SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt vom 14. Oktober 2018

16.10.2018 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
ich bin gerade aus dem Urlaub zurück. Ich war verreist, bin ausgestiegen aus meinem Alltag, habe den Wetterbericht studiert, meine Sachen eingepackt, bin frühmorgens zur S – Bahn gegangen und losgefahren. Ich bin eigentlich nicht so sehr der Reisetyp. Es muss schon vieles stimmen, bevor ich mich aufmache – das Klima, das Ziel, der Weg und vor allem die Menschen, mit denen ich unterwegs sein will. Gar nicht so einfach, das alles unter einen Hut zu bekommen.
Diesmal passte alles und so hatte ich das Gefühl, wie in einer Seifenblase aus meinem Alltag herauszufallen, einige Tage durch Rom zu kullern, um dann wieder zurück in meinem Alltag zu landen.
Das tut gut und man sollte das definitiv von Zeit zu Zeit tun.
Aussteigen, die Zeit mal völlig anders verbringen, den Terminkalender zu Hause lassen, anderes sehen, anderes hören, anderes essen, neue Erfahrungen machen, seine eigenen Grenzen wieder spüren und vielleicht auch mal ganz anders übertreten.
Ich hatte mich lange auf die Reise gefreut und ich weiß, dass ich mich lange und gerne daran erinnern werde. Ich habe viele Fotos gemacht, aber die meisten Bilder trage ich in mir und dort sind sie besser aufgehoben, als in meinem handy.
Aber auch das habe ich erlebt: schreiende, drängelnde, genervte Menschen auf den Bahnhöfen und in den Museen. Weinende Kinder und rempelnde Jugendliche, übervolle Züge. Menschenmassen. Es war Herbstferienbeginn in fast ganz Deutschland. Vom Sommer habe ich die Fernsehbilder im Kopf mit den chaotischen Zuständen auf den Flugplätzen.
Was tun wir, was treibt uns? Das frage ich mich immer mehr. Denn das ist mein Eindruck: Wir sind getriebene. Längst gibt es eine ganze Tourismusindustrie. Und Hotels und Gaststätten gehen aus lauter Angst, es könnten die Urlauber wegbleiben, faule Kompromisse ein zu Lasten der Arbeitskräfte, bei denen längst nicht überall Mindestlohn gezahlt wird und zu Lasten des Umweltschutzes.
Manche Menschen überlegen schon vor dem Urlaub, worauf sie bei ihrer Unterkunft achten müssen, damit sie hinterher auf Preisminderung klagen können.
Dem Wetterdienst ist es verboten, länger als drei Tage Regen vorhersagen, weil dann die Urlauber nicht mehr kommen – da hat es mal ein Urteil zu gegeben.
Wer sind wir und was tun wir? Das ist meine Frage – und sind wir eigentlich noch zu retten?
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Diese Verse aus dem Buch des Propheten Micha sind schon mehr als 2500 Jahre alt und doch so aktuell wie eh und je. Und als ich unterwegs war, dachte ich an den Vers aus dem Römerbrief, der vor einigen Jahren mal Jahreslosung war: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.
Und nachdem dieser Vers sich einmal in meinem Kopf in den Vordergrund gedrängt hatte, wurde ich ihn nicht wieder los. Er begleitete mich durch die vatikanischen Museen, in denen sich vieltausende Menschen täglich durchschieben lassen und ich fragte mich: was wollen die alle hier, was treibt sie hierher? Ist es nur ein Punkt in einer gebuchten Reise, der abgearbeitet werden musste, weil man ihn bezahlt hatte? Ist es inniger Wunsch, die Kunstschätze mit eigenen Augen zu sehen? Ist es ein religiöses Bedürfnis? Ist es Neugier, Wissensdurst? Macht man das, weil man das mal gemacht haben sollte? Oder ist es doch der Geist Gottes, welcher die Menschen in die Museen treibt?
Über Michelangelo hatte ich vorher schon viel gelesen, auch über Raffael und andere Künstler der damaligen Zeit. Ich wusste um die inneren Auseinandersetzungen, und vor allem auch bei Michelangelo um das Getrieben - sein. Er hat sich über viele Vorgaben hinweggesetzt, die Papst Julius II. ihm gemacht hatte, und er war sich bis zum Schluss nicht sicher, ob der Papst nicht befehlen würde, die Frescen wieder abzuschlagen. Dennoch hat er die sixtinische Kapelle ausgemalt mit Bildern, die ihm in der Seele lagen. Wenn wir fragen, wer ihm denn diese Bilder in die Seele gelegt hat, dann wissen wir, welcher Geist ihn getrieben hat, der Geist Gottes nämlich. Ohne ihn wäre so etwas wundervolles nicht entstanden.
Lassen Sie uns mal schauen, in welchem Zusammenhang Paulus diese Worte an die Römer geschrieben hat:
Wir schreiben das Jahr 56 nach Christus, es ist Frühjahr, wir sind in Korinth. Paulus, der Gemeindegründer, ist wieder einmal zu Besuch in der Gemeinde. Luftholen vor einer neuen großen Aufgabe. Das Christentum hat im Mittelmeerraum gut Fuß gefasst, auch in Rom - so wurde Paulus berichtet – gibt es schon christliche Gemeinden. Die will Paulus besuchen. Sie sollen ihm Rückhalt und Unterstützung bieten für seine neue Aufgabe, die Mission im Westen, bis nach Spanien.
Paulus stellt sich Fragen, die uns vielleicht nicht fremd sind. Er hat schon gehört, dass manche in Rom seine Theologie für ziemlich schräg halten, sie missverstehen. Zudem kursieren Gerüchte über ihn. Wird er Menschen finden, bei denen er Rückhalt bekommt?
Er schreibt an die Gemeinden in Rom: So sind wir nun, liebe Brüder und Schwestern, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden.
Ich kann mir gut vorstellen, dass der Brief des Paulus, von dem wir hier nur einen Ausschnitt gehört haben, in den Gemeinden auf vielfache Resonanz gestoßen ist. Auf Ablehnung vielleicht, auf Unverständnis, aber auch auf Neugier und Zustimmung.
Und auch wir runzeln vielleicht die Stirn: wir sind Kinder? Gehts noch? Wir sind alle erwachsen, stehen im Leben, haben viel erreicht, viele von Ihnen sind im Ruhestand und blicken auf erfüllte Jahre zurück, in denen Sie viel geleistet haben.
Mir geistert der Satz durch den Kopf: Im Alter wird man wieder zum Kind – so wie wir diesen Satz denken – DAS ist mit Sicherheit nicht gemeint.
Aber Kind sein – ist das wirklich so abwegig? Ich sehe Kinder vor mir, die lachen und die Welt erforschen, die Vertrauen haben, dass die Erwachsenen es gut mit ihnen meinen, sie versorgen, ihnen die Möglichkeiten geben, das Leben zu entdecken. Ich sehe Kinder vor mir, die wollen, dass ihre Eltern stolz auf sie sind, die wollen Großes erreichen und nicht nur Mittelmaß sein, denen geht es nicht um Reichtum und Besitz, sondern die sagen: Guck mal, was ich kann! Und nicht: Guck mal, wie toll ich bin!
Kinder, die was leisten wollen, die selber laufen wollen und sich nicht sagen: Auf Mamas Arm ist es ja auch ganz nett.
Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder!
Ja!
Wir sollen keine kleinen Kinder sein, denen man nichts zutrauen kann, denen noch die Lebenserfahrung fehlt und die Fehler machen, die noch nicht die Konsequenzen ihres Handelns überblicken können.
Nein!
Wir sollen Kinder sein, die geliebt sind von Gott, dem Vater, die neugierig die Welt erforschen dürfen, die motiviert die Probleme angehen, die sagen: Guck mal, was ich kann und die alles daran setzen, dass Gott, der Vater stolz auf sie ist.
Das klappt nicht immer, und vieles, was wir tun, ist ziemlich schräge und falsch. Aber auch das gehört zum Kindsein dazu: Hinfallen, und wieder aufstehen, Fehler machen und daraus lernen.
Und weil wir schon ziemlich große Kinder sind, werden wir gelegentlich innehalten, vielleicht in Urlaub fahren und darüber nachdenken, was uns treibt – der Geist Gottes oder der Zeitgeist der Welt.
Amen
und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Datum
16.10.2018
Von
Uta Möhr
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