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Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt vom 12. August 2018

15.08.2018 | Liebe Gemeinde,
Sommerzeit ist Reisezeit. Man fährt nach Spanien, nach Thailand, in die Karibik, nach Norwegen oder wohin auch immer. Keine Gegend ist zu ausgefallen und alle wollen vom Tourismusgeschäft eine Scheibe abhaben.
Ist ja auch kein Problem, Flüge sind preiswert, oftmals preiswerter als Auto oder Bahn. Wir können es uns leisten. Sehr viele Deutsche jedenfalls. Man kann all inclusive buchen, dann hat man überhaupt keinen Stress mehr. Der Flug ist im Preis drin, die Unterkunft und das Essen.
Oder noch besser, man macht eine Kreuzfahrt. Man rollt sein Gepäck aufs Schiff und wird über Nacht von Stadt zu Stadt, von Land zu Land gefahren. Super bequem.
Auch Busreisen sind sehr beliebt, quer durch Europa oder auch nur um die Ecke.
Eine ganze Industrie lebt davon, dass Menschen unterwegs sind.
Und das ist ja auch in Ordnung, einmal im Jahr ausbrechen aus dem Trott, mal was anderes machen, mal die Uhren anders ticken lassen, mal Zeit vertrödeln, mal fünfe gerade sein lassen, mal neue Eindrücke sammeln und vielleicht auch für die Fotoausstellung in der heimatlichen Dorfkirche ein paar Urlaubskirchen fotografieren.
Wenn es denn einmal im Jahr wäre, und wenn es nicht jedesmal die Karibik wäre…
Früher, und damit meine ich die Zeit vor 30,40 Jahren, da hat man gespart darauf, dass man einmal im Jahr Urlaub machen könnte, oder einmal im Leben eine Kreuzfahrt.
Heute heißt es, wo machen wir denn in diesem Jahr unsere Kreuzfahrt hin?
In Warnemünde landen in diesem Jahr 205 Kreuzfahrtschiffe an. Im vergangenen Jahr waren es noch 190.
Längst stöhnen die Einwohner des ehemaligen kleinen Fischerortes über die Menschenmassen, die sich mehrmals in der Woche oder fast täglich in den Ort ergießen, da kommen schnell mal 10 000 und mehr Menschen zusammen.
Wir sind unterwegs.
Von einer Bekannten, gerade im Ruhestand, hörte ich: In diesem Jahr bereisen wir die Länder mit I: Island, Italien und Indien. Und im weiteren Gespräch meinte sie: Ich gucke mir immer die Kirchen an, mache drei Fotos und gehe wieder raus und gleich in die nächste Kirche. Ich kann mir das sowieso alles nicht merken.
Wir sind unterwegs und ich frage mich zunehmend, was tun wir und warum tun wir das?
Wir haben vorhin zwei Bibellesungen gehört, von Menschen, die auch unterwegs waren. Da ist Abraham, der von Gott aufgefordert wurde, seine Heimat zu verlassen und in einem anderen Land ein neues Leben zu beginnen. Er macht sich auf den Weg in das Land, das Gott ihm zeigen will. Er wandert aus.
Und da sind Menschen, die sich, von Jesus geschickt, auf den Weg machen, mit klaren Verhaltensanweisungen. Also dachte ich mir, ist das unterwegs - sein gar keine Erfindung der Neuzeit und der Tourismusbranche. Schon immer waren Menschen unterwegs. Und zur Zeiten, von denen die Bibel erzählt, sowieso.
Etliche Geschichten fallen mir ein: Jakobs Flucht, Josef in Ägypten, die Israeliten auf dem Weg ins gelobte Land durchziehen mit Mose die Wüste, sie nehmen das Land in Besitz, werden nach wechselvoller Geschichte nach Babylon in die Gefangenschaft deportiert. Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem, wenig später auf der Flucht nach Ägypten, Jesus zieht durch Galiläa und später nach Jerusalem, Paulus zog durch die Mittelmeerländer und gründete Gemeinden. Sie waren unterwegs. Was also unterscheidet uns von den Menschen zur Zeit der Bibel?
Ich denke, es unterscheidet uns eine ganze Menge. Zum einen: die Menschen der Bibel, von denen ich eben erzählt haben, waren nicht unterwegs, sondern sie waren auf dem Weg. Sie hatten ein Ziel, oftmals einen Auftrag, den sie gerne oder auch weniger gerne erfüllten. Sie gingen sozusagen von A nach B, dorthin, wohin sie geschickt wurden und wo sie einen Auftrag, eine Aufgabe hatten. Das Wort Urlaub oder Ferien kommt in der Bibel nicht vor.
Auf dem Weg sein ist ganz etwas anderes, als nur unterwegs zu sein. Das Wort unterwegs kommt in der ganzen Bibel nur ungefähr 10x vor, einmal davon steht es in der Geschichte aus dem Lukasevangelium, die wir vorhin gehört haben. Die Menschen sind nicht unterwegs, sie gehen, laufen, reisen, reiten auf Eseln, fahren übers Meer, fahren auf einem wagen oder in einer Kutsche. Sie haben ein Ziel.
Also denke ich, ist das unterwegs sein doch eine Erfindung der Neuzeit und der Tourismusbranche.
Und da denke ich seit einiger Zeit drüber nach. Was tun wir eigentlich? Wir sind unterwegs. Aber haben wir auch ein Ziel? Oder eiern wir im Kreis rum? Ohne Plan, ohne Ziel. Wo wollen wir hin mit unserem einzigartigen Leben, das uns geschenkt ist? Was ist unsere Aufgabe in dieser Welt? Was ist unsere Aufgabe als Christen, als Kirche? Wo sollten wir aufstehen und möglicherweise auch der Tourismusindustrie Einhalt gebieten? Ich denke, wir nehmen viel zu viel hin und sagen viel zu wenig nein. Wir hören in den Nachrichten eine Schreckensmeldung nach der anderen, sind kurz erschrocken und wenden uns am nächsten Tag der nächsten Schreckensmeldung zu. Vor wenigen Wochen hieß es, dass unsere Regierung noch überhaupt keine Anstrengungen unternommen hat, die Klimaziele von Paris umzusetzen und dass die 2 Grad Erwärmung der Erde, die auf jeden Fall unterboten werden sollte, wohl nicht zu halten sei. In diesen Tagen reden Wissenschaftler davon, dass die Erderwärmung wohl 4-5 Grad betragen wird. Das nehmen wir erschrocken zur Kenntnis, stöhnen noch einmal über die Hitze und schlecken dann genüsslich das nächste Eis. Ich bin sicher, in einem halben Jahr redet niemand mehr von der Hitze und der Dürre in diesem Sommer und nach dem nächsten verregneten Sommer lehnen wir uns wieder zurück und denken: ist ja alles nicht so schlimm. Zu Weihnachten gibt es Erdbeertorte und im Februar fliegen wir auf die Malediven.
Verstehen Sie mich richtig, ich will das alles ja nicht schlecht machen, sondern ich möchte einfach, dass wir, und da nehme ich mich ja keinesfalls aus, dass wir nachdenken, was wir tun und ob unser verhalten richtig und sinnvoll ist. Und dass wir auch mal darüber nachdenken, was unser Auftrag als Christen ist. Damit wir aufhören, unterwegs zu sein und statt dessen auf dem Weg sind, von A nach B, und gerne auch über C und D. Und dass wir genießen, was uns links und rechts des Weges begegnet. Amen

Datum
15.08.2018
Von
Pastorin Uta Möhr
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