SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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© KG Lütten Klein / Jean Wlodarczyk

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt vom 16. Juli 2017 zur Konfirmation

17.07.2017 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
als meine Jungs 9 und 15 Jahre alt waren, zog Harry Potter bei uns ein. Fortan verschlangen sie und ich dann auch jedes Buch, das neu erschien, wenig später lasen meine Kinder es auf englisch, und freuten sich, dass ich noch ein halbes Jahr warten musste, bis es auf deutsch erschien.
Das ist nun schon viele Jahre her, aber die Faszination ist geblieben.
Und amüsiert beobachtete ich, wie du, Natalie, oft ein Buch unter dem Arm hattest, wenn du zum Konfirmandenunterricht gekommen bist, denn vielleicht ergaben sich ja vorher noch einige Minuten, wo man ein bisschen weiterschmökern konnte.
Das hat mich angesteckt und ich habe während meiner Sabbatzeit die Harry Potter - Hörbücher mit Genuss noch einmal gehört.
Nun weiß ich ja, dass es gerade in kirchlichen Kreisen viele Vorbehalte gegen Harry Potter gibt. Und es ist ja auch völlig in Ordnung, dass man den Inhalt dieser Bücher kritisch prüft und für sich selber dann zu dem Schluss kommt, es nicht mit seinem christlichen Glauben vereinbaren zu können. Das ist in Ordnung, so lange man diejenigen toleriert, die es vereinbaren können und zu denen zähle ich mich auch.
Ich glaube, die Harry Potter Bücher sind deshalb so beliebt, und haben ja eine ganze Generation Kinder und Jugendliche wieder zum Lesen gebracht, weil sie sich mit den großen Fragen des Mensch - seins beschäftigen.
Wie ist das, wenn ich Fehler mache – wie kann ich mich entschuldigen?
Wie gehe ich damit um, wenn ich mich schäme?
Wie ist das mit Vertrauen?
Wo sind die Grenzen der Freundschaft?
Wie mächtig, wie kraftvoll ist Liebe?
Es geht um das Erstarken der dunklen Mächte und darum, dass man sich dazu positionieren muss.
Zwischendurch lernt man, wie eine Diktatur funktioniert und was passiert, wenn Wahrheit verschwiegen wird.
Die Charaktere sind fast ausnahmslos sehr vielschichtig, keiner ist nur gut und fast keiner ist nur böse. Sie alle haben Ecken und Kanten, machen Fehler und wachsen über sich heraus – also Leute wie du und ich.
Dass diese Themen alle in die magische Welt der Zauberer verlegt wurden – sei es drum. Es ist faszinierend, es ist gruselig, es ist suspekt und manches ist einfach nur witzig.
Und beim Hören der Bücher bin ich über Sätze gestolpert, die mich tief berührt haben und wegen einem dieser Sätze erzähle ich Ihnen dies alles.
Der weise Schulleiter Dumbledore schickt die Schüler am Ende des 4. Schuljahres, als sie etwa 14 Jahre alt sind, also so alt, wie du jetzt bist, Natalie, nach Hause mit den Worten:
es kommt die Zeit, da ihr euch entscheiden müsst zwischen dem richtigen Weg und dem bequemen Weg.
Pause
es kommt die Zeit, da ihr euch entscheiden müsst zwischen dem richtigen Weg und dem bequemen Weg.
Orgelmusik
Wenn man mir so zuhört, dann könnte man meinen, ich würde heute über Sätze aus Harry Potter predigen und nicht über Sätze aus der Bibel.
Die Gefahr könnte in der Tat bestehen, aber ich habe sie erkannt. Es ist so, dass das zentrale Thema Harry Potters auch so in der Bibel zu finden ist. Ich habe an das Buch der Offenbarung des Johannes gedacht, in dem es um den Kampf zwischen Gott und Satan geht und der Mensch aufgefordert wird, die Sache Gottes zu unterstützen.
Noch heute gibt es die Formulierung in unserer Taufagende: Entsagst du dem Satan und all seinen Werken?
Du musst dich entscheiden - eine Forderung, die Jesus auch stellt, gegen Halbherzigkeit, gegen Lauheit, gegen Gleichgültigkeit. Wir sollen uns entscheiden für die Sache Gottes, für Gottes Reich – darum sollen wir daran mitarbeiten an dem Platz, auf den Gott uns stellt.
Du musst dich entscheiden zwischen dem richtigen Weg und dem bequemen Weg, sagt Dumbledore.
Und da komme ich nun an die Grenze der Harry Potter Bücher, denn sie sind keine Bibel, wenn sie auch zum Teil christliche Botschaften transportieren.
Welches der richtige Weg für dich ist, das kann dir Harry Potter nicht sagen.
Welches der richtige Weg ist, das sagt dir die Bibel.
Ein sehr zentraler Text der Bibel, alle, die konfirmiert wurden, haben ihn auswendig gelernt, weil er Hilfe und Ausrichtung ist, ist der Psalm 23. Vielen von Ihnen ist er Trost und Hilfe, Stärkung und Ermutigung in schweren Zeiten gewesen.
Der Herr ist mein Hirte.
Ute und Karin haben zu diesem Psalm ein großes storybag genäht.
Auf gut deutsch: einen Geschichtenbeutel. Dieses Erzählhilfsmittel hat Christel Huhndorf irgendwo entdeckt und dann für ihre Arbeit hier in der Gemeinde umgesetzt. Es ist ihr gelungen, jung und alt damit in den Bann zu ziehen: wie geht es weiter? Was kommt als nächstes? Und wie macht sie das überhaupt? Die Kinder dürfen jetzt mal ein bisschen dichter kommen, damit sie gut gucken können.
Der Herr ist mein Hirte
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück.
Denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Gesangsquartett: Selig seid ihr

So eine Wegweisung für den richtigen Weg, kann auch der Konfirmationsspruch sein.
Viele von Ihnen leben mit ihrem Konfirmationsspruch, wissen ihn auswendig und denken immer mal wieder dran. Vielleicht hadern auch manche damit, was der Pastor damals ausgesucht hat.
Heute ist das ein bisschen anders, heute suchen die Jugendlichen selber oder die Eltern ihren Konfirmationsspruch aus und als Pastorin hat man dann bestenfalls noch beratende Funktion.
Du, Natalie, hast dir ungefähr 10 bis 12 Sprüche in der Bibel ausgesucht, die du gut findest und wir haben uns dann auf einen geeinigt.
Psalm 51/12
Schaffe in mir Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen beständigen Geist.
Ein reines Herz und einen beständigen Geist wünschst du dir von Gott, dass dein Leben immer auf dem richtigen Weg, nicht auf dem bequemen Weg verlaufen wird.
Es heißt ja nicht, dass der richtige Weg, der, der dich bei Gott hält und der dich seine Gebote halten lässt, der dich Liebe zu deinen nächsten Menschen und Liebe zu den Mitgeschöpfen wie Tieren und Pflanzen üben lässt, dieser Weg ist ja nicht nur steinig und führt nicht nur bergauf. Da gibt es auch mal sonnige Abschnitte und Wohlfühloasen.
Da gibt es nette Weggefährten und schöne Erlebnisse. Aber ja nicht nur, das wissen wir alle. Manchmal wird unser Glauben auf eine ganz schön harte Probe gestellt. Vielleicht denken Sie Ältere jetzt an die Nazizeit oder die DDR, wo man wegen seines Glaubens schon ganz schön ind Bedrängnis kommen konnte.
Aber auch heute gibt es so Wegkreuzungen, wo man entscheiden muss: z. B. Ist das der richtige Lebenspartner, wenn der sich immer lustig macht über meinen Glauben und ständig rumnörgelt, wenn ich mal in die Kirche gehen will. Für den nicht in Frage kommt, dass die Kinder getauft werden.
Oder: Es gibt Entwicklungen in der Gesellschaft, da kann man nicht mitgehen, wenn man ein reines Gewissen, ein reines Herz behalten will und dann steht man mit seiner Meinung möglicherweise sehr alleine da.
Und manchmal kommt man in Situationen, da sollte man eingreifen und nicht wegschauen, das kennen wir alle und winden uns jedes Mal.
Schaffe in mir Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen beständigen Geist. - diesen Satz aus der Bibel, den wollen wir dir heute mitgeben, Natalie, dass er dich begleiten und stärken möge in deinem Leben. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Datum
17.07.2017
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