SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt vom 28. August 2016

28.08.2016 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Wer getauft ist, ist nicht mehr Sklave, sondern Kind Gottes.
Brüder und Schwestern, wir sind unserem irdischen Leib gegenüber nicht mehr verpflichtet, so zu leben, wie es unsere irdische Gesinnung verlangt.
Wenn ihr nämlich so lebt, wie es eurer irdischen Gesinnung entspricht, müsst ihr sterben.
Wenn ihr aber mit Hilfe des Heiligen Geistes eure irdischen Gewohnheiten tötet, werdet ihr leben.
Alle, die sich vom Geist Gottes führen lassen, sind Kinder Gottes.
Ihr habt ja nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht. Dann müsstet ihr doch wieder Angst haben. Ihr habt vielmehr einen Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht. Weil wir diesen Geist haben, können wir rufen: Abba! Vater! Und derselbe Geist bestätigt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.
Wenn wir Kinder sind, dann sind wir aber auch Erben: Erben Gottes und Miterben von Christus. Vorraussetzung ist, dass wir sein Leiden teilen. Denn dadurch bekommen wir auch Anteil an seiner Herrlichkeit.
Liebe Gemeinde,
was treibt uns? Denn Getriebene sind, wir, so ist mein Eindruck in unserer Gesellschaft.
Getrieben vom Geist des Dazugehörens. Was alle haben, muss ich auch haben. Wenn die Nachbarskinder Abitur machen, dann muss mein Kind das auch – um jeden Preis. Es muss dazu gehören, es hat ohne Abitur keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt – so denken viele Eltern. Gerade bei unseren Kindern und Jugendlichen habe ich ganz stark dass Gefühl, dass sie Getriebene sind. Getriebene des Konsums, Getriebene der Werbung und auch Getriebene ihrer Eltern und Großeltern.
Wir sind aber auch Getriebene der Individualisierung. Nicht nur das Dazugehören ist wichtig, sondern auch das Abgrenzen. Ich bin etwas Besonderes. Du bist einzigartig – das sage auch ich in jeder Taufe zu jedem Kind, das stimmt auch, aber es heißt nicht: du bist der tollste Mensch auf Erden, herausragend über alle anderen. Viele Menschen in unserer Gesellschaft sind leider – Getriebene des Geld – verdienens. Immer mehr arbeiten, immer erreichbar sein, selbstverständlich Überstunden machen, nur nicht anhalten und untergehen in der Masse. Und leider auch viele Menschen, die wirkliche Not haben und deren Vollzeitjob nicht zum Leben reicht. In den 60er Jahren war es schick, braungebrannt zu sein, denn das hieß: Ich kann mir einen Urlaub im Süden leisten. Später dann wurde es schick, blass zu sein, denn das heiß: ich bin so unabkömmlich, dass ich nicht in Urlaub fahren kann. Noch später wurde es dann zum Makel: Du bist so blass, du kannst dir wohl keinen Urlaub leisten... da kam dann die Stunde der Sonnenbänke. Heute diskutieren wir eher über den richtigen Lichtschutzfaktor... Ich erlebe aber auch junge Menschen, die dieses Getriebensein durch Geld und Karriere durchbrechen und sagen: Viel Geld zu verdienen, ist mir nicht wichtig, ich will mein Auskommen haben und auch noch leben und mein Leben gestalten.
Das macht mir Hoffnung. Es ließe sich noch viel aufzählen, wo Menschen Getriebene sind, Ernährungsgetriebene, Sportgetriebene und Gesundheitsgetriebene. Alles in Maßen ist gut, aber wenn es zum Motor des Lebens wird, dann läuft etwas schief. Paulus schreibt:
Wenn ihr mit Hilfe des heiligen Geistes eure irdischen Gewohnheiten tötet, werdet ihr leben.
Und: welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.
Und weiter heißt es: Ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, sondern einen Geist, der euch zu Kindern Gottes macht und damit auch zu Erben.
Und vielleicht ist das noch schwieriger als sich vom Getriebensein abzugrenzen, dieser Geist der Freiheit, wie es an anderer Stelle heißt. In der Bibel ist ja relativ oft von Sklaven die Rede. Sklaven ging es in der damaligen Gesellschaft nicht unbedingt schlecht. Sie waren der Besitz ihres Herrn, und jeder gute Herr sorgte dafür, dass es seinem Besitz gut ging, dass er ausreichend ernährt wurde und gesund war. Aber die Sklaven waren nicht frei und mussten die Befehle ihres Herrn ausführen – ohne Diskussion. So viel anders war es in den Diktaturen, die das deutsche Volk erlebt hat, auch nicht. 1989 sind wir auf die Straße gegangen, um frei zu werden, frei von Bevormundung, frei von Zwängen, Dinge tun zu müssen, die man nicht tun will und die man mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, Wehrdienst zum Beispiel. Und dann war die Grenze auf und wir waren frei, zu gehen, wohin wir wollten, beruflich zu tun, was wir wollten, wir waren frei, unsere Meinung laut zu äußern, ohne dafür in den Knast zu wandern. Ich erinnere mich genau an diese Zeit im Herbst 89, als alle wie im Freudentaumel waren, wildfremde Menschen auf einmal in der S-Bahn miteinander redeten.. Und ich erinnere mich auch noch sehr genau, als wir nur ein Viertel Jahr später nun diese Freiheit auch gestalten sollten, nämlich bei der ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990, dass diese Wahl fast ausgefallen wäre, weil es nicht genügend Wahlhelfer gab. Wir haben keinen Geist empfangen, der uns zu Sklaven macht, sondern zu Kindern Gottes, zu Erben. Mit Kindern sind hier keine Dreijährigen gemeint, denen man sagen muss, wo es langgeht, sondern erwachsene Kinder, vielleicht sollte man besser: Nachkommen sagen. Und Erben. Das heißt, wir sollen gestalten und bewahren, und möglicherweise mehren. Das ist unsere Aufgabe. Und das ist vielleicht das Schwerste an der Freiheit, die wir so ersehnt haben: wir müssen dauernd entscheiden: dafür und dagegen. Angefangen bei der Brotsorte, beim Stromanbieter, beim neuen Kühlschrank und in diesem Jahr bei den Wahlen zum Landtag noch nicht aufgehört. Das ist schwer und macht Mühe, und manchmal wünschen wir uns sehr, dass jemand uns sagt, wo es langgeht und was wir jetzt machen sollen. Ich weiß, dass auch an mich als Pastorin dieser Wunsch manchmal herangetragen wird: Sag mir, was ich glauben soll. Was ich tun darf, was mir verboten ist. Was richtig und falsch ist. Wenn ich dann sage: lass uns drüber reden, dann wird schnell abgewunken. Das klingt nach Mühe und Arbeit. Aber das gehört dazu zur Freiheit. Ich möchte an dieser Stelle den Blick noch einmal auf das Evangelium des heutigen Sonntags lenken: Jesus begegnet 10 aussätzigen Männern, die, so wie es damals vorgeschrieben waren, von ferne riefen: Herr, erbarme dich unser. Und Jesus schickte sie zu den Priestern, denn die entschieden, ob jemand geheilt war. Und als sie dorthin unterwegs waren, wurden sie gesund. Einer aber, der sah, dass er gesund war, kehrte um, warf sich vor Jesus auf den Boden und dankte ihm.
„Lobe den Herr, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.”
Alle 10 Männer erleben das gleiche: sie werden geheilt und sind nun nicht mehr Ausgestoßene der Gesellschaft, sondern dürfen wieder arbeiten, dürfen zu ihren Familien zurückkehren, ihr Leben vor der Krankheit wieder aufnehmen. Neun Männern reicht das. Sie kehren zurück in die Normalität des Alltags. Dem 10. reicht das nicht. Ihm reicht dieser Alltag nicht. Es reicht ihm nicht, gesund geworden zu sein. Er weiß, dass zum Heilwerden, zum Heil sein, mehr gehört als Gesundheit. Es gehört auch die Dankbarkeit dazu, und das Wissen, wem er das zu verdanken hat. Mir stößt es immer auf, wenn zum Geburtstag gewünscht wird: Hauptsache Gesundheit.Ich bin ja jetzt in dem Alter, wo das zunehmend eintritt. Gesundheit ist gut und wichtig – ohne Frage, und meistens merkt man es erst dann, wenn es damit hapert, wie selbstverständlich man die guten Tage hinnimmt.
Aber meine Meinung ist, Gesundheit ist nicht die Hauptsache, Gesundheit ohne Zufriedenheit und ohne Dankbarkeit ist nicht viel wert. Jesus sagt zu dem Fremden: geh hin, Dein Glaube hat dir geholfen! So, ich fasse jetzt mal zusammen: Wir sollen nicht zu Getriebenen werden, wir sollen unsere Freiheit gestalten und wir sollen dankbar sein und das Gute in unserem Leben nicht vergessen. Gar nicht so einfach, und schnell fühlen wir uns überfordert damit.
Aber Paulus sagt:
Wenn ihr mit Hilfe des Heiligen Geistes eure irdischen Gewohnheiten tötet, werdet ihr leben.
Alle, die sich vom Geist Gottes führen lassen, sind Kinder Gottes.
Ihr habt ja nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht. Ihr habt vielmehr einen Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht und zu Erben.
Das heißt, wir müssen uns nicht alleine zurechtwurschteln, sondern wir dürfen das Geschenk des Geistes Gottes annehmen und uns von ihm helfen lassen. Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Datum
28.08.2016
Von
Pastorin Uta Möhr
Social Media
bookmarken
Leserbrief
E-Mail verschicken
Artikel
Drucken
Institutionen
Rostock, Lütten Klein