SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt vom 3. Juli 2016

03.07.2016 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Der Predigttext steht im Galaterbrief im 3. Kapitel, ich lese aus der neuen Genfer Übersetzung:
26 Ihr alle seid also Söhne und Töchter Gottes, weil ihr an Jesus Christus glaubt und mit ihm verbunden seid.
27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, habt ein neues Gewand angezogen – Christus selbst.
28 Hier gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen, zwischen Sklaven und freien Menschen, zwischen Mann und Frau. Denn durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zusammen ein neuer Mensch geworden.
Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Mann und Frau – schrieb Paulus vor 2000 Jahren an die junge christliche Gemeinde in Galatien. Es gibt keinen Unterschied? Vielleicht auch keinen zwischen Jungen und Mädchen? Dann schauen Sie sich mal die Kinderzimmer an: Rosa, dort, wo ein Mädchen wohnt, und zwar Rosa überall, Barbies und Prinzessin Lillifee. Während im Jungszimmer Autos, Lego und Bob der Baumeister zuhause sind. Es gab immer mal Versuche von Eltern, das zu ändern, da bekamen Mädchen auch mal einen Werkzeugkasten geschenkt und Jungs eine Puppe. Allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Die Frage nach einer Schwangerschaft muss bei einem Personalgespräch nicht beantwortet werden, interessiert den Personalchef aber dennoch brennend. Noch immer werden Frauen schlechter bezahlt als Männer auf vielen gleichwertigen Arbeitsplätzen. Eine Frau wird gefragt, wie sie sich das vorstellt, mit Familie, Kindern und arbeiten. Ein Mann nie. Aber was mich wirklich erschüttert hat, war die Kontaktinformation einer Konfirmandin bei whatsapp, die in ihr Profil schrieb: Eine Frau lächelt, auch wenn sie innerlich zerbricht. Ich dachte immer, es wäre eine Frage der Zeit, wann Frauen und Männer wirklich gleichgestellt sind, aber dass wir davon meilenweit entfernt sind, merke ich auch daran, dass es immer noch und immer wieder Diskussionen um Frauenquoten gibt.
In Westdeutschland musste eine verheiratete Frau vor 40 Jahren noch ihren Mann um Erlaubnis fragen, wenn sie arbeiten gehen wollte. Und heute wünschen sich viele Bräute, dass sie von ihrem Vater an den Altar geführt werden und dort an ihren Bräutigam übergeben werden. Ich habe noch nie gehört, dass ein Bräutigam von seiner Mutter an den Altar geführt wurde.
Paulus schreibt:
„Da ist nicht männlich und weiblich“, und entwirft eine Vision von einer anderen Gesellschaft – vor 2000 Jahren. Männlich und weiblich sind keine Eigenschaften, die geeignet sind für ein „Ranking“: in ein besser oder schlechter geeignet, in ein höher oder niedriger gestellt. So gab es in den frühen Christengemeinden nicht nur Brüder, sondern auch Schwestern, nicht nur Diakone, sondern auch Diakoninnen. Es gab weibliche Führungspersönlichkeiten, wie Phöbe, denen sich auch Paulus unterstellt hat. Es gab gleichrangige Mitarbeiterinnen wie Prisca, Maria und Junia. Paulus selbst lässt sich für die damalige Gesellschaft auch nicht wirklich einordnen: Er benimmt sich nicht, wie sich ein Mann damals zu benehmen hatte: Statt körperliche Stärke zu zeigen, redet er von seiner Schwachheit und seiner Krankheit. Statt in öffentlicher Rede zu überzeugen, kommt er schwach und stotternd daher. Kein „echter Kerl“. Aber das ist für ihn kein Maßstab. Szenenwechsel:
Ein junger Mann steht zögernd vor dem Briefkasten im Hausflur. Ob die Umschläge darin heute wieder nur die großen sind, die mit seinen eigenen Bewerbungsunterlagen? „Vielen Dank, aber leider ..“ Er hat schon viele Bewerbungen geschrieben, sich nicht nur auf einen Ausbildungsberuf festgelegt. Aber es ist immer schwierig für Cem. Eigentlich ist er stolz auf seinen Namen, aber manchmal wäre es einfacher, Tim Meier oder Lukas Schmidt zu heißen. Aber als Cem Öztürk hat er kaum Chancen. Dabei war er Klassenbester. Wir schreiben das Jahr 2016. Laut einer aktuellen Studie müssen Jugendliche mit ausländischen Wurzeln deutlich mehr Bewerbungen schreiben, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. „Soziokulturelle Faktoren“ nennen Personalchefs den Filter, der Tim in die engere Auswahl lässt, Cem aber aussortiert. Es macht eben immer noch einen Unterschied, wie man heißt, 55 Jahre nachdem die ersten Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind; 2000 Jahre nachdem schon lange „soziokulturelle Faktoren“ als gesellschaftliche Bremsklötze gesehen wurden: „Da ist nicht Jude noch Grieche" schreibt Paulus in einer Gesellschaft, in der die Menschen sich untereinander einteilen nach Abstammung, Völkerstämmen und Ländergrenzen. Und das, obwohl es im großen römischen Reich einen regen Austausch über Handel, Handwerk und leider auch Versklavung gab. Globalisierung hat auch damals nicht automatisch zu mehr Offenheit geführt. Auch viele Gemeindeglieder damals stammten aus unterschiedlichen Völkern, waren sowohl jüdischer als auch nicht-jüdischer Abstammung, hatten unterschiedliche Muttersprachen. Die einen hatten lateinische Namen (Rufus), die anderen griechische (Olympas) und wieder andere klangen nach einer Herkunft aus dem Osten (Persis). Dieser bunten Gemeinde malt Paulus das Bild einer anderen Gesellschaft vor Augen: einer Gemeinschaft, in der es keine Rolle spielt, wie einer heißt, wo er oder seine Eltern geboren sind: Denn durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zusammen ein neuer Mensch geworden. Weder Familienname noch Muttersprache sollen einen Unterschied machen.
Noch ein Szenenwechsel:
Lisa, Max, Thomas und Christine stoßen mit ihren Rotweingläsern an. Sie haben sich über die Kinder kennen gelernt. Im Urlaub geht das schnell. Jetzt sitzen sie beieinander, genießen den Sonnenuntergang am Strand. „Wo kommt ihr her?“, ist schnell geklärt. Dann kommt die Frage nach dem „Wie“: Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Automarken werden diskutiert. Dann kommt die Frage nach dem „Was“: „Was macht Ihr eigentlich beruflich?“ Für manchen eine entscheidende Frage. Denn auch wenn alle weiße Kleidung tragen würden am Arbeitsplatz – es macht immer noch ein Unterschied, ob sie jetzt sagen: Apothekerin, Maler, Altenpfleger oder Ärztin.
Wir schreiben das Jahr 2016 und noch immer macht es einen Unterschied für die Bildungschancen von Kindern, ob ihre Eltern bei der Schulanmeldung angeben: Arbeiterin oder Akademikerin, selbständig oder arbeitslos; es macht noch immer einen Unterschied, wie viel Geld jemand verdient oder welchen Schulabschluss man vorweisen kann.
300 Jahre nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht;
400 Jahre nachdem Melanchthon sich für eine bessere Bildung breiter Bevölkerungsschichten einsetzte.
2000 Jahre nachdem der Apostel Paulus schreibt: „Da ist kein Unterschied zwischen Sklaven und freien Menschen“ Aus den Briefen des Apostel Paulus kann man entnehmen, dass die Gemeinden ungefähr so zusammengesetzt waren, wie die Gesellschaft: 90% waren arm, eine Mittelschicht gab es nicht. Es gab Frauen und Männer, die in völliger Abhängigkeit in der Versklavung lebten, andere waren Freigelassene, die aber weiterhin in Abhängigkeit waren, und es gab Freie und auch reichen Gemeindeglieder.
Es ist nicht anzunehmen, dass die gesellschaftlichen Unterschiede keine Rolle gespielt hätten. Paulus beschreibt nicht die offensichtliche, sondern die noch verborgene Realität, die Vision, die dabei ist, Wirklichkeit zu werden für die Kinder Gottes:
Ihr alle seid also Söhne und Töchter Gottes, weil ihr an Jesus Christus glaubt und mit ihm verbunden seid.
27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, habt ein neues Gewand angezogen – Christus selbst. Hier gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen, zwischen Sklaven und freien Menschen, zwischen Mann und Frau. Denn durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zusammen ein neuer Mensch geworden.
Was macht uns aus? Dass ich weiblich oder männlich bin? Dass ich heterosexuell oder homosexuell orientiert bin? Dass ich hier meine Wurzeln habe oder von wo anders her komme? Dass ich Arbeit habe oder Arbeit suche oder nicht mehr arbeite?
Was macht uns aus?
Das alles macht jedenfalls nichts aus, macht keinen Unterschied für die Kinder Gottes! Keiner wird hier in Schubladen gesteckt, eingeteilt, aussortiert.
Wir alle, die wir getauft sind, haben Christus angezogen – damit sind wir herausgenommen, herausgerissen aus dieser Dynamik, die Menschen einteilt und Stempel aufdrückt.
2000 Jahre ist das her, dass Menschen angefangen haben, sich in diesem Sinne als Gottes Kinder anzuschauen. Aber obwohl es zur Zeit von Paulus Frauen in geistlichen Leitungspositionen gab, hat es noch Jahrtausende gedauert, bis Frauen predigen durften: Seit etwa 40 Jahren gibt es die Frauenordination in Deutschland, und in Lettland wird die Zeit gerade wieder zurückgedreht.
Obwohl in den ersten christlichen Gemeinden Menschen nicht als Sklaven behandelt wurden, ist es trotzdem dazu gekommen, dass Christen selbst Sklavenhalter waren und andere ausgebeutet haben. Obwohl es für die Getauften nicht jüdisch noch griechisch gibt, haben Christen im Nationalsozialismus nicht verhindert, dass Menschen jüdischer Herkunft ermordet wurden. Die Realität, von der Paulus schreibt, ist nicht immer sichtbar. Mit der Taufe haben wir Christus angezogen wie ein Kleid, beschreibt Paulus den Anfang eines neuen Miteinanders. Man kann ein Kleid auch wieder ablegen, in den Schrank hängen oder nur an Feiertagen tragen. Wir können uns aber auch damit einhüllen, uns darin geborgen fühlen, und uns damit schön machen für uns und für andere. So gekleidet wollen und sollen wir ins Leben gehen. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, habt ein neues Gewand angezogen – Christus selbst.
Ziehen wir also Christus an, immer wieder und jeden Tag neu. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.




Datum
03.07.2016
Von
Uta Möhr
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Rostock, Lütten Klein