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Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt Friedensgottesdienst 2019

11.11.2019 | Gemeinsame Predigt der Pastorin Uta Möhr und Pastorin Anke Kieseler beim Friedensgottesdienst 2019 in der Dorfkirche Lichtenhagen

Anke Kieseler:
Auf dem Plakat zur diesjährigen FD:
viel Blau. Ein Blick aufs Meer. Oder auf Berge?
Darüber dünne Linien, die sich umeinander winden.
Sie ergeben das Bild einer Taube. Aufrecht und stark durchfliegt sie das Blau in großer Höhe.
Durch die Taube hindurch zieht sich eine rote Linie mit Halbkreisen und eine hellblaue Linie mit Dreiecken. Wie bei einer Wetterkarte. Da zeigen die roten Linien Warmluftzonen und die blauen Kaltluftzonen an.
Die Taube ist also unterschiedlichstem Wetter ausgesetzt. Fliegt zwischen Warm und Kalt.

Uta Möhr:
„Friedensklima“ lautet das Motto der diesjährigen Ökumenischen Friedensdekade. Der Frieden ist „vielem Wetter“ ausgesetzt: kalten und heißen Kriegen in der Ukraine, in Syrien, im Jemen, an vielen Orten der Welt. Klimaveränderungen, die Tiere und Pflanzen leise und zugleich dramatisch aussterben lassen; die Menschen zum Weggehen aus der Heimat zwingen.
Gegen Letzteres setzen manche Regierende auf Mauern, andere auf mehr digitale Überwachungstechnik an den Grenzen, die Dritten setzen auf Nationalismus.
Und alle sagen: wir brauchen mehr Waffen. Für den Frieden.

Anke Kieseler:
Würde die Taube auf dem Plakat tiefer fliegen und unser Land genauer anschauen, dann sähe sie zunehmende zerklüftete Landschaften zwischen Arm und Reich.
Sie sähe gerodete Brachflächen und verstopfte Autobahnen.
Sie würde auf Zonen von Fremdenhass schauen, der ganze Bereiche vergiftet. Und die Taube würde auch in die Ecken der Klassenzimmer schauen und Kinder sehen, die sich vor Mobbing fürchten.

Uta Möhr:
„Friedensklima“ ist etwas anderes. Wie würde ein Wetterexperte diese Wetterkarte erklären? Vielleicht so: „Uns erwartet ein Hoch. Es heißt Frieden. Das Hoch zieht von Osten her über das ganze Land. Es bringt Zuversicht auf eine Rente, die bis zum Lebensende reicht. Auf Kinder, die bleiben, weil es vor Ort Arbeit genug für alle gibt.

Anke Kieseler:
und er würde weiter erklären: In den frühen Morgenstunden breitet sich das Hoch Frieden dann in der Mitte Deutschlands aus. Es vertreibt die Gier aus den Köpfen der Menschen, die Gier nach noch mehr Ertrag, nach noch mehr Geld, die Gier nach den besten Geschäften. Die Gier nach immer mehr, immer besser, immer schneller...
Im Norden werden die Menschen zufrieden sein und sich freuen an Sonne und Wind, an der See, sie werden sich freuen, auf diesem schönen Fleckchen der Erde zu wohnen.
im Westen wird das Hoch Menschen aus ihren Häusern locken, sie stellen Tische und Stühle auf die Straße, jemand holt Rotwein, ein anderer stellt Brot und Käse auf den Tisch, es reicht für alle. Und sie feiern miteinander.
Den Süden erreicht das Hoch in den Abendstunden, die Menschen treffen sich dort zu Gebeten und Andachten.
Sie freuen sich, einander zu treffen und fragen nicht nach Religionszugehörigkeit oder Hautfarbe.

Uta Möhr:
Ach ja, das klingt schon schön, so ein Hoch Frieden! Das ist schon was anderes als all die Nachrichten, die uns so erreichen. Die sind eher „Tiefs“.
Das kürzlich geschnürte Klimapaket der Bundesregierung ist eher ein Witz, wenn es nicht so traurig wäre. Die Klimaziele des Pariser Abkommens erreichen wir so nicht, nie und nimmer.
Und der Anschlag auf die Synagoge in Halle hat nicht nur mich tief erschüttert. Warum? WARUM?
Warum können wir nicht den Andersglaubenden, den Andersdenkenden, den anders Aussehenden einfach anders sein lassen?
Und am gleichen Tag hörten wir von dem Einfallen der türkischen Armee in Nordsyrien. Alle verurteilen diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg.
Aber unsere Regierung stoppt die Waffenlieferungen an die Türkei dennoch nicht.
Manchmal schäme ich mich dafür, in diesem Land zu leben.
Lauter Tiefdruckgebiete in unserem Land, eins überlagert das nächste.

Anke Kieseler:
Und doch: Ich bin glücklich, in diesem Land zu leben.
In einem Land des Friedens – seit vielen Jahrzehnten. Uns scheint es oft so selbstverständlich.
In einem Land, in dem vor 30 Jahren so viel an Veränderung möglich war.
Es gab ihn, diesen Aufbruch, diesen Enthusiasmus –
ein Hoch durchzog unser Land.
Viele von uns waren dabei und wir erzählen es gern den Jungen unter uns, denen diese Zeit so weit weg scheint wie meiner Generation die Geschichten vom 2. WK.
Und doch müssen diese Erinnerungen geteilt werden.
Die guten und die schrecklichen, um daraus zu lernen.
Schämen tue ich mich für Menschen, die für ein Klima der Fremdenfeindlichkeit und der Angst sorgen und so Gewaltausübung verbal den Weg ebnen. Die dieses Land und das Denken zurückführen wollen in eine Zeit, die wir längst überwunden glaubten.
In ein Tief, wie es tiefer nicht sein kann.
Das ist unsere Realität, dieses Nebeneinander von Hochs und Tiefs. ABER:
Wir alle kennen den Spruch:
Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsch angezogene Leute.
Vielleicht brauchen wir ordentliche Regenbekleidung, die uns vor manchem Tief schützt und ihm die Stirn bietet, so dass wir dennoch auf die Straße gehen und etwas tun:
- Andersglaubenden, Andersdenkenden, anders Aussehenden die Hand reichen und voneinander lernen
- für ein menschliches Miteinander einstehen
- faire Produkte kaufen und davon erzählen, warum wir das tun
- die Jugendlichen in ihrem Kampf für eine bessere Zukunft und für ein besseres Klima unterstützen, es zu unserem gemeinsamem Anliegen machen
- den eigenen Lebensstil überdenken und ändern, was möglich ist, nicht aus schlechtem Gewissen, sondern aus Überzeugung.
Es gibt noch so viel, was zu tun ist.
Also, zieh deine Regenjacke an und komm mit raus, das nächste Hoch wird dieses Tief vertreiben.
Und der Frieden wird sich ausbreiten. Dann braucht es weder Schutzhelme noch Panzer – weder im Herzen, noch in der Politik. Nutzen wir dieses Hoch, um weltweit aufeinander zuzugehen.
Mit offenem Blick und ehrlichen Worten.
Für den Frieden.

Amen


Datum
11.11.2019
Von
Pastorin Uta Möhr | Pastorin Anke Kieseler
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