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Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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© KG Lütten Klein / Jean Wlodarczyk

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt vom 10. Juli 2016

11.07.2016 | 7. Sonntag nach Trinitatis 2016
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
den Predigttext haben wir vorhin aus der Apostelgeschichte gehört.
„Die erste Gemeinde“ ist er überschrieben.
Meine Güte, welche Idealzustände!
Menschen, die alle zu einer Gemeinde dazu gehören und füreinander sorgen, miteinander teilen, die fürsorglich miteinander umgehen und einen Blick haben für soziale Gerechtigkeit. Sie verkauften Güter und Habe, verkauften ihre Immobilien und was sie sonst hatten. Jeder bekommt das, was er und sie nötig haben. Niemand geht leer aus, niemand hat zu viel. Einmütig waren sie – sie verstanden sich in ihrem gemeinsamen Glauben an den auferstandenen Christus als eine Gemeinschaft. Sie trafen sich regelmäßig, um miteinander Gottes Wort zu hören – im Tempel in Jerusalem.
Das war ihr Zuhause – auch für diejenigen, die sich zu Christus bekannten, denn hier hatte auch Jesus gepredigt. Aber sie trafen sich auch in den Häusern, reihum. Sie aßen miteinander – nicht nur die Freunde, sondern alle wurden eingeladen. Sie teilten das Brot und erinnerten sich dabei immer an denjenigen, der ihnen das beigebracht hat: Wenn wir Brot teilen, dann werden wir satt. Dann denken wir immer auch an den, der für uns Brot des Lebens geworden ist.
Sie beteten miteinander, waren voller Dankbarkeit, lobten Gott und beteten auch füreinander.
So muss Gemeinde sein!
Ist so Gemeinde? Ja, das soll es durchaus geben.
Wir kennen das aber anders, gerade, wenn ich an unsere Gemeinden hier in Rostock denke, jetzt, wo wir in den Konventen neue Konzepte zu Mitarbeiterstellen und Pfarrhäusern diskutiert haben. Da geht es schon sehr um die Unterschiede, um meins und deins.
Wir Christen heute verstehen uns dennoch als Gemeinde. Wir zahlen Kirchensteuern, um die Arbeit der Kirche zu unterstützen: die Seelsorge, die Diakonie, die Bildungsarbeit, die Kirchenmusik. Wir unterstützen mit dem Geld auch die Gebäude, in denen Menschen zusammen kommen. Die Kirchensteuer ist eine kleine Erinnerung daran, dass „sie untereinander teilten, je nachdem, wie es einer nötig hatte“, wie es im vers 45 heißt.
Aber dass wir hier in Rostock so füreinander sorgen, wie es in der Apostelgeschichte beschrieben wird, das kennen wir nicht. Dazu sind wir zu viele. Aber es gibt Strukturen, die zum Teil sogar ganz gut funktionieren, damit anderen Menschen geholfen werden kann.
Und wir „bleiben beständig in der Lehre der Apostel“. Das Angebot ist jeden Sonntag da: sich von Gottes Wort Orientierung und Stärkung geben zu lassen.
Wir beten füreinander und miteinander und feiern auch regelmäßig miteinander Abendmahl, wir teilen das Brot.
Das alles sind „Erinnerungen“ an die erste christliche Gemeinde in Jerusalem: in der Lehre des biblischen Wortes bleiben, in der Gemeinschaft mit Gott und untereinander, im Brot – teilen und im Gebet so zählt es Lukas in der Apostelgeschichte auf und das sind bis heute die Kennzeichen einer christlichen Gemeinde.
Mir fällt auf, dass es hier gar nicht um einen Ort geht, sondern um ein Handeln. Kirche ist dort, wo das geschieht, nicht dort, wo der Kirchturm ist.
Das würde ich mir heute auch wünschen.
Also – ideal fing die Geschichte der christlichen Gemeinde an. Sozial gerecht und einmütig.
Wenn wir ein bisschen genauer in das neue Testament gucken, vor allem in die Apostelgeschichte und die Briefe des Paulus, dann sehen wir, dass das so nicht stimmt. Wir hören von vielen Konflikten der ersten christlichen Gemeinden, mit denen Paulus sich auseinandersetzen musste.
Da hat jemand den anderen finanziell übervorteilt, also betrogen. In einer anderen Gemeinde trafen sich nur noch diejenigen, die begütert waren – und wollten mit den armen Menschen nichts mehr zu tun haben. Dann gab es jede Menge Konkurrenz und Machtkämpfe – wer ist der „Bestimmer“? Wer hat den bessern Glauben? Wer hat die Macht?
Menschliche Geltungsbedürfnisse gab es in den christlichen Gemeinden genauso, wie anderswo.
Und trotzdem beschreibt Lukas den Anfang der christlichen Gemeinde als ein Ideal. Nicht weil es tasächlich so und nicht anders gewesen ist, sondern er beschreibt vielmehr die Idee, wie sich Menschen zueinander verhalten sollten. Sie alle glauben an den auferstandenen Christus, der in seinem Leben, in vielen Begegnungen und Gesprächen, spürbar werden ließ, wie sehr Gott die Menschen liebt.
Die Geschichte der Christen hat sozusagen einen guten Anfang, das will uns Lukas sagen.
Ich kenne eine ganze Reihe von Lebensgeschichten, biblischen wie nichtbiblischen, die einen guten Anfang haben. Auch wenn es dann später vielleicht schwierig wurde und streckenweise gar nicht mehr gut lief – der Anfang jedenfalls war gut.
Wir haben vorhin Lennard getauft, auch sein Leben steht unter einem guten Anfang und wir hoffen und wünschen ihm sehr, dass es gut und behütet weitergeht.
Die Geschichten vom Anfang, die uns überliefert sind, waren alle ideal, auch wenn die Anfänge selbst nicht unbedingt ideal waren. Sie wurden ideal erzählt, denn sie sollen uns Kraft und Verheißung geben, wohin unsere Wege gehen könnten.
So ist das ja auch in den Anfangsgeschichten der Bibel.
Die Schöpfungsgeschichte erzählt von den guten Anfängen der Welt. Bei jedem Schöpfungswerk Gottes heißt es: „Und Gott sah, dass es gut war.“
Adam und Eva lebten in einem Paradies, in paradiesischen Zuständen.
Im Johannesevangelium lesen wir eine andere Geschichte eines guten Anfangs:
„Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.“
Es gibt keine Welt ohne Gottes Wort, meint Johannes. Und in Gottes Wort gibt es immer wieder Anfänge, weil es am Anfang war.
Auch die Weihnachtsgeschichten sind gute Anfangsgeschichten. Mitten in der Armut, mitten in der Nacht, mitten in der Dunkelheit, mitten in der Hoffnungslosigkeit fängt Neues an. In einem zarten Kind. Der Anfang aller Anfänge.
Auch dieser Bericht von der ersten Gemeinde in Jerusalem – eine christliche Kirche hat sich ja erst viel später gegründet – auch dieser Bericht über ein ideales Zusammenleben der ersten Christen ist so eine Schöpfungsgeschichte, ein guter Anfang! Damit wir eine Orientierung haben, wie es sein sollte.
Während ich darüber nachdenke, wie es in der ersten Gemeinde war, denke ich auch automatisch darüber nach, was daraus geworden ist. Was ist heute von diesen Anfängen geblieben? Wie hat es sich entwickelt? Was würde ein Lukas heute über die christliche Gemeinde in Lütten Klein schreiben – und ich bitte hier die Lichtenhäger um Entschuldigung, Ihre Anfänge liegen so weit zurück, dass ich da nicht hinschauen kann. Aber Lütten Klein ist jünger als ich. 50 Jahre alt werden wir im September.
1966 stand die neugegründete Gemeinde da – ohne Kirchgebäude, ohne Kirchturm, an dem man sich orientieren konnte. Ganz wie in Jerusalem war es: Man war zu den Gottesdiensten bei Nachbarn zu Gast, man traf sich in den Häusern, man besuchte sich, es bildeten sich Hauskreise, in denen bis heute biblisch, christlich und gesellschaftlich thematisch gearbeitet wird.
Man aß miteinander, man feierte gemeinsam Abendmahl, die Kinder erhielten christliche Unterweisung, man betete miteinander und füreinander, man half sich ganz praktisch untereinander. - Ganz so wie die ersten Christen in Jerusalem.
Aber man war nicht unbedingt ein Herz und eine Seele in den Anfängen und später in Lütten Klein. Da flogen schon mal die Fetzen und es gab derbe Worte – das ist kein Geheimnis.
Weder damals noch heute gibt es die „ideale Gemeinde“. Aber mit dieser Beschreibung aus der Apostelgeschichte haben wir eine Idee, wie Gemeinde sein könnte und vor allem, was die Mitte einer Gemeinde ausmacht – nicht der Kirchturm, sondern dass wir in der Lehre des biblischen Wortes bleiben, in der Gemeinschaft mit Gott und untereinander, im Brot – teilen und im Gebet. Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Datum
11.07.2016
Von
Uta Möhr
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Institutionen
Rostock, Lütten Klein