SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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© KG Lütten Klein / Jean Wlodarczyk

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt Silvester 2015

31.12.2015 | Liebe Gemeinde,
Der Herr segne dich und behüte dich... Bleib behütet... Der Herr sei mit dir...Es segne und behüte uns Gott, der Allmächtige...

Jede und jeder, der schon mal in einer Kirche war, sei es zu einem Gottesdienst, einer Hochzeit, einer Beerdigung, hat so einen guten Wunsch mit auf den Heimweg bekommen. Früher war es auch üblich, dass Eltern ihre Kinder segneten, wenn sie sie zu Bett brachten, oder wenn die Kinder morgens zur Schule gingen. Die Eltern befahlen sie dem Schutz Gottes an, dort wo die elterliche Fürsorge und der elterliche Schutz nicht mehr hinreichten. Es wurde das Brot gesegnet, bevor es angeschnitten wurde. Es wurde das Haus gesegnet, bevor die Familie einzog. Viele alte irische Segenswünsche gibt es - für jede Lebenslage: bei der Begegnung auf dem Weg, beim Feuer machen, beim Hausputz, bei plötzlichem Besuch, bei der Feldarbeit, im Dunkeln, bei Unwetter. Die Menschen hatten ein Wissen und Empfinden darüber, dass das Leben lebensgefährlich war, dass sie dringend den Schutz Gottes brauchten. Mit der heutigen Vorstellung, dass wir alles im Griff haben, dass alles machbar ist, meinen die Menschen jedoch, dass sie so einen "Aber"- Glauben nicht mehr nötig hätten. Nicht mehr nötig? Die Esoterik boomt! Da ist dann nicht mehr von Gott die Rede, sondern von den "Energien, die uns umgeben", da ist von den "Zusammenhängen" die Rede, nicht mehr von dem, der alles zusammen hält. Vor vier Jahren erzählte mir eine Frau, dass sie montags immer per Email einen Montagssegen erhält, der sie die ganze Woche begleitet. Ich fand diese Idee so unglaublich, so einfach und genial, dass ich sie sofort übernommen habe. Seitdem verschicke ich montags einen Segen per Email an alle Menschen, deren Emailadresse ich habe. Manchmal kommt ein kurzer Gruß zurück, manchmal meldet sich jemand, von dem ich lange nichts gehört hatte. Manchmal erzählt mir jemand, wie so ein Montagssegen sein Leben verändert hat. Eine Frau sagte: ich habe lange den Gedanken mit mir rumgetragen, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Als ich den Montagssegen las, wusste ich, dass ich das jetzt tun will. Eine Freundin sagt: ich speichere die Montagssegen immer ab und nehme sie mit in die Dienstberatung. Und auch die Kirchenältesten unserer Gemeinde holen am Ende einer KGR Sitzung gerne einen Montagssegen heraus, der sie besonders berührt hat. Manche Empfänger schicken den Montagssegen auch weiter an Freunde und Bekannte. Es berührt mich sehr, wenn ich höre, welche Kreise dieser Montagssegen zieht. Und oft denke ich: der Montagssegen tut genau das, was der Sonntagssegen tun sollte: Er zieht Kreise, er verbreitet sich, oder vielmehr er wird verbreitet.
Der Herr segne dich und behüte dich! So hören wir an jedem Ende eines Gottesdienstes. Und möchten nicht drauf verzichten. Denn diese Worte tun gut. Wenn man sich sonst vielleicht immer wieder unsicher ist, in diesem Moment, wo einem diese Segensworte zugesprochen werden, spürt man, dass sie stimmen. Dass Gott da ist, dass er nah ist, jedenfalls näher als man denkt. Daran kann man sich die Woche lang festhalten – oder das ganze Leben lang! Nicht von ungefähr begegnet der Segen einem Menschen in ganz besonderen Momenten: Wenn ein Kind getauft wird. Auch wir selber haben bei unserer eigenen Taufe so einen Segen empfangen. Bei einer Trauung wird das Paar gesegnet und wünscht sich nach Jahrzehnten zur goldenen Hochzeit dann oft noch einmal einen Segen. Bei der Konfirmation – alte Menschen sprechen gerne von Einsegnung. Und bei Beerdigungen, auch da wird gesegnet. Segen ist ein Lebensbegleiter. Und vielleicht ist es ein bisschen so, als wenn sich der Himmel öffnet, und man aufschaut in das leuchtende Angesicht Gottes. Vielleicht ist es ein bisschen so, als wenn man sagen möchte: Ja, Gott, lass dein Angesicht leuchten über mir und meinem Leben, über meinen Sorgen und meinen Freuden. Gib mir ein Stückchen von deinem Frieden, wenigstens in diesem Moment. Sie haben am Eingang eine Karte bekommen. Vielleicht haben Sie schon versucht, zu entziffern, was da drauf steht auf diesen beiden Bändern, die sich so geheimnisvoll durch die Kirche ziehen. Das gelbe Band schwingt sich nach unten, das rote nach oben. Wie Morgensonne und Abendrot. Oder vielleicht auch wie zwei Hände, eine haltend von unten, eine bergend von oben. Auf den Farbbändern stehen die Worte des aaronitischen Segens und die Tür ist geöffnet. Ein schönes Bild für den Jahreswechsel. Umgeben von den guten Worten des Segens können wir uns einlassen auf das, was da kommt. Es ist ja eine ganz eigene Stimmung beim Übergang von einem Jahr zum anderen. Man spürt, dass man etwas zurücklässt, dass etwas zu Ende geht. Vielleicht möchte man auch ganz bewusst etwas zurücklassen oder abschließen. Oder man möchte etwas mit hinübernehmen, ganz bewusst, etwas bewahren. Wir können uns fragen: Was war segensreich im vergangenen Jahr? Was ist es, wofür ich dankbar bin? Welche Menschen waren mir ganz besonders wichtig? Wer hat mir geholfen – wie auch immer? Aber vielleicht bin ich auch hilfreich gewesen im vergangenen Jahr, durch Worte, durch Gesten, oder dadurch dass ich für jemanden einfach da war. Das Leben wird reich, wenn wir uns das vergegenwärtigen. Es ist offen, was das neue Jahr bringt, und das ist auch gut so. Das macht diesen Moment beim Übergang von einem Jahr zum anderen so spannungsreich. Aber wir können das geheimnisvolle Licht dieser Karte sehen, das darauf verweist dass Gott uns auch im neuen Jahr begleitet, dass er uns begegnet, wie er es seit Urzeiten tut. Ein alter Psalm fällt mir ein:

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.
Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts.
Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“

Diese Worte sind mehr als 3000 Jahre alt. Schon damals wussten die Menschen und waren sich sicher, dass Gott sie begleitet und behütet auf allen Wegen ihres Lebens. Viel hat sich seitdem geändert, unser Leben ist mit dem Leben der Menschen damals nicht mehr zu vergleichen, ja ich möchte sagen, wir haben nichts mehr gemeinsam. Aber eins hat sich durch die Jahrtausende nicht geändert: Wir können auch heute darauf vertrauen, dass Gott seine Segensgeschichte mit uns fortsetzt – durch Menschen, die uns begegnen und durch uns, weil wir anderen auch wichtig sind. Darauf können wir uns verlassen. Und Sonntag für Sonntag und alle Feiertage können wir uns das zusprechen lassen:

„Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Friede.“ Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Datum
31.12.2015
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