SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt vom 25.09.2016

26.09.2016 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
der Predigttext steht im Jakobusbrief im 2. Kapitel, ich lese aus der BasisBibel.

Meine Brüder und Schwestern!
Ihr glaubt doch an unseren Herrn Jesus Christus, der in Herrlichkeit regiert.
Dann beurteilt andere nicht nach dem Ansehen der Person.
Stellt euch vor, es kommen gleichzeitig zwei Männer
in eure Versammlung: Einer ist vornehm gekleidet,
und an seinem Finger steckt ein goldener Ring.
Der andere ist arm und trägt schmutzige Kleidung.
Ihr kümmert euch zuvorkommend um den vornehm Gekleideten und sagt zu ihm:
»Setz dich doch hierher auf den guten Platz!«
Zu dem Armen aber sagt ihr: »Bleib stehen!«,
oder: »Du kannst dort auf dem Boden sitzen!«
Legt ihr da nicht unterschiedliche Maßstäbe an und werdet dadurch zu Richtern, die Fehlurteile fällen?
Hört mir gut zu, meine lieben Brüder und Schwestern!
Hat Gott nicht gerade diejenigen erwählt, die in der Welt als arm gelten?
Sie sollen durch den Glauben reich werden.
Und sie sollen das Reich erben, das er denen versprochen hat, die ihn lieben. Aber ihr verachtet die Armen.
Dabei sind es doch die Reichen, die euch unterdrücken
und euch vor die Gerichte zerren.
Sie sind es auch, die den guten Namen Jesu Christi in den Schmutz ziehen – den Namen, der bei der Taufe über euch ausgerufen wurde.
In der Heiligen Schrift steht: »Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!« Wenn ihr dieses wahrhaft königliche Gebot befolgt, handelt ihr richtig. Wenn ihr dagegen andere nach dem Ansehen der Person beurteilt, macht ihr euch schuldig.
Und das Gesetz deckt eure Übertretung auf.

Liebe Gemeinde,
wir leben in einer Leistungsgesellschaft, das ist so, da beißt die Maus keinen Faden ab.
Schon im Kleinkindalter werden die Kinder verglichen, es gibt klare Richtlinien, in welchem Alter ein Kind was können muss. Sprechen, verstehen, krabbeln, laufen, Sauber werden – alles ist genau definiert. Macht ja auch Sinn. So kann man schnell erkennen, ob ein Kind vielleicht Hilfe braucht und was man im Auge behalten sollte.
Spätestens im Kindergartenalter ist es dann jedoch so, dass viele Eltern – sicherlich weil sie auch nur das Beste für ihr Kind wollen – alle möglichen Aktivitäten ins Auge fassen. Englisch lernen, Sport oder Ballett machen, musikalische Früherziehung, Computerkurs. Und manche Kinder absolvieren mehrere dieser Angebote in der Woche und kommen schnell an ihre zeitlichen Grenzen und die Eltern sowieso. Es bleibt keine Zeit für Muße, kaum Zeit zum Spielen.
In der Schule geht es dann weiter. Leistungssport, ein Musikinstrument lernen, regelmäßig Nachhilfe.
Neulich hörte ich gerade mal wieder von einer Frau um die 30, die sagte: Bei uns zu Hause zählte eine "zwei" nicht.
Viele Eltern denken, wenn ihr Kind kein Abitur macht, dann wird es keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Mancher 9. Klässler hat einen härteren Tagesablauf als ein Manager.
Es wird immer mehr auf Leistung getrimmt – und wann und wo findet das statt, was man Leben nennt?
Nur wer etwas leistet, wer viel leistet, verdient auch Anerkennung. Und bekommt auch Anerkennung. So ist die Meinung und so läuft es, hier in Deutschland wohl noch mehr als anderswo.
So wie es in unserem Predigttext beschrieben – so extrem sind wir hier in der Kirche nicht. Wir ziehen niemanden den Stuhl unter dem Hintern weg und bieten ihn jemanden an, der eine bessere Jacke trägt.
Gesellschaftlich aber vielleicht doch. Es wird in der Schule schon geguckt, aus welchem Elternhaus ein Kind kommt. Und längst gibt es Untersuchungen, die belegen, dass Kinder mit bestimmten Vornamen schlechter benotet werden als andere.
Tut das nicht! Sagt Jakobus in seinem Brief, ihr seid doch Christen und seid alle vereint im Glauben an Jesus Christus. Sein Name wurde in der Taufe auf euch gelegt.
Der Jakobusbrief, da mache ich hier mal einen Einschub, dieser Brief ist nicht an eine bestimmte Gemeinde gerichtet, so wie die Briefe des Paulus zum Beispiel. Beim Jakobusbrief ist nicht der Adressat bekannt, sondern nur der Absender, Jakobus, wahrscheinlich der Bruder Jesu, der in Jerusalem eine große Rolle spielte.
Und so ist dies kein Brief im eigentlichen Sinne, sondern eher ein Lehr – Schreiben an das neue Gottesvolk. Ihnen will er einige wichtige Regeln mit auf den Weg geben und er will sie aufrütteln, denn ihr Glaube droht zu erlahmen.
Er sagt. Es reicht nicht, die Botschaft nur zu hören, es muss auch ein Handeln daraus erfolgen.
Jakobus stellt sich auf die Seite der Armen und verlangt, sie so zu behandeln, wie Jesus selbst es für seine unbedeutenden Brüder und Schwestern getan hat. Die Reichen aber warnt er vor dem Missbrauch des Reichtums.
Jakobus räumt mit einem Missverständnis auf, das aus der lehre von Paulus entstanden ist. Paulus hatte betont, dass Gott den Menschen aus Gnade annimmt und nicht etwa, weil der Mensch richtig handelt. Daraus hatte man damals geschlussfolgert, dass es gleichgültig ist, was jemand tut, denn man sei ja bereits gerettet.
Jakobus unterstreicht noch einmal, wie schon Paulus, dass dieses Verständnis falsch ist.
Aus der frohen Botschaft muss sich das richtige Tun ergeben.
Liebe Gemeinde,
ich möchte noch einmal zurückkehren zu dem, was ich heute vor der Taufe gesagt habe:
Für mich ist die Taufe unsere Antwort auf Gottes offene Hand.
Gott sagt nicht: wenn du das und das tust, wenn du das und das erreicht hast, dann reiche ich dir meine Hand.
Sondern Gott hält uns seine offene Hand hin. Ohne wenn und aber, ohne Ansehen der Person, ohne die Erwartung einer bestimmten Leistung.
Er tut es, weil er uns Menschen liebt und weil er weiß, wie nötig wir eine Hand brauchen, die uns durchs Leben leitet.
Wenn wir die Hand ergreifen, so lautet der Umkehrschluss, sollten wir auch nicht mehr auf das Ansehen und die Leistung anderer schauen. Das sagt Jakobus ja auch so.
Nicht auf die Leistung und das Ansehen anderer, aber auch nicht auf das eigene Ansehen.
Nicht auf die eigene Leistung, das eigene Ansehen?
Nicht mehr: Mein Haus, mein Auto, mein Boot?
Nicht mehr die 1 in Mathe? Die Gehaltserhöhung? Was zählt denn dann noch?
Wenn ich jetzt hier Konfirmanden sitzen habe, dann sehe ich förmlich, wie sie sich zurücklehnen und sagen: ich mach nix mehr, Mathe ist eh nicht mein Ding.
Das soll es natürlich nicht heißen. Wir sollen unser bestes geben, damit wir alle gut miteinander leben können und damit unsere Gesellschaft und unsere Kirchengemeinde auch funktioniert.
Wir sollen nur Leistung nicht mehr mit Liebe verknüpfen. Gott tut es nicht und wir sollen es auch nicht tun.
Und ja, es macht Angst, dass das Leistung nicht mehr zählen soll. Es macht Angst, aber es befreit auch.
Es macht Freiraum.
Es zählt bei Gott anderes, es zählt mein Mensch – sein. Ich muss das alles nicht, ich kann heraustreten und bin doch von Gott geliebt. Einfach so. Selbst wenn ich seine Hand losgelassen habe und mich auf Abwegen befinde. Er hält mir seine Hand hin. Ich darf umkehren.
Ich weiß, dass sich das gut anhört und dass man sich das in der Kirche auch gerne sagen lässt, aber im Alltag wirklich heraustreten aus allem Leistungsdenken – das fällt schwer und ist fast unmöglich.
Das merke ich oft bei Beerdigungsgesprächen, da wird viel von Erfolgen aufgezählt, aber wenig von dem, was der Verstorbene seinen Angehörigen bedeutet hat, was sie an ihm liebten – oder auch von dem, woran sie manchmal verzweifelt sind, es wird die Leistung ausgebreitet, aber nicht das Leben.
Ich glaube, das müssen wir lebenslang üben, mit dieser Freiheit umzugehen.
Gott hat schon mal den Anfang gemacht, indem er uns seine Hand hinhält. Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Datum
26.09.2016
Von
Uta Möhr
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