SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt vom 19. August 2018

20.08.2018 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
»Einen halben Schekel für einen Ex-Leprakranken!«
»Sagst du: Ex-Leprakranker?«
»Ganz recht, Sir. Sechzehn Jahre hinter der Glocke und mächtig stolz darauf, Sir.«
»Und was ist passiert?«
»Ich wurde geheilt, Sir.«
»Geheilt?«
»Ja. Ich war ein verdammtes Wunder, Sir. Gott segne Sie.«
»Wer hat dich geheilt?«
»Jesus war’s, Sir. Ich komm da meines Weges gehüpft, grüble über dies und das, ja und auf einmal kommt er angesaust und heilt mich. Eben noch ein Leprakranker mit einem Gewerbe, im nächsten Moment war ich arbeitslos. Er hat mich nicht mal gefragt, ob er darf. Er sagte nur: ›Du bist geheilt, Kumpel.‹«
Haben Sie es erkannt? Das war eine Szene aus dem Film »Das Leben des Brian«. Manche von Ihnen werden den Film kennen. Man kann ja durchaus geteilter Meinung darüber sein, aber ich mag den Film, auch wenn mir manchmal das Lachen im Halse stecken bleibt. Satire eben. Monty Python hat ihn im Jahr 1979 gedreht. Der Film spielt zur Zeit Jesu. Brian wird immer wieder mit Jesus verwechselt, was ihm eine Menge Ärger einbringt, weil er nicht der Erlöser ist und es auch nicht sein möchte. In einer Szene taucht auch dieser von Jesus geheilte Leprakranke auf– oder besser Ex-Leprakranke, der seinen Broterwerb– das Betteln um Almosen– verloren hat. Nach sechzehn Jahren »hinter der Glocke«, in denen er von Almosen gelebt hat, ist ihm nichts Besseres eingefallen, als genau da weiterzumachen, wo er vor der Heilung aufgehört hat: Beim Almosensammeln. »Hinter der Glocke« meint, dass er als Leprakranker durch Rufen und Läuten der Glocke auf sich aufmerksam gemacht hat, damit Gesunde nicht zu nah kommen und sich nicht anstecken.
Wie gesagt, man kann geteilter Meinung sein, ich gucke den Film ab und an gerne und im Zusammenhang mit unserem Predigttext heute, den wir vorhin als Epistellesung gehört haben, hat er mich zum Nachdenken gebracht.
Natürlich ist keine Krankheit komisch, Lepra schon gar nicht. Aber komisch ist die Antwort auf die nüchterne und doch einsichtige Frage nach einer Heilungserfahrung: Was ist der Kranke, wenn er nicht mehr krank ist? Wohin geht der Gelähmte, wenn er nicht mehr gelähmt ist? Denn darüber erfahren wir in der Regel in den biblischen Büchern nichts. Was wird aus den Ex-Tauben, Ex-Blinden und Ex-Besessenen? Die meisten sind dankbar und froh. Doch was wird aus ihnen?
Wer von einem Schnupfen genesen ist, ist dankbar und froh – und macht sich anschließend wieder an seine Arbeit im Büro, in der Werkstatt oder in Haus und Garten. Wer aber sein Leben lang schon gelähmt ist, wie der Mann, von dem wir vorhin in der Lesung gehört haben, kann sich nicht wieder an seine Arbeit machen. Es gibt sie unter Umständen gar nicht – die Arbeit. Petrus hat den Mann von einer Krankheit, von einer Behinderung geheilt, die sein ganzes Leben bestimmt hat. Wegen der Behinderung ist er auf Almosen angewiesen gewesen. Wegen der Behinderung mussten andere Menschen ihn zum Betteln tragen. Er ist immer abhängig von anderen gewesen. Immer sitzt er auf dem Boden und muss zu den Gehenden hinaufblicken. In keinem Moment seines Lebens ist es so gewesen, dass seine Behinderung keine Rolle gespielt hätte. Er hat gelernt, so zu leben. Nie ist es anders gewesen. Ob er darunter gelitten hat? War er neidisch auf die gehenden Menschen? Hat er mit seinem Schicksal gehadert? Oder fragen nur wir uns das und der Behinderte gar nicht, denn er kennt es nicht anders? Wir wissen es nicht. Klar ist aber eins: sein Leben als Gelähmter ist zugleich seine große Lebensaufgabe gewesen. Dem Leben das Lebendige abzugewinnen, ist eine Gabe. Der Mann an der Schönen Tür des Jerusalemer Tempel hat sie.
Mit der Heilung aber ist diese Lebensaufgabe weg.
Das will schon was heißen, sich abfinden mit dem was ist, seine Energie nicht darauf verwenden, dagegen an zu rebellieren, sondern sehen, was geht. Wir alle kennen ja solche Situationen auch, auch wenn wir nicht gelähmt vor der Kirchentür sitzen und betteln. Es gibt Situationen, die muss man einfach aushalten. Selbst ein Schnupfen, der einem einen Strich durch die Rechnung macht, einem eine Party vermiest oder einen ins Bett zwingt, wo doch gerade so viel Arbeit ist. Sie kennen den Spruch: Mit Behandlung dauert ein Schnupfen 7 Tage, ohne behandlung eine Woche. Man muss es aushalten. Noch viel mehr eine ernste Krankheit oder auch Trauer – manches muss man einfach aushalten. Die Zeit scheint still zu stehen, man fühlt sich wie gelähmt. Mir ging es in den vergangenen heißen Wochen so. Nichts ging mehr und man musste es einfach aushalten und hoffen, dass es vorbei geht.
Es scheint so naheliegend, den Gelähmten zu bedauern. Viele Menschen aber, die mit einer Beeinträchtigung, einer Behinderung leben, sagen, dass sie Mitleid nicht brauchen. Sie leiden oft nicht so sehr unter der Beeinträchtigung wie viel mehr unter den mitleidigen Blicken. Petrus und Johannes bedauern hier nicht. Sie sehen den gelähmten an. Petrus reicht ihm kein Geld, sondern die Hand. Das ist der Moment, wo Leben sich verwandeln. Das klingt so selbstverständlich, aber das ist es nicht. Es gibt Menschen, an denen ich am liebsten vorbeisehe. Bettler, Obdachlose, Betrunkene. Ich will ihnen beileibe nichts böses, aber ich möchte auch keinen Kontakt. Und genau hier habe ich mal eine Lektion lernen müssen.
Wer mich kennt, weiß, dass ich ganz gerne gelegentlich mal eine Zigarette rauche. Ich war also im Urlaub in Wuppertal und hatte mir Zigaretten gekauft. Im Hotel ist das rauchen verboten, also setzte ich mich an der Fußgängerzone auf eine Treppe und rauchte. Da kam ein Obdachloser und sprach mich an: Hast du mal einen Euro? Nein, hatte ich nicht, ich hatte nur die eine Zigarette und mein Feuerzeug. Er fragte, ob er sich neben mich setzen dürfte. Ich nickte und rückte ein Stück beiseite. Und wir kamen ins Gespräch, in ein echtes Gespräch, es interessierte ihn, wer ich bin und was ich mache und er erzählte mir, warum er auf der Straße lebt. Zum Schluss schenkte er mir sein Feuerzeug. Und ich war erschüttert und tief bewegt: Er schenkte mir sozusagen, was er hatte. Ich habe dieses Feuerzeug aufgehoben und jedes Mal, wenn es mir in die Finger fällt, denke ich an diese Begegnung. Dieser Obdachlose brauchte nicht mein Mitleid, sondern er verdiente meine Hochachtung. Wenn ich mein Feuerzeug verschenke, weiß ich, dass zuhause noch drei Stück rumliegen. Erhat mir das einzige geschenkt, was er besaß. Eine Begegnung auf Augenhöhe, aber nicht, weil ich mich zu ihm heruntergebeugt hätte, sondern weil er sich im wahrsten Sinne des Wortes, aber auch im übertragenen Sinne, auf meine Stufe gesetzt hat.
In unserem Predigttext passiert das gleiche: Petrus reicht dem Gelähmten die Hand und zieht ihn auf seine Stufe, auf seine Höhe. Seine Füße und Knöchel wurden fest, heißt es in der Apostelgeschichte. Ja, der Grund, auf den er zu stehen kommt, wird fest, wird stabil.
Der eben noch Gelähmte kann nun gehen.
Was macht er mit seinem neuen Leben?
Der Ex – Leprakranke, und deswegen hatte ich diese Szene aus dem Film Leben des Brian überhaupt erzählt, der Ex – Leprakranke ändert nichts in seinem Leben. Er ist geheilt und schlagartig hat er das Problem, dass das Betteln nicht mehr funktioniert. Er wird sich also einen anderen Broterwerb suchen müssen – oder er wird mit seinem Schicksal hardern, sich selbst bemitleiden und muss hungrig bleiben.
Der Gelähmte in der Apostelgeschichte wird von Petrus hochgezogen, merkt, dass er stehen kann und probiert sogleich aus, was seine neue Gesundheit hergibt: Er geht, er läuft, er springt - und er lobt Gott. Er schaut den Menschen ins Gesicht, die vorher immer auf ihn heruntergesehen haben. Alles Dinge, die er vorher nicht gekonnt hat.
Es beginnt eine Verwandlung.
Die Bibel verrät uns nicht.womit er zukünftig seinen Lebensunterhalt verdient hat. Aber das ist auch nicht so wichtig, das müssen wir auch nicht wissen. Wichtig ist: Petrus hat den Menschen vom Boden herauf auf seine Augenhöhe gezogen. Er hat damit beendet, dass andere auf ihn heruntersehen müssen oder können.
Zunächst mal macht der Ex – Gelähmte das, was das naheliegenste, aber nicht selbstverständlichste ist: es lobt Gott
Er ist dankbar. Das war er bestimmt auch schon früher. Er wird für jeden Schekel, den die Menschen ihm heruntergereicht haben, gedankt haben. Warum sollte er damit aufhören, wenn ihm statt Gold und Silber ein offener Blick, eine Hand und somit seine Würde heruntergereicht wird? Er dankt nicht Petrus. Der Gelähmte, der nicht mehr gelähmt ist, weiß: Der Blick, die Hand, die Würde– das kommt von Gott.
Vielleicht haben Sie so was auch erlebt, dass Sie in einer Situation, die so festgefahren, so unabänderlich, so ausweglos war, eine Veränderung, eine Verwandlung erlebt haben.
Die Frage ist, was machen wir mit dieser Veränderung. Aus beiden Geschichten haben wir erfahren: So weiter machen wie bisher, können wir nicht. Es wird nicht funktionieren.
Auf jeden Fall kann man schon mal, bevor man sich daran macht, sein Leben neu auszurichten, anfangen Gott zu danken und ihn zu loben.
Was mich angeht und den Obdachlosen in Wuppertal – ich habe ihn nie wieder getroffen, obwohl ich immer, wenn ich dort war, nach ihm geschaut habe. Ich bin sicher, dass ich ihn erkennen würde. Aber das Feuerzeug habe ich noch und daran denken tue ich noch oft und diese begenung hat meine Sicht verändert: Ich weiß jetzt, dass es Lebenswege gibt, die nicht geradeaus laufen, dass es gute Gründe gibt, auf der Straße zu leben und dass ich mir mein Mitleid sparen kann, denn das hilft nicht weiter, weder ihm noch mir.
Stattdessen sollte ich Mitgefühl entwickeln und versuchen, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.
Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Datum
20.08.2018
Von
Pastorin Uta Möhr
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