SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt vom 19. 2. 2017

21.02.2017 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht bei Markus im 4. Kapitel
Jesus sprach: Das Reich Gottes ist so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst, ohne dass er´s weiß.
Denn die Erde bringt von selbst Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre.
Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.
Liebe Gemeinde,
Wir haben neue Kirchengemeinderäte gewählt. Das ist uns auch gut gelungen. Inzwischen haben sich die Kirchengemeinderäte konstituiert, das heißt, alle kleinen und großen regelmäßigen Aufgaben wurden verteilt. Auch das hat ganz gut geklappt. Wir wissen ja auch nicht, was uns so in den kommenden Monaten und Jahren erwartet und das ist ja auch ganz gut so, denn sonst würde mancher vielleicht mutlos werden. So weit so gut.
Aber nun sollen die neuen Kirchenältesten einen neuen Regionalpastor wählen und das gibt Probleme, zumindest bei uns in Rostock. Es gibt keinen Kandidaten, keiner will es machen. Wir sind eine große Region, in der ungefähr 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Dienst tun. Jeder Pastor hat mit sich und seiner Gemeinde zu tun und die meisten machen ja auch übergemeindlich noch etwas. Und nun steht so eine Aufgabe zur Wahl, wo man ständig mit Papierkram zu tun hat und zu Sitzungen rennen muss. Nein danke.
Aber es ist ja nicht nur der ungeliebte Papierkram, der an dieser Aufgabe hängt, sondern auch die Koordination der vielfältigen Aktionen und Projekte, in denen "Kirche präsent" sein soll: Auf der Hanse Sail, bei den Stadtteilfesten, bei Aktionen gegen Gewalt, gegen rechts, in der Flüchtlingshilfe usw. Alles wichtige Aufgaben und da werden in diesem Wahljahr mit Sicherheit noch einige dazu kommen: Dann fragt der Regionalpastor/ die Regionalpastorin in unserem Fall/ im Konvent: Wer will denn da mal mitmachen? Betretendes Schweigen, alle gucken nach unten, keiner meldet sich. Sie können sich das sicher vorstellen. Es ist nicht so, dass wir es für überflüssig halten, sondern wir wissen nicht, wie wir das auch noch unterbringen sollen.
Daran musste ich denken, als ich unseren Predigttext las.
Es hat ja den Anschein, man müsste gar nichts machen, nur abwarten, um die Saat, um das Reich Gottes aufgehen zu sehen. Vielleicht sollten wir gar nichts tun.
und der Same geht auf und wächst, ohne dass er´s weiß. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.
Gar nichts tun und dann ernten - das hat nur für uns Städter den Anschein. Diejenigen von Ihnen, die in der Landwirtschaft groß geworden sind, wissen, dass das nicht so ist. Und auch die Zuhörer Jesu damals wussten das.
Zuerst musste der Boden bereitet werden, damit überhaupt gesät werden konnte. In Galiläa, wo der fruchtbare Acker auf einer brüchigen Kalksteinschicht liegt, hieß das, Steine sammeln. Jedes Jahr wieder neu, denn die Steine wurden immer wieder durch die Erdschicht nach oben gedrückt. Dann konnte gepflügt werden. Noch einmal mussten Steine gelesen werden. Dann wurde der Acker fein geeggt. Nun erst konnte die Aussaat beginnen. Danach begann das Warten auf das Aufgehen der Saat.
Die Zuhörer damals haben gut verstanden, worum es ging: der Boden musste vorbereitet werden und dann konnte die sehnsüchtig erwartete Erlösung durch die Herrschaft Gottes kommen. Damals lag alles in einer Hand. Heute sprechen wir von Arbeitsteilung. Viele Menschen sind daran beteiligt, damit wir Anteil haben können an der Ernte. Und das ist ja auch gut so, denn viele Fähigkeiten und Begabungen würden verkümmern, wenn wir unseren eigenen Acker hinter dem Haus bestellen müssten.
Was ist denn nun aber unser Arbeitsbereich für den Aufbau des Gottesreiches?
Ich denke es ist das, was die Bauern in Galiläa auch zuerst tun mussten: Steine wegräumen, den Acker bereiten.
Und es sind große und nennenswerte Felsbrocken, die die Aussaat behindern. Denn das Reich Gottes beginnt bei uns, bei mir, in meinem Herzen.
Da ist der Felsbrocken der Bequemlichkeit. Ich allein kann ja doch nichts ausrichten. Oder: was soll ich mich denn abends noch mal auf den Weg machen?
Damit die Gemeinde leben kann, braucht es jeden von uns. Die meisten treibt es aber nur einmal im Jahr in die Kirche, am Heiligabend. Und da wollen sie dann auch etwas geboten bekommen für ihr Geld.
Gegen so einen Felsbrocken kommt die zarte Pflanze des Glaubens nicht an!
Und da ist der Felsbrocken der fehlenden Zeit. So viele Termine, so viele Verpflichtungen, das kann man gar nicht alles schaffen. Da muss man sich am Wochenende erholen.
Gerade Familien leiden darunter, dass die Kinder so einen vollen Terminkalender haben und zwischen Schach und Schwimmen und Nachhilfe und Klavierunterricht hin und her hetzen, nach einem langen Schultag. Da ist der Konfirmandenunterricht das erste, was gestrichen wird.
Wie kann die zarte Pflanze Hoffnung wachsen, wenn sie ein solcher Felsbrocken erdrückt?
Und dann ist da noch, gerade auch bei uns in Mecklenburg, die Angst um den Arbeitsplatz, die Angst, gesellschaftlich nicht mehr Fuß fassen zu können und abzugleiten in die Schar der sozial schwachen. Das eigene Auskommen und Fortkommen steht im Vordergrund. Eine berechtigte Angst zugegebener maßen. Das alles ist sehr wichtig, aber dennoch ein Felsbrocken, der eine zarte Pflanze erdrücken kann.
Die Felsbrocken in Galiläa kommen immer wieder an die Oberfläche und auch in unserem Herzen ist das so, wenn wir nicht immer und immer wieder daran arbeiten.
Ich denke wieder an die Mitarbeiter in unserer Region, an die, die kein Land sehen, und deren Ängste und Sorgen jeden kleinen Pflanzenspross zu ersticken drohen, aber auch an die, die alles immer gleich und sofort wollen und sich ärgern über die, die es langsamer angehen lassen möchten.
Das Reich Gottes hat etwas mit Geduld und Hoffen und warten zu tun. Das ist nichts für die Angstvollen, die dann sagen: siehst du, ich hab’s ja gleich gesagt, nichts geht voran. Aber es ist auch nichts für die Schnellen, die stöhnen und sagen: Das geht alles nicht schnell genug, wir haben so viel gemacht und getan, nun wollen wir auch was sehen.
Es kommt beim Reich Gottes nicht darauf an, alles abzuwarten, und auch nicht, alles schnell zu machen, sondern es kommt darauf an, das Rechte zur rechten Zeit zu tun.
Ich denke über das Leben von Jesus nach: Die Zeit seiner Wirksamkeit, also die Zeit, in der er aktiv im Land unterwegs war, um den Menschen von Gottes Liebe zu erzählen, war kurz. Ein Jahr sagt Markus, Lukas redet von drei Jahren. Das ist nicht viel, Jesus wusste das. Aber er sagte nicht: Wie soll ich das bloß schaffen, es sind so unendlich viele Menschen, ich kann gar nicht alle erreichen, er betete nicht: Vater gib mir mehr Zeit, ich schaff das nicht, sondern er fing an. Er setzte sich hin, erzählte Geschichten, Gleichnisse, so wie dieses, das wir heute gehört haben. Er hörte zu, und nahm sich auch Zeit für die Kinder, die Armen, die Bettler, die Kranken. Für alle die, die nichts galten in der Gesellschaft.
Und was ist daraus geworden im Laufe der Jahrhunderte! Eine Kirche mit vielen vielen Menschen. Unsere Gemeinden werden kleiner, werden Sie mir entgegenhalten, die Menschen treten aus der Kirche aus. Stimmt. Aber sie können nicht austreten aus der Liebe Gottes! Eine Frau hat nach der Geburt ihres ersten Kindes gesagt: Ich bin so dankbar! Aber ich weiß nicht, wem ich danken soll.
Und sind die Zahlen der Kirchenbesucher am Heiligabend nicht auch ein Zeichen dafür, dass Menschen die Nähe Gottes spüren wollen? Und wie viele Menschen sagen: da hatte ich einen Schutzengel - die in anderen Situationen den Glauben an jegliche Existenz Gottes ablehnen würden?
Wir können tun und machen, was wir wollen, daran dass die Saat schneller wächst, können wir nichts tun. Aber wir können den Boden bereiten. Immer wieder. Im Falle unserer Regionalpastorenwahl haben wir die Felsbrocken kleiner gemacht und die Aufgaben auf 5 Leute verteilt. Ich glaube, das wird. Wir müssen nur anfangen und dranbleiben, am besten bei uns selbst. Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als unsere Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsere Hoffnung groß und stärke unsere Liebe. Amen

Datum
21.02.2017
Von
Uta Möhr
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