können zwar noch Öl kaufen, kommen aber nicht mehr in den Saal hinein, in dem die Hochzeit gefeiert wird.
Achten Sie doch mal darauf, wenn Sie wieder mal eine alte Kirche besuchen, ob und wo Ihnen dort dieses Gleichnis begegnet.
Wenn man die törichten Jungfrauen in Magdeburg betrachtet, kann man erschrecken: Die eine beißt sich auf die Lippen und greift sich ans Herz. Die zweite schlägt sich mit der flachen Hand an die Stirn, so als wollte sie sagen: "Wie konnte mir das passieren!" Eine andere trocknet sich mit einem Zipfel ihres Mantels die Tränen.
Die Tür zum Reich Gottes bleibt verschlossen - was habe ich falsch gemacht?
Über dieses Gleichnis zu predigen ist in heutiger Zeit schwierig und es ist dewegen so schwierig, weil wir verlernt haben, eine Geschichte, sei es ein biblisches Gleichnis oder ein Volksmärchen, mehrdimensional anzuschauen und zu verstehen suchen. Es gibt immer ein Verständnis, das einem ins Auge springt und immer etwas Verborgenes, das es zu entdecken gilt. Hier in unserem Gleichnis könnte man nun nach einem eher flüchtigen Blick sagen, und so wurde es ja auch jahrhundertelang gedeutet: der Bräutigam ist Gott, und der lässt nur hinein, wen er kennt, wer sich im täglichen Leben als klug und umsichtig erwiesen hat, wer vorausschauend plant und fromm lebt, er lässt also die rein, die Gott kennen. Mit dieser Deutung hat die Kirche jahrhundertelang versucht, die Menschen zu disziplinieren. Die Menschen sollten ihre Angst behalten.
Aber diese einseitige Deutung hinkte schon damals, denn die sogenannten klugen Jungfrauen verhalten sich ja nicht schwesterlich, unchristlich. Das kann man drehen und wenden wie man will, da kommt man nicht dran vorbei, auch wenn es jahrhundertelang einfach beiseite geschoben wurde.
Wie so oft, lohnt es sich auch und besonders bei diesem Gleichnis, noch mal bei Null anzufangen und alles zu vergessen, was wir je darüber gehört haben. Gleichnisse holen die Zuhörer in ihrer Lebenswirklichkeit ab. Sie sollen also nicht in erster Linie einen Idealzustand oder ein Wunschbild beschreiben, sondern sie erzählen den Zuhörern das, was er kennt. Diese Situation, dass junge Frauen zu einer Hochzeit eingeladen sind, war üblich und ein besonderes highlight in damaliger Zeit. Es war die Möglichkeit für junge Leute, einander zu sehen und kennenzulernen und möglicherweise Heiratskandidaten zu finden. Es ist also sozusagen eine Prüfungssituation für eine tüchtige Ehefrau. Diese Situation wird hier erzählt und die Erklärung wird gleich mitgeliefert: wer nicht vorbereitet ist, kann die Hochzeit, den richtigen Augenblick auch verpassen und die Prüfung vermasseln, die Tür bleibt zu. In dem Gleichnis klingt es wie ein Todesurteil. Und wie ich als Liebhaberin historischer Romane weiß, war das früher auch gar nicht so selten Realität. Unverheiratete Frauen hatten keinen Platz im Leben.
Aber diese Realtität hat nicht Gott den Menschen aufdiktiert, sondern diese Realität wurde von Menschen gemacht.
Erst seit etwa 50 Jahren ist es, und auch nur in hoch entwickelten Ländern, denkbar und normal, dass Frauen auch unverheiratet gesellschaftlich voll anerkannt sind.
Im Jahr 30 nach Christi Geburt war die Wirklichkeit so, wie im Gleichnis beschrieben: für wen die Tür zu bleibt, der hat keinen Platz in der Gesellschaft mehr, der ist so gut wie tot. So war es und in diese Wirklichkeit hinein kündigt Gott sein Kommen an.
Wir sollen wach sein, aufmerksam, für das, was in unserer Gesellschaft, in unserem Miteinander geschieht. Wir sollen wach sein, Gottes Kommen in unsere Welt zu entdecken, nicht achtlos vorbei zu gehen.
Deswegen empfinden wir dieses Gleichnis auch so unangenehm, weil wir aufgerüttelt werden sollen. Das klingt nach Anstrengung.
Uns sind die Geschichten lieber, die ein gutes Ende haben, wie z.B. die vom verlorenen Sohn, der seine Fehler bereut und umkehrt, und der wieder aufgenommen wird, so ganz ohne Prüfungsstress.
Die Bibel erzählt uns aber keine Gute – Nacht – Geschichten, nach denen wir sanft einschlummern können, sondern die Bibel will uns in Bewegung bringen. Gerade am Ende des Matthäusevangeliums endet beinahe jeder Abschnitt so: Seid wachsam! Wachet! Seid bereit! In unserem Predigttext heißt es: darum seid bereit, denn ihr wisst weder Tag noch Stunde!
Seid bereit – Dabei muss ich immer an meine Kindheit denken. Da war ich bei den Pionieren und habe hunderte Male auf diese Aufforderung geantwortet: Immer bereit. Wofür ich immer bereit sein sollte, wusste ich damals nicht. Heute habe ich eine Ahnung, dass damals etwas ganz anderes gemeint war, als ich heute denke. Bereit sein - ich weiß nicht, ob das immer so geht. Die ersten Christen haben ihr Hab und Gut verkauft, den Armen zu essen gegeben und gewartet, dass Jesus Christus wieder kommt und das irdische Reich, Leid, Tränen und Not beenden wird. Sie hielten sich bereit. Und mussten feststellen, dass sie sozusagen auf dem falschen Dampfer waren. Jesus kam nicht. Und niemand befreite sie von der irdischen Not und Bedrängnis.
Viele kehrten dem Glauben, von dem sie so viel erhofft hatten, wieder den Rücken. Aber viele blieben und versuchten, die Worte Jesu, die Überlieferung und die Verheißung für sich und ihre Situation neu zu füllen. Sie erkannten: Bereit sein, ist etwas anderes als sein Hab und Gut zu verkaufen. „Bereit sein” heißt, sein Leben zu füllen, aufzupassen, es nicht zu verschwenden. Das tun, was im Moment das wichtigste ist. Die Erkenntnis entwickeln: Vieles, was zu tun ist - gerade in diesem Moment - kann nur ich ganz persönlich tun. Ich soll und darf mich nicht darauf verlassen, das das schon irgendjemand anderes tun wird. Ich soll das ändern, was ich ändern kann.
„Bereit sein” heißt, nichts aufzuschieben, was wichtig ist.
„Bereit sein”, heißt auch, sich zu bekennen, und zwar nicht nur im Gottesdienst, sondern auch im Alltag.
Ich weiß nicht, ob die junge Frau, die vor 9 Tagen in das Pariser Massaker geriet, Christin ist. Aber eins weiß ich genau: ihr Leben wird nie wieder so sein wie vorher, so unkompliziert, einfach und so in den Tag hinein, wie es bei den meisten jungen Leuten ist. Diese Erfahrung, so schrecklich sie ist, wird ihr Leben verändern.
Sie sagt: Es liegt an uns, bessere Menschen zu sein.
Wir können sagen: wir wollen bereit sein, für das, was Gott heute von uns fordert – an Aufmerksamkeit, an Liebe, an Bekenntnis. Wir dürfen gewiss sein, dass er uns dabei nicht alleine lässt. Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen


Datum
22.11.2015
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