SCHLIESSEN

Glaube

Apostolisches Glaubensbekenntnis
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in seinem Kern ein sehr altes Bekenntnis, das römische Christen bei ihrer Taufe sprachen. Seit dem Jahr 390 wird es als "Apostolisches" Bekenntnis bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde es um 800 offizielles Bekenntnis des Frankenreiches und so im gesamten Abendland verbreitet. Es ist in der römisch-katholischen Kirche ebenso wie in allen protestantischen Kirchen anerkannt, lediglich in der Ostkirche wurde es nie benutzt.

"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Amen

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Predigt Pastorin Uta Möhr

Wort zum Sonntag "Rogate" am 17. Mai 2020 von Pastorin Anke Kieseler

17.05.2020 | Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseiten,
am heutigen Sonntag „Rogate“ (übersetzt: Betet) geht es um das Vaterunser. Um dieses Gebet, das wir alle kennen. Das ich seit Kindertagen schon so oft gesprochen habe in meinem Leben. Früher hieß es an einer Stelle: erlöse uns von dem Übel. Erinnern Sie sich daran?
Manchmal höre ich das heute noch, wenn alte Menschen dieses Gebet sprechen und nicht daran denken, dass es schon seit vielen Jahren „erlöse uns von dem Bösen“ heißt.
Mir fällt ein Gottesdienst ein, in dem zwei damals noch kleine Mädchen, Linnea und Rebecca, dieses Gebet laut und deutlich mitsprachen, immer ein wenig langsamer als wir Erwachsenen. Aber so ganz deutlich und mit wichtiger Miene.
Das hat mich damals sehr berührt und ich habe es nie vergessen.
Dann gab es eine Andacht mit Konfirmanden. Wir standen hier vorn im Halbkreis und sprachen das Vaterunser. Und nur ein Moment kurzer Unkonzentriertheit reichte bei mir, um ins Stocken zu geraten.
Das fanden die Konfis natürlich hervorragend, dass mir dieser kleine Fehler unterlaufen war …
Ich habe Sterbende begleitet, die in den letzten Stunden diese Worte leise mitsprachen, auch wenn Miteinander-Reden kaum mehr möglich war.
Es gab Beerdigungen, wo ich nach der Beisetzung des Verstorbenen, dem Erdwurf und den letzten Worten zum gemeinsamen Beten des Vaterunser aufforderte. Und ich dann ganz allein sprach.
Bestenfalls unterstützt vom anwesenden Bestatter.
Ich denke an die letzten Wochen, an denen wir viele Abende um 19 Uhr die Glocken hörten, eine Kerze entzündeten und etliche von uns das „Vaterunser“ sprachen. Jede und jeder an ihrem/seinem Ort und doch gemeinsam in Verbundenheit.
Es ist DAS Gebet. Alles enthalten, das ganze Leben umrissen.
Ein Gebet, das schon durch 2 Jahrtausende gegangen ist und so viele Generationen begleitet hat.
Ein Gebet, das Vieles aus-spricht und doch zu uns spricht.
Wir lesen bei Matthäus 6, 5-15:
Jesus lehrte seine Jünger und sprach:
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen.
Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist;
und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten:
„Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“
Was soll man nun darüber noch predigen?
Überall, wo es Christen gibt, fallen diese Worte irgendwann, im Gottesdienst, zu Hause, auf Reisen … laut und in Gemeinschaft oder in Gedanken allein … in allen Sprachen und Dialekten … in allen Situationen, als Dank, als Klage, als Bitte, als Hilferuf …
So viele Menschen es gibt, so viele Anliegen stecken in diesen Versen … Auch deshalb ist kein Vaterunser wie das andere! Jede und jeder unter uns betet es mit seinen eigenen, inneren Worten, mit allem, was an Erfahrungen, an Höhen und Tiefen des Lebens mitschwingt.
Eine Frage, die Jesus bei uns vermutlich aufwirft, lautet:
Sind alle anderen Gebete damit überflüssig, leeres Gerede, stellen wir damit unsere Frömmigkeit, unseren Glauben nur zur Schau? Denn allein in unseren Gottesdiensten beten wir mehrere Male.
Dann gibt es Gebete, die wir mit unseren Kindern und Enkeln vor dem Schlafengehen beten und natürlich Tischgebete.
Die gereimten, die wir als Kinder lernten oder die frei gesprochenen.
Mein Großvater, der auch Pastor war, sprach gern den 145. Psalm:
„Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Du tust deine milde Hand auf und sättigst alles, was da lebt, mit Wohlgefallen“. Ich höre heute noch seine Stimme…
Ja, und es gibt die ganz kurzen, die besonders die Konfirmanden und Jugendlichen lieben. „Lieber Gott, segne flott…“
Wir beten zu bestimmten Anlässen, rufen zu gemeinsamen, ökumenischen Gebeten auf, sogar über Religionsgrenzen hinweg.
Auch hier in unserer Kirche hat es im letzten Jahr diese religionsübergreifenden Gebete gegeben.
Ja, und sind diese vielen Gebete denn überflüssig oder unaufrichtig?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus etwas dagegen hatte, auch andere Gebete zu sprechen.
Er selbst brauchte auch diese Auszeiten für sich, um zu beten und er sprach dabei sicher auch noch andere Worte als jene, die von ihm stammen und über die wir gerade nachdenken. Er besuchte die Synagogen, lehrte dort und natürlich wurden dort auch in aller Öffentlichkeit Gebete gesprochen.
Worum also ging es ihm, wenn nicht darum, uns vorschreiben zu wollen, wie wir mit Gott reden, kommunizieren sollen?
Vielleicht darum, das Gespräch mit Gott und damit ihn selbst nicht zu instrumentalisieren, wenn wir wortreich auf ihn einplappern.
Und kein Ende finden können und dabei nicht offen sind für ihn.
Gott braucht keine langen Erklärungen von unserer Seite, er braucht keine ausführlichen Schilderungen der Situation, der Probleme.
Denn er kennt und versteht uns, ohne dass alles ausgesprochen werden muß. Ja, und manchmal braucht Beten auch gar keine Worte.
Aber wenn doch oder wenn uns die eigenen Worte fehlen, dann ist in diesem Gebet alles drin, was wir zum Leben benötigen.
Und wir sprechen mit Gott wie mit einem guten Vater.
Gegen unsere Angst setzen wir auf seine Nähe und Liebe. Wir sprechen vom Brot, das an jedem Tag da ist und unsere Sorgen kleiner werden lässt. Wir erinnern uns, wie viel wir einander zu vergeben haben, nicht nur um unserer Nerven willen. Und wir sprechen auch von dem Bösen, versteckt in den dunklen Ecken unseres Lebens, aber trotzdem da, gegen alles Verdrängen.
Nicht alles in diesem Gebet brauchen wir zu allen Zeiten in unserem Leben. Aber in diesem Gebet ist alles aufbewahrt, bis wir es brauchen.
Wir tragen es in uns. Und dann und wann davon zu zehren, das ist Beten.
Amen

Datum
17.05.2020
Von
Pastorin Anke Kieseler
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