SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt Pfingstmontag 2019

28.06.2019 | Predigt Uta Möhr und Karin Ott
Uta: Es gibt eine alte Geschichte in der Bibel, die haben sich die Menschen seit Urbeginn weitererzählt. Es war der Versuch, zu begreifen, warum es so viele Sprachen auf der Erde gibt.

Karin: Turmbau zu Babel 1.Mose 11,1-9 evtl. Frei erzählt, oder Gute Nachricht...

Uta: Hm, das stelle ich mir schlimm vor: da arbeitet man zusammen über lange Zeit, und auf einmal versteht man den anderen nicht mehr. Diese Geschichte hat mich schon immer beschäftigt, seit ich sie als Kind in der Christenlehre das erste mal gehört habe, und das ist locker über 50 Jahre her. Da sagte der eine: bring Mörtel und der andere versteht es wird regnen, der eine ruft hilf mir mauern und der andere versteht hol Wasser. Oder vielleicht verstanden sie auch gar kein Wort, weil der eine chinesisch sprach und der andere englisch oder so.
Ich stell mir vor, wenn ich in so einer Situation wäre, ich wäre zutiefst verunsichert, ich würde Panik bekommen. Vor allem wir Erwachsene setzen ja bei der Verständigung sehr auf das Sprechen und die Sprache. Wenn man etwas nicht versteht, fragt man nach. Vertraut darauf, dass Worte Klarheit schaffen. Aber da gelingt längst nicht immer. Man macht die Erfahrung, dass man einander nicht versteht, obwohl man die gleiche Sprache spricht. Ich erinnere mich an eine Vorlesung in meinem Studium, in der ich mich getraut habe, zu sagen: Ich verstehe Sie nicht. Da fragte der Professor zurück: spreche ich zu leise? Seitdem habe ich das vermieden.

Karin: Es gibt aber Gott sei Dank auch die umgekehrte Erfahrung: Man kann sich auch verständigen, ohne die gleiche Sprache zu sprechen.
In diesem Februar war ich mit meiner Familie in Äthiopien. Die Verständigung dort ist auf Englisch ganz gut möglich – wenn man Englisch kann. Nun hat meine Schwiegermutter nie Englisch gelernt, reist aber gerne, besonders eben nach Äthiopien, wohin wir seit vielen Jahren familiäre Verbindungen haben. Bei der gemeinsamen Reise fiel mit auf: Wir alle sprachen außerhalb der Familie englisch. Beim Einkaufen, bei Besichtigungen, was man halt so macht. Bis auf meine Schwiegermutter. Sie sprach mit allen deutsch. Immer häufiger dachte ich: Das ist ja komisch, was bringt das, mit jemandem eine Sprache zu sprechen, die der andere nicht versteht? Im Gespräch mit ihr stellte ich bei mir selbst einen Unmut fest, den ich jetzt selbst nicht mehr verstehe: Das kann man doch nicht machen! Das ist doch irgendwie unpassend, wenn nicht gar unhöflich. Bis sie selbst meinte: Was soll ich denn sonst machen? Gar nichts reden? Und überhaupt: Die reden ja auch mit mir in einer Sprache, die ich nicht verstehe, nämlich in Englisch. Es dauerte eine Weile, bis diese Einsicht bei mir durchsickerte. Aber von da an stellte ich fest: Es geht doch! Wenn meine Schwiegermutter deutsch sprach, hörten die anderen ihr zu. Sie verstanden ihre Worte nicht, aber sie spürten ihren Willen zur Verständigung. Freundlich, mit Händen und Füßen, kamen so Menschen über Sprachgrenzen hinweg in Kontakt. Ich bin immer noch ein bisschen beschämt über meinen anfänglichen Missmut. Aber ich fühle mich auch beschenkt von dieser Erfahrung, die das Thema Verständigung von einer ganz neuen Seite zeigt.

Uta: das ist eine wirklich schöne Geschichte, die du da erlebt hast. Ich kann das richtig vor mir sehen. Wenn man den anderen verstehen will, wenn man das wirklich will, dann braucht es gar keine gemeinsame Sprache. Und wenn man verstanden werden will, braucht es auch keine gemeinsame Sprache, dann gibt es andere Möglichkeiten, Mimik, Gestik, Hände und Füße, Zuwendung, beobachten.
Wenn man dem anderen Menschen, meinem Gegenüber wirklich begegnen will, dann muss man eine andere Sprache finden, die man gemeinsam hat und die nicht mit dem Mund gesprochen wird.

Karin: ich kann mir vorstellen, dass es beim allerersten Pfingstfest genau so war: die Menschen, die da versammelt waren, die merkten, dass die Jünger erfüllt waren von etwas, von einem Ereignis, von einem Erlebnis… und sie wollten erfahren, was das war! Und auf einmal war die Sprache nicht mehr so wichtig. Aus einem ängstliche, verschreckten kleinen Häufchen sind mutige Menschen geworden Bis zu diesem Zeitpunkt waren sie gelähmt vor Furcht: Was sollte nur aus ihnen werden. War alles nur ein Traum? Wie sollten sie jemals erzählen können von dem was ihr Leben verändert hat. Wie sollten sie jemals erzählen können, was sie mit Jesus erlebt hatten. Niemand würde ihnen doch diese Geschichte abnehmen.
Sie ist ja bis heute immer noch ungeheuerlich und alles andere als leicht nachvollziehbar
Vor kurzem wurde ich gefragt: Wer ist das eigentlich, der Heilige Geist? Eine gute Frage. Nicht umsonst ist das Pfingstfest nicht so bekannt wie etwa Ostern mit den Ostereiern oder Weihnachten mit der Krippe. Der Heilige Geist lässt sich nicht so gut in Schaufenster oder in Supermarktregale stellen.
Man kann ihn nicht so leicht sehen. Am ehesten kann man ihn spüren. Als Kraft Gottes. So wie die ersten Jünger ihn am Pfingstfest spürten und so wie Menschen bis heute eine Kraft spüren, die Unmögliches möglich macht.

Uta: ich glaube, die Menschen haben gemerkt, dass sie etwas verbindet. Und das war stärker und mächtiger als alles, was sie trennt.
Das finde ich schön. An Pfingsten, merken wir, was uns verbindet. Und wenn man will, gelingt vieles, es gelingt Begegnung , es gelingt Verständigung, es gelingt friedliches Miteinander, es kann etwas gutes wachsen.

Karin: Auch wenn man die Kraft Gottes nicht sehen oder anfassen kann, so können wir ihr doch in diesem Sinne einen Weg bereiten, eine Landebahn gewissermaßen. Also Gelegenheiten schaffen, an denen wir zeigen wie diese Kraft wirken kann. Heute zum Beispiel, wenn wir die Gegenwart Gottes feiern, einfach so, unter freiem Himmel. Wir freuen uns miteinander singen und beten gemeinsam Gelegenheiten schaffen, dass der Heilige Geist bei uns landen kann, das können wir auch über diesen Tag hinaus. Wenn wir Anteil nehmen an dem was uns bewegt: In der Nachbarschaft, in der Familie. Wenn wir Stellung beziehen, bei dem was uns wichtig ist. Mal aus der Deckung kommen, auch wenn es schwer fällt. Manchmal geschieht dann ganz und gar Unerwartetes
Amen


Psalm 139 Übertragung

Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war.

Gott, du kennst mich.
Du achtest auf mich.
Nie gibst du mich verloren
Ich sitze oder stehe,
ich liege oder gehe,
du hältst deine Hand über mir.

Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war.

Alle meine Wege sind dir bekannt.
Alles, was ich denke und sage:
Du kennst es.
Mein ganzes Leben liegt offen vor dir.
Wenn ich in Schwierigkeiten bin,
willst du mich begleiten.

Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war.

Wenn ich nicht aus noch ein weiß
und mich am liebsten verstecken möchte,
so bleibt dir meine Not nicht verborgen.
Gott, du kennst mich.
Du achtest auf mich.
Nie gibst du mich verloren.

Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war.

Datum
28.06.2019
Von
Pastorin Uta Möhr
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