SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

Predigt Pastorin Uta Möhr

Predigt vom Sonntag "Okuli" am 4.3.2018

11.03.2018 | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
wenn ich jetzt zu Ihnen so ganz persönlich sagen würde: Sie sind heilig! Du bist heilig! Wie würde es Ihnen damit gehen?
Wahrscheinlich würden Sie erst mal irritiert oder erschrocken einen Schritt zurücktreten und sich verstohlen umsehen, ob da noch jemand hinter Ihnen steht.
Du bist heilig! Wer – ich? Ich doch nicht! Mir fallen da sofort tausend Sachen ein, warum ich gar nicht heilig sein KANN! Weil ich mich nämlich nur ärgere über die Ungerechtigekit in der Welt, aber nichts dagegen tue. Weil ich um die unsäglichen Lebensbedingungen der Tiere in den Mastanlagen weiß, und dennoch billiges Hähnchenbrustfilet aus der Tiefkühltruhe kaufe.
Weil ich unangenehmen, aber notwendigen Auseinandersetzungen lieber aus dem Weg gehe und hoffe, dass sie sich von selbst erledigen, anstatt sie endlich anzugehen und zu klären.
Und überhaupt – ich bin keine Mutter Theresa. Ich bin ungeduldig, ungerecht, lieblos, gleichgültig. Nicht alles auf einmal, aber alles immer mal. Ich sitze abends lieber auf meiner Couch, statt noch mal loszugehen und möglicherweise etwas zu bewegen.
Ich bin NICHT heilig! Es hat allerdings auch noch nie jemand so direkt zu mir gesagt.
Und doch geht es in unserem Predigttext genau um das:
Ich lese aus dem 1. Petrusbrief aus der neuen Genfer Übersetzung:
Richtet euch ganz auf Jesus Christus aus; lebt so, dass ihr für sein Kommen bereit seid! Bleibt wachsam und besonnen und setzt eure Hoffnung völlig auf die Gnade, die euch erwiesen wird, wenn er in seiner Herrlichkeit erscheint.
Richtet euch als gehorsame Kinder Gottes nicht mehr nach den eigensüchtigen Wünschen aus jener früheren Zeit, als ihr noch nichts ´von Christus` wusstet.
Der, der euch berufen hat, ist heilig; darum sollt auch ihr ein durch und durch geheiligtes Leben führen.
Es heißt ja in der Schrift: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.«
Und wenn ihr Gott im Gebet als Vater anruft, dann ´vergesst nicht, dass` er auch der unbestechliche Richter ist, der jeden nach dem beurteilt, was er tut. Führt daher, solange ihr noch hier in der Fremde seid, ein Leben in der Ehrfurcht ´vor ihm`. Ihr wisst doch, dass ihr freigekauft worden seid von dem sinn- und ziellosen Leben, das schon eure Vorfahren geführt hatten, und ihr wisst, was der Preis für diesen Loskauf war: nicht etwas Vergängliches wie Silber oder Gold, sondern das kostbare Blut eines Opferlammes, an dem nicht der geringste Fehler oder Makel war– das Blut von Christus.
Durch ihn habt ihr zum Glauben an Gott gefunden, der ihn von den Toten auferweckt und ihm Macht und Herrlichkeit verliehen hat, und deshalb ruhen jetzt euer Vertrauen und eure Hoffnung auf Gott.
Dieser Brief war eine Art Rundbrief, der, gerschrieben etwa im Jahr 100 an die christlichen Gemeinden ging, die im Gebiet der heutigen Türkei lagen.
Der, der euch berufen hat, ist heilig; darum sollt auch ihr ein durch und durch geheiligtes Leben führen.
So haben wir eben gehört. Und begründet wird das mit den Worten des Alten Testaments:
Es heißt ja in der Schrift: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.«
Das war eine jüdische Grundüberzeugung: die Heiligkeit des Gottes Israels strahlt aus auf sein auserwähltes Volk. Diejenigen, die den ersten Petrusbrief geschrieben haben, waren überzeugt: zu diesem Volk gehören nicht ausschließlich die Juden, sondern es gehören alle dazu, die durch Jesus Christus an Gott glauben und ihre Hoffnung auf ihn setzen. Auch auf sie strahlt Gottes Heiligkeit aus. Darum sollen auch sie heilig sein und ein durch und durch geheiligtes Leben führen.
In den Gemeinden damals wurde das bestimmt auch kontrovers diskutiert. Heilig sein -das traut den Menschen viel zu und es mutet ihnen auch viel zu!
Damals wie heute bedeutet es, vieles zurückzuweisen, was in der Gesellschaft gang und gäbe war und ist. Vieles galt nur deshalb als gut, weil es die Sitte der Vorfahren war.
Zum Beispiel hatte damals ein Familienvater die Machtstellung über Ehefrau, Kinder und Sklaven. Er entschied, ob neugeborene Kinder aufgezogen oder verkauft, ausgesetzt oder etwa getötet wurden. Für viele Christen war jedoch jedes Kind ein Geschöpf Gottes. Kinder auszusetzen oder gar zu töten, das kam für sie nicht in Frage.
Im Gegenteil, viele der ausgesetzten Kinder, oft Mädchen, manchmal auch Kinder mit Behinderungen, wurden in christlichen Familien aufgenommen und aufgezogen. Von der nichtchristlichen Umwelt wurde dieses Verhalten, diese klare Haltung und Zuwendung zu hilfsbedürftigen Menschen irritiert aber auch beeindruckt wahrgenommen.
Die Konsequenz, die sich aus dieser klaren Haltung ergab, war, dass Christen angefeindet wurden, weil sie die römischen und griechischen Götter nicht mehr akzeptierten. Sie wurden deshalb von öffentlichen Feiern ausgeschlossen und im täglichen Leben gemieden.
Du bist heilig! Das heißt auch heute noch: du bist ein von Gott wertgeschätzter, ein geheiligter Mensch. Verbunden mit der Aufforderung: Lass das wirksam werden!
Wenn ich das einmal geschluckt habe, dass ich heilig bin – dann lautet der ganz natürliche weiterführende Schluss dieses Satzes: Auch mein Gegenüber ist heilig!
Von Gott geschenktes Leben ist heilig! Egal, ob mein Gegenüber ein Obdachloser, ein Strafgefangener, ein Kind mit Down – syndrom, ein alter oder pflegebedürftiger Mensch ist, egal, ob mein Gegenüber ein Hähnchen, ein Schwein oder ein süßes Kätzchen ist.
Von Gott geschenktes Leben ist heilig.
Ich möchte noch einmal an das Motto der diesjährigen Fastenaktion der evangelischen Kirche in Deutschland erinnern: Zeig dich! 7 Wochen ohne kneifen.
Genau das ist es. Nicht mehr die Augen zu machen, weil das Elend unerträglich ist. Sondern es aushalten, hinzuschauen. Sich berühren, sich anrühren lassen.
Die da leiden sind Gottes Geschöpfe, heilig.
Vielleicht werden Sie mir jetzt vorhalten: Aber da kann man doch nichts tun, nichts gegen den Krieg in Syrien und gegen das Elend dort, nichts gegen den Hunger in Afrika – der übrigens vor genau einem Jahr ein großes Thema am Sonntag Okuli war. Viele Menschen haben damals die Hilfsorganisationen unterstützt mit Spenden. Heute ist das kein Thema mehr. Aber nicht etwa, weil die Hungerkatastrophe vorbei wäre - nein, wir haben uns nur dran gewöhnt.
Wenn wir das Gefühl haben, wir können ja doch nichts tun, dann muss die Frage erlaubt sein: Was haben wir denn schon getan? Und hat es was gebracht? Sicher haben wir nicht die Welt gerettet, nicht die Kriege beendet und nicht den Hunger besiegt. Aber das hat ja auch niemand von uns verlangt.
An einen Satz denke ich, der bekannt ist, der aber leider nicht in der Bibel steht: Viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.
Darum geht es: Du bist heilig und dein Gegenüber ist auch heilig! Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Datum
11.03.2018
Von
Pastorin Uta Möhr
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